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Neue Strategie: Ikea experimentiert mit eigenen Restaurants - ganz ohne Möbelgeschäft

Bei Ikea klingeln die Kassen längst nicht mehr nur durch die Verkäufe von Billy, Malm oder Pax. Die Restaurants sind zum Umsatztreiber geworden. Nun planen die Schweden eigene Fresstempel. Ganz ohne Möbel.

Ikea plant eigene Restaurant-Kette

Ikea plant eigene Restaurant-Kette.

Fast jeder dritte Kunde, der eine -Filiale besucht, will keine Möbel kaufen. Nicht mal Teelichter. Diese Kunden umschiffen den SB-Bereich und die Möbelausstellung und steuern direkt das Restaurant an. Lachs, Mandeltorte und Getränke, die man ohne Zusatzkosten nachfüllen kann - das kommt gut an bei den Kunden. Längst hat Ikea reagiert und hinter den Kassen noch eine Art Supermarkt mit den beliebten Snacks eingerichtet. Dort können Kunden das Party-Set für Hot Dogs, Preiselbeeren und schwedische Spezialitäten für zu Hause einkaufen.

Köttbullar und Co. sind längst zu wichtigen Umsatztreibern geworden. Das Möbelhaus rangiert auch unter den Top-10 der größten Fast-Food-Unternehmen in Deutschland. Die Lebensmittelsparte hat Potenzial, sagt Michael La Cour, der diesen Bereich verantwortet, gegenüber "Fast Company". Warum Ikea so lange die Macht der Lebensmittel unterschätz hat, sagt La Cour: "Es mag seltsam klingen, aber wir haben es fast nicht bemerkt."

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Klippan Sofa

Auf dem zehnten Platz landet das Sofa Klippan.

Eigentlich sollten die Snacks nur Kunden locken. "Wir haben die Fleischbällchen immer als den besten Sofa-Verkäufer bezeichnet", sagt Gerd Diewald, der die Lebensmittelgeschäfte von Ikea in den verantwortet. "Es ist schwer, mit hungrigen Kunden Geschäfte zu machen. Wenn wir ihnen Essen servieren, bleiben sie länger, können über ihre potenziellen Einkäufe sprechen und eine Entscheidung treffen, ohne den Laden zu verlassen."

Ikea modernisiert Restaurants

In den USA hat das Unternehmen die hauseigenen Restaurants modernisiert. Denn die Kundschaft von Ikea ist sehr unterschiedlich. Die Bedürfnisse von Studenten-WGs, die einen neunen Küchentisch kaufen, sind andere als die älterer Paare, die auch hochpreisige kaufen. So kombinieren die Schweden in ihren Restaurants, in denen sie rund 600 Gäste zeitgleich bewirten können, lockere Tresen mit Barhockern, gemütliche Ecke und einen Kinderspielbereich. Das Ergebnis: Der Food-Bereich wächst jährlich um acht Prozent. 2016 lag der weltweite Umsatz in diesem Bereich bei 1,8 Milliarden US-Dollar. 

Ikea setzt auf Cafés und Restaurants in der Innenstadt

Nun scheint Ikea erst Versuche zu unternehmen, das Food-Geschäft vom -Business zu entkoppeln. Partnerschaften, unter anderem mit einem nachhaltigen Lachsproduzenten aus Norwegen, drücken die Preise und zeigen: Ikea strafft den Lebensmittelbereich und professionalisiert ihn. In London, Paris und Oslo experimentieren die Schweden mit Pop-up-Restaurants auf kleiner Fläche, mitten in den Innenstädten. Ganz ohne Möbel. "Allein die Tatsache, dass wir nicht viele Quadratmeter für ein Café oder ein Restaurant brauchen, macht es für sich interessant", sagt La Cour zu "Fast Company". "Ich glaube fest daran, dass Potenzial vorhanden ist. Ich hoffe, dass unsere Kunden in ein paar Jahren sagen werden: 'Ikea ist ein großartiger Ort zum Essen - und nebenbei verkaufen sie auch ein paar Möbel.'"

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