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Kunsthistorikerin klärt auf: Warum haben antike Statuen meistens einen kleinen Penis?

Der perfekte Körper in Marmor, nur der Penis wirkt zwischen den straffen Muskelpartien und klaren Konturen wirklich klein. Aber woran liegt das? Eine Kunsthistorikerin lüftet das Geheimnis. 

Eine Replika einer Michelangelo-Statue

Sie haben die perfekten Körper, gehauen aus weißem Marmor: Die antiken Statuen zeigen den menschlichen Körper in Vollendung. Die Meisterwerke glorifizieren den Menschen - eine künstlerische Darstellungsform, die in der Renaissance zurückkehrte. Doch zwischen all der Perfektion fällt auf: Die Penisse der antiken Statuen waren proportional betrachtet winzig. Aber warum verpassten Michelangelo, Raffael und Co. ihren Meisterwerken eine Mini-Gemächt?

Die Kunsthistorikerin Ellen Oredsson geht in ihrem Blog dieser Frage nach. Dabei fokussiert sie sich vor allem auf die griechische Antike und deren Künstler, die einen großen Einfluss auf die Gestaltung von Statuen hatten (die die römischen Künstler oftmals nur die Griechen kopierten). 

Durchschnittliche Penis-Größe

Oredsson nennt zwei Hauptargumente für die kleinen Penisse: Zum einen sei die dargestellte Größe gar nicht so viel kleiner als durchschnittliche Penisse heute. Und zum anderen habe in der Antike ein anderes Schönheitsideal vorgeherrscht. Anders als heute, wo große Penisse mit Kraft und Potenz gleichgesetzt werden, galten damals die kleineren Normalgrößen als attraktiv.

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Große Penisse seien damals mit Dummheit, Lust und Hässlichkeit assoziiert worden, zitiert Oredsson aus dem Werk "Greek Homosexuality" des Historikers Kenneth Dover. Ein großer Penis, das entsprach nicht dem körperlichen Selbstverständnis der Zeit. Der antike Mann sah den Menschen als denkenden, rational agierenden Intellektuellen, der zwar sexuell aktiv war, aber sich nicht mit stumpf-wollüstigen Barbaren in Zusammenhang bringen lassen wollte.

Große Penisse stehen für Dummheit

Doch tatsächlich gibt es auch in der Antike Darstellungen übergroßer Penisse. Oredsson berichtet, dass es sich dabei häufig um einen Satyr (Mythologische Wesen, die dem Gott der Vergnügung und des Weines, Dionysus folgten) oder den griechischen Gott Priapus handelt. Priapus ist ein Fruchtbarkeitsgott, der - laut der Mythologie - von Hera mit einer Dauererektion verflucht wurde. Kurz gesagt: Alle Darstellungen eines großen Penisses in der Antiken standen im Zusammenhang mit Dummheit oder einer animalischen Ausgestaltung wie beim Satyr (Halb mensch, halb Ziegenbock).

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