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Konzern-Umbau: Kleinere Läden, Online-Shops und Job-Abbau: So will Ikea fit für die Zukunft werden

Ikea wächst kaum noch - zumindest in den etablierten Märkten wie Deutschland. Die Idee der riesigen Möbelmärkte auf der grünen Wiese hat ausgedient. Nun schwenkt der schwedische Konzern um. Das kostet Arbeitsplätze.

Ikea plant die Zukunft

Ikea plant die Zukunft - mit kleineren Filialen und dem Online-Ausbau.

Getty Images

Ikea - das sind bislang große blau-gelbe Einkaufsklötze auf der grünen Wiese. Und dieses Konzept ging auch viele Jahrzehnte lang gut. Wer eine neue Küche haben wollte, das Kinder- zum Jugendzimmer umfunktionierte oder wenn eine Wohngemeinschaft nicht horrend viel Geld für einen großen Esstisch ausgeben wollte - sie alle fuhren zu Ikea. Doch auch im Möbelhandel hat sich einiges getan. Längst gibt es Konkurrenz aus dem Netz. Zwar hat auch Ikea erkannt, dass der Konzern online aufrüsten muss - doch bislang war das Geschäft im Netz eher ein Zusatzgeschäft. Doch nun machen die Schweden ernst. Ikea reißt das Ruder herum und ändert seine Strategie.

"Wir wachsen weiter und sind nach wie vor sehr erfolgreich. Wir stellen jedoch fest, dass die Einzelhandelslandschaft sich in einem nie dagewesenen Ausmaß und Tempo verändert", so Jesper Brodin, Chef des Ingka Konzerns, zu dem auch Ikea gehört. "Weil sich das Kundenverhalten schnell ändert, investieren wir in unser Geschäft und bauen es aus, um die Bedürfnisse unserer Kunden auf neuen Wegen zu erfüllen." Konkret heißt das, das Ikea sich wandelt - oder genauer: Sich wandeln muss. Die Online-Präsenz soll ausgebaut werden und neue Einrichtungshauskonzepte dazu kommen. So plant Ikea in 30 Großstädten weltweit innerstädtische Läden, wie es sie bereits in Hamburg gibt. Dort bekommen Kunden nicht das gesamte Sortiment, auch die Ausstellungsfläche ist kleiner, aber Accessoires und Dekogegenstände können gekauft werden. 

Ikea plant neue Filialen in Nürnberg, Bochum und Essen

Dass die großen Einrichtungshäuser außerhalb von Metropolen nicht mehr den Bedürfnissen von Kunden entsprechen, weiß Ikea schon länger. Deshalb überarbeiten die Schweden auch ihre geplanten Neueröffnungen in Nürnberg und München-Eching. So soll in Nürnberg nun eine kleinere Filiale eröffnen und zusätzlich soll es ein Lager für Online-Lieferungen geben. Zudem möchte Ikea gerne neue Häuser in Essen und in Herne oder Bochum eröffnen. Pläne für Filialen in Bottrup und Castrop-Rauxel waren in diesem Jahr begraben worden.

Ikea Deutschland wuchs zuletzt um 2,8 Prozent in Deutschland und knackte erstmals die 5-Milliarden-Euro-Marke. Im internationalen Vergleich war das zuwenig, dort legte der Konzern um 4,7 Prozent zu. In Deutschland ist es vor allem der Online-Shop, der florierte: Ein Plus von 12,8 Prozent im vergangenen Jahr. Allerdings ist der Anteil der Online-Käufe im Vergleich zu den Filialen noch recht gering. Nur 7,4 Prozent (371 Millionen Euro) vom Gesamtumsatz erwirtschaftet Ikea im Netz. Das soll sich nun ändern. Dafür will Ikea Distributionszentren, um die Ware schneller an Kunden liefern zu können. Das erste dieser Art startete im niedersächsisches Elsdorf Anfang Oktober.

Jobs fallen bei Ikea weg - und neue kommen hinzu

Das bedeutet aber auch, dass weltweit rund 7500 Arbeitsplätze "hauptsächlich in globalen Funktionen und den Landeszentralen" wegfallen, heißt es bei Ikea. Auf der anderen Seite kommen durch die neuen, kleineren Geschäfte und den Online-Ausbau auch rund 11.500 neue Stellen dazu. "Das bedeutet für uns, dass wir in der Lage sein werden, mit unseren Kunden zu interagieren, wann und wo immer sie es wünschen, und unsere Produkte und Services auf verschiedenen Wegen anzubieten, und das zu Preisen, die sich die vielen Menschen leisten können", so ein Manager vom Ikea-Mutterkonzern. "Damit das möglich wird, müssen wir die Art und Weise verändern, wie wir führen, arbeiten und uns organisieren." 

kg