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Deutscher Gründerpreis "Lebenswerk": Jörg Sennheisers Suche nach dem perfekten Klang

Er machte Sennheiser zu einer internationalen Premiummarke und schaffte es, sich gegen die Konkurrenz aus Fernost durchzusetzen. Jörg Sennheiser erhielt nun den Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk - obwohl er anfangs gar nicht so gerne für das Unternehmen des Vaters arbeiten wollte.

Jörg Sennheiser hat den Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk erhalten.

Jörg Sennheiser hat den Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk erhalten.

Es gibt Marken, bei denen man sofort an ganz konkrete Produkte denkt - obwohl sie inzwischen alles Mögliche herstellen. So verkauft Samsung beispielsweise nicht nur Fernseher, sondern auch Smartphones und Kühlschränke. Doch das geht auch anders: Mikrofone mit der perfekten Klangabnahme oder Kopfhörer mit sattem Sound - da steckt doch Sennheiser dahinter. In einer Zeit, in der Konzerne aus Fernost auf den Markt drängten, schaffte es der Chef des Unternehmens mit kluger Geschäftsführung und technischen Entwicklungen nicht nur zu überleben, sondern richtig erfolgreich zu sein. Für diese Leistung ist Jörg Sennheiser, Sohn des Firmen-Gründers, nun mit dem Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Dabei wollte Sennheiser anfangs gar nicht so zwingend in dem Unternehmen des Vaters arbeiten. 

Siemens statt Sennheiser?

Stattdessen dachte Jörg Sennheiser nach seiner Promotion an der renommierten ETH in Zürich darüber nach, zu Siemens zu gehen. Sein Vater und Firmengründer Fritz Sennheiser zweifelte aber nie daran, dass sein Sohn eines Tages das Unternehmen übernehmen werde. Dass er seinem Vater diesen Wunsch 1976 dann doch erfüllte, begründet Sennheiser mit den Möglichkeiten, die der Konzern ihm bot. Bei Siemens seien die Karriereschritte sehr fest vorgegeben gewesen. Bevor er selbst ans Ruder durfte, musste er sich aber erst einmal beweisen und stieg mit 32 Jahren als technischer Leiter ins Unternehmen des Vaters ein. "Es reicht ja nicht, der Sohn zu sein", erklärt Sennheiser.

Die Suche nach dem perfekten Klang

1982 übernahm er dann die Gesamtverantwortung für den Konzern, und krempelte diesen kräftig um. "Anfangs dachte ich, man muss die Dinge nur weiterführen, doch man muss immer wieder neu gestalten", sagt Sennheiser. Der junge Chef modernisierte die Strukturen und führte beispielsweise Stellenbeschreibungen und eine strategische Planung ein. Auf seine Anregung hin wurde mit Sennheiser France die erste von heute 18 internationalen Vertriebstöchtern aufgebaut. So wollte er das Unternehmen näher an den Kunden bringen und weniger krisenanfällig machen.

Ein besonderes Augenmerk legte der Ingenieur auf die technische Entwicklung von Mikrofonen und Kopfhörern. "Man darf nicht zurückschauen, sondern muss rechtzeitig die nächste Revolution einleiten", erklärt der Unternehmer. Unter seiner Führung entstanden so zahlreiche preisgekrönte Neuentwicklungen. Bis heute ist Sennheiser bei Musikliebhabern und internationalen Stars ein Name für Qualität. Die Produkte sorgen bei Konzerten, Studioaufnahmen oder Events wie den Grammy-Verleihungen genauso für den perfekten Klang, wie auf Konferenzen und Tagungen. "Ich habe viel Zeit mit Musikern verbracht, um deren Wünsche zu verstehen", erklärt Sennheiser den Erfolg seines Unternehmens. Dazu kommt ein ganz besonderer Service: Auch für jahrzehntealte Modelle liefert der Hersteller noch Ersatzteile.

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Restube  Ein kleines Paket, das Leben retten kann: Kaum größer als ein Smartphone passt Restube an jede Badehose und lässt sich im Notfall auf dem Wasser zu einer Boje aufblasen, an der man sich festklammern und auf Hilfe warten kann. Mit dieser Idee gewann das Unternehmen den Gründerpreis in der Kategorie "StartUp". Dem Erfinder des Lebensretters ist die Gefahr des Wassersports nicht unbekannt: Bei einem Kitesurfing-Unfall schaffte er es selbst nur mit letzter Kraft ans Ufer. Das Unternehmen ist schon jetzt in 20 Ländern aktiv und wird in diesem Jahr mit seinem Umsatz die Millionengrenze durchbrechen. Mehr als 20.000 Wassersportler nutzen das rund 100 Euro teure Produkt bereits. In einigen Fällen konnten so schon Leben gerettet werden.

Restube

Ein kleines Paket, das Leben retten kann: Kaum größer als ein Smartphone passt Restube an jede Badehose und lässt sich im Notfall auf dem Wasser zu einer Boje aufblasen, an der man sich festklammern und auf Hilfe warten kann. Mit dieser Idee gewann das Unternehmen den Gründerpreis in der Kategorie "StartUp". Dem Erfinder des Lebensretters ist die Gefahr des Wassersports nicht unbekannt: Bei einem Kitesurfing-Unfall schaffte er es selbst nur mit letzter Kraft ans Ufer. Das Unternehmen ist schon jetzt in 20 Ländern aktiv und wird in diesem Jahr mit seinem Umsatz die Millionengrenze durchbrechen. Mehr als 20.000 Wassersportler nutzen das rund 100 Euro teure Produkt bereits. In einigen Fällen konnten so schon Leben gerettet werden.

Die Nachfolge regeln

Mit dem gleichen Weitblick regelte Jörg Sennheiser auch seine eigene Nachfolge: Mit 51 Jahren zog er sich 1996 aus dem operativen Geschäft zurück und wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Ein externes Management übernahm die Geschäftsführung. Dennoch bleibt Sennheiser ein Familienunternehmen: Obwohl er seine Kinder nie gedrängt habe, in die Firma einzusteigen, übernehmen seine Söhne Daniel und Andreas ab 2013 den Konzern mit rund 2700 Mitarbeitern. Dabei knüpfen sie an den Erfolg ihres Vaters an: 2014 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von über 630 Millionen Euro.

Weiter voll aktiv

Ganz loslassen kann der Senior sein Unternehmen aber dennoch nicht. Er ist weiterhin sehr aktiv im Aufsichtsrat, hält Vorträge und vertritt Sennheiser auf wichtigen Terminen. Zudem berät der 70-Jährige an der ETH Zürich junge Akustik-Spezialisten bei der Existenzgründung und fördert Projekte rund um den Klang. So unterstützt Sennheiser Pop-Institut der Musikhochschule Hannover, das Liverpool Institute for Performing Arts oder die Modernisierung des Kuppelsaals in Hannover. All diese Leistungen beeindruckten die Jury des Deutschen Gründerpreises. Jörg Sennheiser erhält für den Ausbau des väterlichen Erbes zu einem Weltmarktführer den Preis in der Kategorie "Lebenswerk". Für den erfolgreichen Unternehmer eine freudige Überraschung: "Es ist für mich eine große Ehre, dass das Streben nach dem perfekten Klang, das mich mein Leben lang begleitet hat, im Deutschen Gründerpreis Anerkennung findet".

Von:

Dominik Brück und Katharina Grimm