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Brief an den neuen Chef Revolte bei Ikea: "Mitarbeiter sind unglücklich und haben Angst vor der Zukunft"

Ikea Filiale
Ikea-Mitarbeiter sind in Sorge um ihre Jobs
© Fredrik von Erichsen/ / Picture Alliance
Ikea will sich verändern und das Online-Geschäft verstärkt in den Fokus nehmen. Offenbar zulasten der Mitarbeiter. Die wehren sich in Briefen an den neuen Chef. Ihre Schreiben zeigen: Die Belegschaft hat Angst.

Ikea will sich fit für die Zukunft machen. Das bedeutet nicht gleich das Aus für die großen Möbelhäuser auf der grünen Wiese. Aber der Konzern experimentiert mit neuen Filialformen, wie kleineren Geschäften in direkter Innenstadtlage. Und natürlich gehört auch der Ausbau des Online-Geschäfts dazu. Denn während sich Ikea in den vergangenen Jahren noch stark auf das stationäre Geschäft konzentriert hat, wächst die Konkurrenz vor allem im Netz.

Im Herbst 2018 kündigte der Konzern einen großen Umbau an. Weltweit wolle sich der Konzern von rund 7500 Mitarbeitern trennen - und zeitgleich rund 11.500 neue Mitarbeiter einstellen. Der Verdacht, dass Ikea nicht über die richtigen Mitarbeiter verfügt, um die angestrebte Transformation umzusetzen, ist schwer zu entkräften. Wie sehr das interne Stellenkarussell sich dreht, hat die schwedische Zeitung "Expressen" enthüllt. Dem Blatt liegen interne Dokumente aus der Ikea-Zentrale vor. Demnach müssen sich die Mitarbeiter quasi auf ihre Stelle neu bewerben. Wer mit seinem Jobprofil nicht mehr passt, wird umgeschult oder entlassen. Laut "Expressen" würden den Mitarbeitern Abfindungen angeboten, damit sie das Unternehmen verlassen. Diese Änderungen treffen auch das Management. Wie die Zeitung berichtet würden auch Manager auf neue Posten geschoben oder entlassen. 

Ikea-Mitarbeiter in Angst

Solch ein Konzernumbau ist keine Seltenheit. Auch in anderen Branchen werden aktuell Firmen für die Zukunft aufgestellt. Das, was den Mitarbeitern so Angst macht, scheint vor allem die Art und Weise zu sein, wie dieser Konzernumbau bei Ikea geschieht. Denn verantwortlich ist seit dem Tod des Ikea-Patriarchen Ingvar Kamprad (91) im Januar 2018 sein Sohn, Peter Kamprad (55). Der hatte zwar auch schon vor dem Tod des Vaters die Leitung übernommen. Durchregieren konnte er aber erst nach dessen Tod. 

Und dies tut er offenbar mit wenig Fingerspitzengefühl. In Briefen berichten die Mitarbeiter anonym, wie es ihnen am Arbeitsplatz geht. "Es ist sehr, sehr turbulent in der Firma. Peter Kamprad hat nicht das gleiche Gefühl im Umgang mit Personal wie sein Vater", so ein Ikea-Mitarbeiter. "Derzeit gibt es hier eine Kultur des Schweigens [...] Viele haben Angst, im falschen Kreis das Falsche zu sagen“, so ein weiterer Mitarbeiter. "Es sind viel zu viele Menschen, die sich unglücklich fühlen und nicht wirklich verstehen, was passiert. Und die sich Sorgen um die Zukunft machen", so ein Mitglied der Geschäftsführung von Ikea. Eines der Probleme ist die Persönlichkeit von Peter Kamprad, die sich stark vom Vater unterscheidet. Ein Manager, der anonym bleiben wollte, beschreibt ihn als "introvertierte Person", die zwar zu vielen Ikea-Filialen gereist sei und sich bemühe. Doch sein Vater wurde von den Ikea-Mitarbeitern sehr geschätzt. Er kannte nahezu alle Mitarbeiter mit Namen. "Ich denke, niemand kann ein neuer Ingvar werden, aber die Kritik ist übertrieben", ordnet Lars-Johan Jarnheimer, Chef der Inka-Holding, die Kritik ein.

Ikea reagiert promt. Larda Harder, Chefin von Ikea Schweden schrieb sofort einen Brief an alle Mitarbeiter. "Wir sind gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die nicht immer einfach sind", schreibt sie. Vor allem bei Veränderungen dieser Größenordnung. "Wir untersuchen alle Teile des Konzerns, um eine bessere und effizientere Organisation zu schaffen." Sie stelle die Äußerungen der Kollegen und ehemaligen Mitarbeiter, die sich gegenüber "Expressen" geäußert haben, nicht in Frage. Vielmehr gebe es bei dem Transformationsprozess Verbesserungsbedarf.

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kg

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