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IT-BRANCHE: Schwarzer Tag für US-Computerfirmen

PC-Verkäufe sind erstmals weltweit rückläufig. Kein Wunder, dass in den USA eine Computer- bzw. Softwarefirma nach der anderen Gewinnwarnungen ausgibt.

Die schwache US-Wirtschaft hat nach Erkenntnissen von Marktforschungsfirmen erstmals zu einem weltweit rückläufigen PC-Absatz geführt. Den vorläufigen Daten für das zweite Quartal zufolge wurden weltweit 30,4 Millionen PC verkauft, das waren 1,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. In den USA gingen die PC-Verkäufe das zweite Quartal in Folge zurück. Sie fielen um 6,1 Prozent von 11,4 Millionen auf 10,7 Millionen Stück. Auch in Europa sanken die Verkaufszahlen, genaue Daten wurden aber nicht genannt.

Microsoft mit Gewinnwarnung

Nach einer Gewinnwarnung für das erste Finanzquartal ist der Kurs für die Microsoft-Aktie im nachbörslichen Handel um drei Prozent gefallen. Der Gewinn pro Aktien im am 30. Juni abgelaufenen vierten Finanzquartal des Konzerns entsprach noch den Erwartungen der Analysten. Für das erste Quartal soll der Gewinn bei 39 bis 40 Cent liegen, erklärte Microsoft. Das liegt nun deutlich unter den von den Analysten erwarteten 45 Cent. Ursache ist weiter die schwache Nachfrage im Computerbereich. Im regulären Handel war die Aktie noch um 2,00 Dollar auf 72,57 gestiegen, danach verlor sie 2,70 Dollar.

Sun Microsystems mit Quartalsverlust

Der amerikanische Computer- und Softwarekonzern Sun Microsystems Inc. hat im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2000/2001 (30. Juni) einen Verlust von 88 Millionen Dollar 197 Mio DM/101 Mio Euro) verbucht gegenüber einem Gewinn von 720 Millionen Dollar in der Vorjahresvergleichszeit. Der Umsatz schrumpfte von fünf auf vier Milliarden Dollar. Unter Ausklammerung von Sonderfaktoren verdiente die Gesellschaft 134 (Vorjahresvergleichszeit: 717) Millionen Dollar. Klammert man Sonderfaktoren aus, dann verdiente das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,5 (1,9) Milliarden Dollar.

Auch Gateway mit Verlustabschluss

Der amerikanische Computerhersteller Gateway Inc. hat im zweiten Quartal und im ersten Halbjahr 2001 Verluste und starke Umsatzeinbußen verbucht. Sie waren auf den schwachen Personal-Computer-Markt und firmeninterne Umstrukturierungen zurückzuführen. Der Umsatz fiel im zweiten Quartal 2001 auf 1,5 Milliarden Dollar (3,4 Mrd DM/1,7 Mrd Euro) gegenüber 2,2 Milliarden Dollar in der Vorjahresvergleichszeit. Der Verlust lag bei 20,8 Millionen Dollar gegenüber einem Gewinn von 118,2 Millionen Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Gesellschaft rechnet damit, dass sie vor Steuern und Sonderposten in der zweiten Jahreshälfte ein ausgeglichenes Ergebnis verbuchen wird. Der Absatz soll zwar in den kommenden zwei Quartalen gegenüber den vorangegangenen Quartalen steigen, doch nicht das Vorjahresniveau erreichen.

Nortel macht Monumentalverlust

Der kanadische Telekomausrüster Nortel Networks Corporation hat im zweiten Quartal 2001 auf Grund des dramatischen Einbruchs des Telekommarktes und wegen beispielloser Sonderbelastungen einen unglaublichen Verlust von 19,4 Milliarden US-Dollar (43,5 Mrd DM/22,3 Mrd Euro) verbucht. Das Unternehmen hatte schon in der Vorjahresvergleichszeit rote Zahlen von 745 Millionen Dollar ausgewiesen. Es war einer der höchsten Verluste, den je ein nordamerikanisches Unternehmen verbucht hat. Die Nortel-Sonderbelastungen entfielen zu 12,3 Milliarden Dollar auf Wertberichtigungen auf stark gefallene Investments. Die Kosten einer Massenentlassungsaktion (833 Millionen Dollar) und einer Spartenschließung (2,8 Milliarden Dollar) belasteten das Quartalsergebnis ebenfalls. Klammert man Sonderbelastungen aus, dann fiel ein operativer Verlust von 1,55 Milliarden Dollar an gegenüber einem Gewinn von 637 Millionen Dollar im zweiten Quartal 2000. Der Quartalsumsatz sackte drastisch auf 4,6 (Vorjahresvergleichszeit: 7,2) Milliarden Dollar ab.

Nur Dell profitierte

Als einziger großer PC-Hersteller verbuchte Dell Zuwächse: weltweit 20 Prozent und in den USA 15 Prozent. Das ging auf Kosten der Konkurrenten. Deren Verluste reichten in den USA von 10,7 Prozent bei IBM bis zu 18,8 Prozent bei Hewlett-Packard. Weltweit lag der Rückgang zwischen 6,5 Prozent bei IBM und 14,4 Prozent bei Compaq.