HOME

Galaxy Note 4 im Test: Samsung kann auch edel

Samsung will weg vom Plastik: Beim Galaxy Note 4 setzt der Konzern auf Metallrahmen und Kunstleder. Mit Erfolg: Das Note 4 fühlt sich erstmals an wie ein echtes Premium-Smartphone.

Von Malte Mansholt

Nimmt man das Note 4 das erste Mal in die Hand, fällt zuerst das angenehme Gewicht auf. Zwar streben auch Smartphone-Hersteller in letzter Zeit nach immer leichteren Geräten, sein Gewicht verleiht dem Note 4 aber tatsächlich einen sehr wertigen Eindruck. Der setzt sich auch beim Displayrand fort. Der besteht erstmals aus echtem Metall und fühlt sich dadurch ebenfalls sehr hochwertig an. Nur bei der Rückseite bleibt Samsung bei Plastik, durch die Kunstleder-Textur fällt aber auch das nicht negativ auf – im Gegenteil. Die Rückseite schmiegt sich angenehm an die Hand, zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, das Gerät rutsche einem aus der Hand. Da Samsung auf die billig wirkenden Pseudo-Nähte des Note 3 verzichtet, sieht die Rückseite diesmal tatsächlich wie echtes Leder aus. Vorne wie hinten macht das Note 4 so einen tollen Eindruck.

Herausragendes Display

Der verstärkt sich sogar noch, denn beim ersten Einschalten des Displays trumpft das Note 4 erst richtig auf. Das mit 2560x1440 Pixel extrem hoch aufgelöste 5,7-Zoll-Display ist sicher einer der stärksten Pluspunkte des Note 4. Das sehr helle Display hat einen beeindruckenden Kontrast mit einem satten Schwarz. Die Farbdarstellung ist sehr intensiv, manchen dürfte sie fast zu bunt ausfallen. Im direkten Vergleich zu einem Oneplus One und einem iPhone 6 Plus fiel zwar ein leichter Grünstich auf, im Alltag bemerkt man diesen aber nicht. Nur bei einer Betrachtung aus einem schrägen Winkel ist das Kippen in einen grünen Unterton sofort zu sehen.

Die hohe Auflösung mit einer Pixeldichte von 515 dpi sorgt für eine knackscharfe Darstellung von Bildern, Schriften und Videos. Einzelne Pixel auszumachen ist mit dem bloßen Auge so gut wie unmöglich, Treppchenbildung ist gar nicht zu sehen. Allerdings ist kaum ein Unterschied zur bei Displays dieser Größe gängigen FullHD-Auflösung (1920x1080 Pixel) vorhanden, einen echten Vorteil gegenüber diesen Displays kann die höhere Auflösung nicht bieten.

Für die Füsse: unbrauchbarer Schrittzähler

Doch auch das Innenleben des Note 4 kann sich sehen lassen. Samsung setzt auf einen Achtkern-Prozessor, der eigentlich aus zwei Prozessoren mit jeweils vier Kernen besteht. Der eine Vierkerner ist stromsparender, er verrichtet die alltäglich anfallenden Arbeiten. Braucht das Note 4 mal mehr Leistung, schaltet es den deutlich stärkeren zweiten Prozessor hinzu. Im Alltag macht sich das deutlich bemerkbar: Obwohl sich das Note 4 stets sehr flott bedienen lässt, hält der Akku beeindruckend lange durch. Auch bei intensiver Nutzung schaffte das Handy es immer über einen ganzen Tag, oft waren sogar zwei Tage ohne Ladung drin. Bei einem derart leistungsstarken Smartphone ist das in Verbindung mit dem riesigen Display mehr als beachtlich. Als Speicher stehen 32 Gigabyte zur Verfügung, sie lassen sich über eine Micro-SD-Karte um bis zu 128 Gigabyte erweitern.

Doch nicht nur an Technik-Fans richtet sich das Note 4, auch an Fitness-Freunde hat Samsung gedacht. Ein Schrittzähler und ein Pulsmesser sind genauso an Bord, wie ein Personal Trainer in Software-Form. Mit dem definiert der Nutzer seine sportlichen Ziele, das Note 4 erinnert dann an Trainingspläne und meldet sich etwa, wenn es mehr als eine Stunde ruhig lag mit der Frage, ob es nicht mal wieder Zeit für einen Spaziergang wäre. Leider klingt das alles besser, als es dann tatsächlich funktioniert: Der Schrittzähler zählt auch eine ruckelnde U-Bahn-Fahrt als Spaziergang, die Ergebnisse des Pulsmessers schwanken stark – auch bei direkt hintereinander erfolgten Messungen. So lassen sich die Fitnessfunktionen nur sehr rudimentär nutzen, echte Sportler greifen lieber zum Fitness-Armband.

Gute Kamera und Stift-Bedienung

Überzeugen konnte Samsung dagegen bei der Kamera. Zwar kommt sie nicht an die des iPhone 6 heran, die Qualität der Bilder ist für Smartphone-Verhältnisse aber trotzdem sehr gut. Schwächen zeigt die Kamera bei schlechter belichteten Motiven, hier werden die Bilder schnell unscharf, es treten vereinzelt Artefakte auf – dieses Problem haben aber die meisten Smartphone-Kameras. Videos zeichnet das Note 4 natürlich ebenfalls auf, der Nutzer hat die Wahl zwischen einer ganzen Reihe von Aufzeichnungsmöglichkeiten, Zeitlupe, Zeitraffer und einen Modus für ruckelfreie Kamera-Fahrten sind an Bord. Selbst die ultrahohe 4K-Auflösung bietet das Note 4, allerdings nur mit 30 Bildern die Sekunde. Zum Vergleich: Der FullHD-Modus nimmt 60 Bilder die Sekunde auf.

Eine Besonderheit der Note-Serie ist der beiliegende Touch Pen. Der unten in der Rückseite verstaute elektrische Stift ist kein bloßer Stylus, wie ihn auch Organizer vor langer Zeit einmal hatten. Der Stift wird vom Note bereits dann erkannt, wenn er einige Millimeter über dem Display schwebt. Mittels eines an der Seite des Touch Pens angebrachten Buttons lassen sich für den Stift optimierte Menüs öffnen und etwa Screenshots erstellen. Samsung bietet außerdem einige speziell auf den Stift ausgelegte Apps an, von der Notiz-App bis zum virtuellen Zeichenblock. Sogar eine eigene Community für mit dem Stift erstellte Zeichnungen haben die Koreaner kreiert.

Android mit Samsung-Oberfläche

Betrieben wird das Note 4 von der aktuellen Android-Version KitKat, natürlich setzt das Note 4 auf die Firmen-eigene TouchWiz-Oberfläche. Die spaltet die Andoid-Gemeinde bereits seit längerem: Während eine Fraktion auf die für Samsung-Geräte optimierte Oberfläche schwört, klagen die anderen über überladene Startseite und die aufgezwungenen Samsung-Apps. Immerhin hat Samsung nicht jede der Apps installiert, stattdessen weisen zwei große Banner auf die kostenlosen Samsung-Apps und die Galaxy-Essentials genannte Grundaustattung hin – beide lassen sich zum Glück aber löschen.

Fazit

Im Alltag überzeugte das Note 4 mit schickem Design, schneller Bedienung, langer Akkulaufzeit und einem wirklich tollen Display. Auch die für stotterige Animationen berüchtigte TouchWiz-Oberfläche hatte der Edel-Riese stets im Griff, Ruckler traten keine auf. Die gute Kamera und der clevere Stift runden den positiven Gesamteindruck ab, bei Aufnahmen in schlechtem Licht ist allerdings noch Raum nach oben. Die schlecht umgesetzten Fitness-Funktionen trüben leider das Gesamtbild, ändern aber nichts am Gesamteindruck: Das Samsung Note 4 ist bisher mit Abstand beste Smartphone aus dem Hause Samsung.

Das Note 4 ist ab etwa 700 Euro im Handel erhältlich, damit ist es 100 Euro günstiger als das vergleichbare iPhone 6 Plus. Für Android-Fans ist das LG G3 eine mögliche Alternative, es bietet als bisher einziges Smartphone ein ebenso hochaufgelöstes Display. Auch das günstige Oneplus One kann in vielerlei Hinsicht mit dem Note 4 mithalten, allerdings ist es nur über Einladungen zu bekommen.

Themen in diesem Artikel