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Freizeitparks: Euro Disney ist eine finanzielle Katastrophe - und lohnt sich trotzdem

Der Freizeitpark Euro Disney in Frankreich steckt wirtschaftlich in der Krise. Seit Jahrzehnten verbrennt Disneys Zauberreich Millionen. Trotzdem lohnt sich das für den Mutterkonzern. Und: Längst gibt es neue Hoffnungsträger.

Euro Disney: Wirtschaftlich nicht erfolgreich

Euro Disney ist wirtschaftlich wenig erfolgreich.

Leicht hatte es das Disneyland Europas nie: Schon vor dem Bau wetterten Frankreichs Intellektuelle gegen den Kulturimperialismus. Nein, sie wollten niemals einen Fuß in das EU-Entenhausen setzen und Micky, Pluto und Cinderella bei ihrer Kitsch-Parade beklatschen. Wie sich schnell zeigte, waren sie mit ihrer Meinung allein.

In diesem Jahr feiert der Europaspross des Disneylands seinen 25-jährigen Geburtstag. Zwar kann sich der Freizeitpark in Marne-le-Vallée, rund 40 Kilometer von Paris entfernt, damit rühmen, der größte Europas zu sein. Rund 14 Millionen Besucher kommen jährlich ins Euro Disney. Doch der wirtschaftliche Erfolg ist mehr als überschaubar. Nur wenige Jahre seit der Eröffnung 1992 waren profitabel. Nun muss der Mutterkonzern und Hauptaktionär finanziell einspringen - mal wieder.

Disney muss Milliarden investieren

Seit Jahrzehnten eiert die Walt Disney Company mit dem Freizeitpark rum, verzichtet mal auf Lizenzeinnahmen und schiebt frisches Geld in den Freizeitpark. Jüngster Coup: Eine groß angelegte Rückkauf-Aktion der Aktien. Kosten dafür: Umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro, berichtet die "Los Angels Times". "Die heutige Ankündigung spiegelt das Vertrauen der Walt Disney Company ins Disneyland Paris und in Frankreich wider und wird es Euro Disney ermöglichen, die Verbesserung und Investition in das Resort fortzusetzen", ließ das Unternehmen in einer Erklärung wissen. Es ist der zweite Rettungsanker des Konzerns in drei Jahren. 2014 musste Disney rund eine Milliarde Euro in den Park pumpen

Emma Watson in "Die Schöne und das Biest"

Disneyland Paris hatte von Anfang an Schwierigkeiten

Schon direkt nach der Parkeröffnung kam der Freizeitpark nicht in die Erfolgsspur. Dabei hatte Frankreich viel für den Zuschlag des Disney-Konzerns getan, denn auch Barcelona war als Standort im Gespräch. Also baute Paris Autobahnen und Schnellzugbahnhöfe. Und auch Disney butterte ordentlich in den Park: 3,8 Milliarden Euro steckte das Unternehmen in das Kinderparadies - größtenteils per Kredit finanziert. "Die Finanzierung am Anfang hatte nur einen einzigen Fehler", zitiert die "Welt" den Ex-Konzernchef Philippe Bourguignon, der Euro Disney von 1993 bis 1997 leitete: "Sie ging davon aus, dass alles gut laufen würde." Doch der große Ansturm blieb aus. Die Hotels, Restaurants und der Park blieben deutlich unter den Möglichkeiten. Das Euro Disney türmte Schuldenberge auf. Also wurde kräftig an der Werbeschraube gedreht und die Tickets billiger verkauft. Und Disney verzichtete auf Lizenzgebühren. Ab 1995 war der Park profitabel. 

Allerdings hielt die Phase nicht lange an. Kurz nach der Jahrtausendwende rutschte das Unternehmen wieder ins Minus. Die Terroranschläge vom 11. September ließen die Besucherzahlen des Parks einbrechen. Die Menschen mieden aus Angst große Menschengruppen. Dieser Einbruch kam zu einer denkbar schlechten Zeit, denn 2002 eröffnete Euro Disney den zweiten Themenpark, der rund 600 Millionen Euro gekostet hatte. Zwei Jahre später musste der Park sich frisches Kapital besorgen - und fand es beim saudischen Prinz Al Waleed bin Talal. Rund zehn Prozent der Aktien gehörten dem Monarchen - Disney kaufte ihm kürzlich die Aktien ab.


Bis April 2017 will Disney mindestens 95 Prozent der Aktien übernehmen, den Freizeitpark von der Börse nehmen und als Tochtergesellschaft weiterführen, so die "Los Angeles Times". Im vergangenen Geschäftsjahr meldete Euro Disney den Rekordverlust von 705 Millionen Euro. Darüber hinaus lastet rund eine Milliarde Schulden auf dem Freizeitpark.

Verkauf von Euro Disney lohnt nicht

Doch warum stößt der Disney-Konzern das defizitäre Wunderland nicht einfach ab?


Zum einen verdient der Konzern an dem Freizeitpark, sechs Prozent des Umsatzes fließt als Lizenzabgabe an Disney. Da der Park gut besucht wird, lohnt sich der Deal. Doch es gibt auch Kritiker, die Disney vorwerfen, dass Euro Disney längste hätte profitabel sein können, wenn nicht das Geld in die USA abwandern würde.

Zum anderen ist der Park auch ein Marketingvehikel. Hier kann der Konzern seine Figuren zum Leben erwecken und den Besuchern die ganze Merchandise-Palette anbieten. 

Disneyland übertrifft Erwartungen

Und Disney hat längst ertragreiche Parks geschaffen. Das erst im Sommer 2016 in Shanghai eröffnete Disneyland überflügelt sämtliche Prognosen. Schon in diesem Jahr soll der Park profitabel arbeiten. Sieben Millionen Besucher kamen 2016 in den Park. Gerade zum chinesischen Neujahrsfest mussten die Tickets im Verkauf begrenzt werden. Teilweise wurde der Verkauf ganz ausgesetzt. Doch Disney hat schon die nächsten Projekte am Start. 2019 soll in Los Angeles der Star-Wars-Themenpark eröffnen. Er soll der weltgrößte monothematische Park werden. Die Baukosten werden sich Insidern zufolge auf rund eine Milliarde US-Dollar belaufen. Vor fünf Jahren hatte Disney die Star-Wars-Firma Lucasfilm für rund vier Milliarden Dollar gekauft. Ein lukrativer Deal, denn die Filme und das dazu angebotene Merchandise und Spielzeug schwemmt Milliarden in Disneys Kassen. Der Star-Wars-Park könnte also zum nächsten Umsatzbooster werden.