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Insolvenz der Skandal-Bäckerei: Kontrolleure entscheiden über die Zukunft von Müller-Brot

Die Skandal-Bäckerei Müller-Brot ist insolvent. Heute entscheiden Kontrollen, wie es mit dem Betrieb weitergeht. Gleichzeitig wurde in Bayern eine zweite Bäckereikette wegen Insekten und toter Mäuse in der Produktion geschlossen.

Maden im Mehl und Mäusekot in der Backfabrik waren einfach zu viel: Müller-Brot ist pleite. Zwei Wochen nach dem von der Lebensmittelkontrolle verhängten Produktionsstopp hat das bayerische Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Der Umsatz brach auch ein, weil Großkunden wie Lidl und Aldi die Produkte aus ihren Regalen verbannt hatten. Jetzt fürchten die 1100 Mitarbeiter um ihre Stellen.

Am Donnerstagabend erklärte Müller-Brot, der Produktionsstillstand "in Neufahrn hat zu einem deutlichen Umsatzeinbruch geführt. Dies hat die Geschäftsführung der Müller-Brot gezwungen, heute Insolvenzantrag zu stellen". Aber die "Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Produktion laufen trotzdem auf Hochtouren": Der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl habe der Freigabe der erforderlichen Gelder bereits zugestimmt.

Die Zukunft der Großbäckerei hängt nun an den Lebensmittelkontrolleuren: Am Freitag inspizierten 18 Spezialisten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie des Landratsamtes und der Bezirksregierung die Fabrik. Von ihrem Urteil hängt ab, ob rasch wieder Semmeln, Brezen und Brote gebacken werden und somit dringend benötigtes Geld in die leeren Kassen kommt.

LGL-Chef Andreas Zapf berichtete, dass die Kontrolleure seit 2009 bei Müller-Brot immer wieder in verschiedenen Räumen der 55.000 Quadratmeter Fabrik Schmutz und Schaben gefunden hätten. Mehrfach seien deshalb Teig und Lebensmittel vernichtet worden. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Müller-Produkte als solche seien jedoch in Ordnung gewesen. Zapf: "Auf der Ware haben wir überhaupt nichts gefunden."

Insekten, tote Mäuse und Schimmel

Unterdessen musste bereits die zweite Bäckereikette in Bayern wegen Hygienemängeln die Produktion einstellen: In der Großbäckerei Biendl und Weber in Donaustauf bei Regensburg fanden Kontrolleure Insekten und tote Mäuse, wie der Leiter der Lebensmittelüberwachung, Pio Baur, sagte. Außerdem hätten sie schwarzen Schimmel in Produktionsräumen und Verkrustungen an Maschinen entdeckt. Das Landratsamt hatte nach der Überprüfung am Dienstag einen sofortigen Produktionsstopp angeordnet, bestätigte Landrat Herbert Mirbeth (CSU).

Wegen schlecht schließender Fenster und mangelnder Belüftung hat sich der Schimmel nach Angaben der Lebensmittelüberwachung schnell ausbreiten können. Eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher bestand dem Landratsamt zufolge nicht - deshalb habe es auch keine Rückholaktionen gegeben. Insekten und Schimmel seien nicht mit Lebensmitteln in Berührung gekommen.

Firmeninhaber Ulrich Weber sagte: "Wir haben keinen Befall in der Richtung gesehen." Inzwischen sei der Betrieb umfassend gereinigt worden, so Weber: "Ich denke, wir haben es abgestellt." Seit 2009 musste der Betrieb dem Landratsamt zufolge schon dreimal wegen Hygienemängeln Bußgeld zahlen. Die Bäckerei hat nach eigenen Angaben 65 Mitarbeiter und 18 Filialen in Regensburg und im Landkreis. Der Jahresumsatz betrage rund 2,2 Millionen Euro. Damit ist die Oberpfälzer Bäckerei wesentlich kleiner als Müller-Brot in Neufahrn bei Freising mit mehr als 1100 Angestellten.

Müller-Brot-Beschäftigte bangen um Jobs

Unter den Müller-Brot-Angestellten ist die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes nach der Ankündigung der Insolvenz noch gewachsen. Wie es weitergehe, hänge von den Kontrollen an diesem Freitag ab, sagte der Vertreter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Mustafa Öz. Danach wolle die Unternehmensleitung anfangen, zu rechnen. "Alle 1100 Beschäftigten müssen zittern." Wenn die Behörde den Betrieb nicht wieder freigebe, sei das eine "Katastrophe".

"Es ist klar, dass wir mit Stellenverlusten rechnen müssen", sagte Öz. "Konkrete Zahlen wurden aber nicht genannt." Seit acht Jahren habe es die Geschäftsführung nicht geschafft, das Unternehmen auf gesunde Füße zu stellen. "Die Mitarbeiter verzichten seitdem regelmäßig auf Lohnerhöhungen und Urlaubsgelder - mittlerweile kommt eine solche Forderung an sie fast monatlich." Nun gebe es auch Anfeindungen von Kunden: "Beschäftigte erzählten, dass sie angepöbelt und beleidigt werden und dass sogar schon Scheiben an einem Lastwagen und an einer Filiale eingeschlagen wurden."

Mehrheitseigentümer Klaus Ostendorf hatte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" zugegeben, dass sein Unternehmen "grobe Fehler" gemacht habe. "Jetzt packen wir die Sache grundsätzlich an", beteuerte Ostendorf jedoch. Dazu gehörten Umbauten, eine Tiefenreinigung, das Versiegeln der Decken, ein neues Hygienemanagement und zusätzliche Spezialdienstleiter für die Reinigung und Schädlingsbekämpfung.

pen/DPA / DPA