VG-Wort Pixel

Modehandel Höhere Preise, bessere Qualität: Warum Arket der Hoffnungsträger von H&M ist

Arket in London: Großer Andrang zur Eröffnung
Zur Eröffnung des Arket-Stores in London war der Andrang groß
© Ray Tang/ / Picture Alliance
H&M steckt in der Krise. Hoffnungsträger des schwedischen Konzerns ist die Marke Arket, die erst 2017 gegründet wurde. Statt Billig-Klamotten zum Wegschmeißen will Arket nachhaltig sein - und dennoch günstig. Kann das gelingen?

Arket soll es richten. Die neue Marke des schwedischen Modekonzerns H&M wurde erst 2017 gegründet und gilt als Hoffnungsträger für den angeschlagenen Fashionriesen. Denn für H&M lief es zuletzt gar nicht gut. Das Wetter und verändertes Kundenverhalten sorgten dafür, dass H&M satte Abschläge beim Gewinn hinnehmen musste. Dazu kam der Skandal um den farbigen Jungen, der für ein Katalog-Shooting einen Pullover mit Affen-Spruch trug. H&M taumelte in einen weltweiten Shitstorm.

+++H&M-Chef im Interview: So will er H&M umkrempeln +++

Die neue Marke Arket soll einiges geraderücken. Und sich auch deutlich von H&M absetzen: Nachhaltigkeit steht im Vordergrund. Statt Billig-Klamotten, die schnell in der Tonne landen, geht es um Langlebigkeit - und das zu deutlich höheren Preisen. Kann das funktionieren? "Wir legen Wert auf Langlebigkeit, und das spiegelt sich in allem wider, was wir herstellen. Wir glauben, dass unsere Kunden nach Qualität als einem breiteren Konzept suchen", sagt Lars Axelsson, CEO von Arket, zu "FashionUnited". "Als Marke innerhalb der H&M Gruppe hat Arket den Ehrgeiz, den Wandel zu einer nachhaltigen Modebranche anzuführen. Unser Fokus liegt auf haltbaren und langlebigen Produkten, die über viele Jahre genutzt werden können." Die Kleidung von Arket ist im Vergleich zu H&M tatsächlich teurer. Einfache Hemden kosten rund 70 Euro, Kleider fangen bei 49 Euro an. Einfache T-Shirts kosten rund 20 Euro.

Arket will keine Trends, sondern Langlebigkeit

Arket will nicht aktuellen Trends hinterherhetzen, sondern langlebige Stücke verkaufen. Je eine Kollektion im Frühjahr und Sommer sowie im Herbst und Winter bilden das Fundament. Doch ganz kann sich die Marke offenbar nicht von Trends lossagen. Denn Axelsson kündigt an, das es "kleine Drops mit saisonalen Schwankungen und Neuzugängen im Kernsortiment" geben werde. "Um Produkte mit längerer Lebensdauer herzustellen, investieren wir Zeit in deren Entwicklung." Man orientiere sich an Vintage-Kleidung, identifiziere bestimmte Stile. "Als Marke innerhalb der H&M Gruppe hat Arket den Ehrgeiz, den Wandel zu einer nachhaltigen Modebranche anzuführen. Unser Fokus liegt auf haltbaren und langlebigen Produkten, die über viele Jahre genutzt werden können", so der Arket-Chef. Man wolle Kunden dabei helfen, dass sie ihre Klamotten richtig pflegen, um sie länger tragen zu können. 

H&M braucht neue Impulse

Nachhaltig, dafür teurer - so will H&M Marktanteile zurückerobern. Denn die Konkurrenten machen den Schweden das Leben schwer.  "Die Schweden werden rechts und links überholt von Mitbewerbern. Zara ist schneller und modischer, Primark billiger",  sagt Tina Weber, Professorin für International Fashion Retail an der Hochschule Reutlingen, zur "Zeit". "Als H&M in den Achtzigern auf den deutschen Markt kam, hatte das Unternehmen einen klaren Vorteil: Es bot modische Bekleidung zu sehr günstigen Preisen, was es bis dahin sonst kaum gab." Doch billig allein reicht heute nicht mehr, dafür sind zu viele neue Wettbewerber wie Primark unterwegs. Also hat H&M das Hipser-Klientel als neue Zielgruppe ausgemacht. Im Arket-Store ist ein vegetarisches Café integriert. "Wir haben uns angesehen, welche Erfahrungen wir als Kunden vermisst haben, wo man sich inspiriert und wohl fühlt, wo man leicht findet, was man sucht, und wo man die Qualität der Produkte verstehen kann", sagt Axelsson im Interview. "Wir wollten auch mehr bieten als nur einkaufen, und das Café zu einem zentralen Teil der Geschäfte zu machen, war eine natürliche Richtung."

Ob das neue Konzept von H&M aufgeht, wird sich zeigen müssen. Da der schwedische Konzern keine Zahlen für seine Marken ausgibt, bleibt nur das Wort des Arket-Chefs, der von positivem Kunden-Feedback spricht. Arket bleibt zumindest auf dem Expansionspfad - allein in diesem Jahr stehen noch vier Neueröffnungen an. 

Modehandel: Höhere Preise, bessere Qualität: Warum Arket der Hoffnungsträger von H&M ist

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker