Individuelles Begräbnis Bestattung bei Musik und Mondschein


Die Individualität endet mit dem Tod: Denn ob es um Grabform oder -gestaltung geht, alles ist genau geregelt. Anders auf dem ersten Privatfriedhof Deutschlands. Hier kann dem Toten ein individuelles und persönliches Andenken gesetzt werden.

Am Freitag eröffnete der erste in reinem Privatbesitz befindliche Friedhof Deutschlands. Auf einem bewaldeten Hügel liegen die "Gärten der Bestattung" gleich am Ortsrand von Bergisch-Gladbach, unweit von Köln. "Der Friedhof soll eine Alternative zum Trend des namenlosen Verschwindens in anonymen Gräbern sein", sagt Gründer Fritz Roth. Seit mehr als 20 Jahren ist er tätig als Trauerbegleiter und Bestatter. Er gilt als "Pionier des deutschen Bestattungswesens."

Auf dem neuen Friedhof will er "jeden erdenklichen Gestaltungsspielraum" bieten. Das hat es auf den etwa 320.000 offiziellen Friedhöfen in Deutschland bisher nicht gegeben. Die Möglichkeit, Grab und Begräbnis frei von behördlicher Regelung zu gestalten, war Angehörigen versagt. Zwar gibt es bereits einige private Friedhofsbetreiber, wie die Darmstädter Friedwald GmbH, die die Asche der Toten an Wurzel von Bäumen beisetzt. Aber auch die Waldfriedhöfe, auf denen dies geschieht, gehören den Kommunen.

Urne unter Wurzeln

In den "Gärten der Bestattung" ist das anders. Das 30.000 Quadratmeter große Gelände im idyllischen Strunde-Tal gehört Fritz Roth. Dass der Bestatter darauf den ersten privaten Friedhof Deutschlands errichten konnte, war aber erst möglich, nachdem 2003 in Nordrhein-Westfalen ein neues Bestattungsgesetz an die Stelle des Preußischen Allgemeinen Landrechts von 1794 trat. Seitdem können Urnenbestattungen auch außerhalb von Friedhöfen stattfinden - "auf dafür vorgesehenen Feldern".

Die Angehörigen können künftig die Urne der Verstorbenen unter den Wurzeln eines Baumes oder am Rande eines kleinen Bachlaufs begraben. Sie dürfen zur Erinnerung eine schlichte Plakette anbringen oder die Grabstelle von einem Künstler fantasievoll gestalten lassen. Die Beerdigungs-Kosten beginnen bei etwa 600 Euro. Eine schlichte Urnenbestattung kostet 300 Euro. Im benachbarten Köln werden für eine Urnenbestattung auf städtischen Friedhöfen im Schnitt 2000 Euro verlangt.

Ort der Kommunikation

Sein privater Friedhof ist nach dem Willen von Fritz Roth ein "Platz der Kommunikation". Er verzichtet auf fest angelegte Wege zu den Gräbern. Mit der Zeit sollen stattdessen Trampelpfade entstehen. Es gibt auch keine festen Öffnungszeiten. Das Gelände steht Besuchern Tag und Nacht offen. Beerdigungen können jederzeit stattfinden. Sogar mitten in der Nacht. "Auf meinem Friedhof haben Trauernde die Gelegenheit, auch abends oder am Wochenende ihre Toten zu bestatten", sagt Roth. "Eben dann, wenn es eine gute Zeit für sie ist."

Gerd Elendt

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