Immobilienkrise Greenspan sieht historische Krise

Für den ehemaligen Fed-Chef Alan Greenspan hat es seit dem zweiten Weltkrieg keine ähnlich große Krise in den USA gegeben. In Deutschland sind noch keine gravierenden Folgen zu spüren. Trotzdem fordert Bafin-Chef Jochen Sanio von den Banken schonungslose Offenheit.

Erstmals seit langem hat sich auch der ehemalige amerikanische Notenbank-Chef Alan Greenspan zur Krise in den USA geäußert. In einem Gastbeitrag für die britische "Financial Times" spricht er von der schwierigsten Situation seit dem zweiten Weltkrieg. Wann sich die Situation wieder stabilisieren wird, sei kaum vohersehbar, so Greenspan. Alle Maßnahmen, die als Lehre aus der Krise ergriffen würden, dürften die Flexibilität der Märkte und den internationalen Wettbewerb aber nicht einschränken, warnte er.

Die Kreditwirtschaft muss nach Ansicht von BaFin-Chef Jochen Sanio mit schonungsloser Offenheit auf die sich zuspitzende Finanzkrise reagieren. "Die Banken müssen ihre Belastungen aus dem Engagement auf dem US-Subprime-Markt offenlegen. Die Wahrheit zu verbergen, würde die Vertrauenskrise verlängern", sagte Sanio dem Fachmagazin "The Financial Regulator".

Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geht davon aus, dass sich die Belastungen aus der Krise für die Banken bislang auf etwas mehr als 200 Milliarden Dollar summieren. Die Finanzkrise hat mit dem Notverkauf der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns einen neuen Höhepunkt erreicht. Auch in Deutschland sind zahlreiche Banken von der Krise betroffen, besonders stark die Landesbanken und die Mittelstandsbank IKB.

Manager gelassen

Die deutsche Wirtschaft sieht derzeit noch keine negativen Auswirkungen der Krise für Deutschland. Sechs von zehn Managern erklärten in einer in Berlin veröffentlichen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die deutsche Wirtschaft sei von der Krise "weniger stark oder gar nicht betroffen". Ob diese relativ positive Einschätzung allerdings nach der jüngsten Zuspitzung in den USA erhalten bleibe, sei aber zweifelhaft, sagte Allensbach-Chefin Renate Köcher. In der Umfrage äußerten 70 Prozent der im Auftrag der Zeitschrift "Capital" Befragten, den Banken stehe das Schlimmste aber noch bevor. Die Konjunktur beurteilten die Spitzenmanager überwiegend weiter zuversichtlich.

Auch die Bundesregierung sieht die Folgen für Deutschland derzeit gelassen. Es gebe keinen Grund zur Panik und keine Anzeichen dafür, dass sich zusätzliche Belastungen für den deutschen Finanzmarkt ergeben könnten, sagte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Montag in Berlin.

Kein Konjunkturprogramm

Forderungen der Opposition nach einem Konjunkturprogramm und Steuersenkungen zur Entlastung der Bürger lehnt der Bund ab. Das Wirtschaftsministerium rechnet unverändert mit einem Wachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr. Auftragsbestand und Kapazitätsauslastung der Firmen seien gut. Minister Mivhael Glos sagte, er habe den Eindruck, dass die US-Notenbank Fed die Lage "weitgehend unter Kontrolle" habe. Er hoffe, dass sie die Märkte beruhige.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg erinnerte die Ministerien aber an die vereinbarte Haushaltsdisziplin. 2011 soll der Bundeshaushalt ausgeglichen sein und ohne neue Schulden auskommen. "Das wollen wir erreichen, das ist ein ehrgeiziges Ziel", sagte Steg. Der Eindruck, der Sanierungswille in der Koalition erlahme, sei falsch: "Das ist eine Interpretation, die nicht zulässig, nicht begründet ist." Einzelne Ministerien sind jedoch mit saftigen Forderungen in die ersten Verhandlungen zum Haushalt 2009 gestartet.

Die zusätzlichen Ausgabenwünsche bis 2011 belaufen sich auf etwa 40 Milliarden Euro. Allein für 2009 haben die Ressorts 7,5 Milliarden Euro extra beantragt. Steinbrück verschickte mehrere "blaue Briefe". Die Lücke "zwischen Wünschbarem und Finanzierbarem" sei in diesem Jahr zu groß, sagte der Sprecher des Finanzministeriums. Man erwarte nun, dass die Ausgabenpläne überarbeitet würden.

Steg erklärte, um das Sparziel 2011 zu erreichen, müssten sich die Ministerien 2009 und 2010 diszipliniert verhalten. Es gebe aber keinen Zweifel daran, dass alle Regierungsmitglieder in großer Übereinstimmung die haushaltspolitischen Ziele mittragen würden.

DPA/Reuters DPA Reuters

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