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Kaffee immer teurer: Schwarzes Gold

Kaffee wird mehr und mehr zu einem Luxusgut. Seit Jahren kennt der Preis nur eine Richtung: nach oben. Schuld sind die stetig steigende Nachfrage, miese Ernten und Spekulanten. Ein Ende der Preistreiberei ist nicht in Sicht.

Kaffee wird immer teurer. Die Preise für Bohnenkaffee lagen im März dieses Jahres 15 Prozent höher als noch vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Demnach kostet die Packung Kaffee in Deutschland verglichen mit dem Jahr 2005 heute rund ein Fünftel mehr - und die Preisentwicklung zeigt stetig nach oben.

Ein wesentlicher Grund für den Preisauftrieb sind die seit 2004 steigenden Importpreise für Rohkaffee. Sie sind laut aktueller Statistik 2010 im Vergleich zu 2009 um 32 Prozent gestiegen. Im Februar 2011 hätten die Einfuhrpreise für Rohkaffee sogar um 76,2 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums gelegen.

Die Kaffeefirmen, die in Deutschland Bohnenkaffee als fertiges Produkt auf den Markt bringen, hätten ihre Preise wegen des teuren Imports daher auch nach oben schrauben müssen, schreiben die Experten vom Bundesamt. Die Kaffeehersteller verlangten heute ein Viertel (24,4 Prozent) mehr als noch 2005. Am Ende der Kette lande der Preisanstieg dann auch beim Verbraucher.

Hohe Nachfrage, miese Ernte

Die starke Verteuerung des Rohkaffees hat mehrere Ursachen, wie führende Kaffeeröster bestätigen. Einer der Hauptgründe seien "Spekulationen an den Rohstoffbörsen, die den Rohkaffeepreis nach oben treiben", erklärte eine Sprecherin von Tchibo. Hinzu komme ein erhöhter Kaffeekonsum und damit eine steigende Nachfrage in der Welt. Auch traditionelle Teetrinker-Länder wie Indien und China verbrauchen laut Tchibo zusehends mehr Kaffee.

Während die Nachfrage steigt, sah sich die Branche in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder mit mageren Ernten konfrontiert. So habe es im Jahr 2009 in Kolumbien, dem größten Erzeugerland des hochwertigen Arabica-Kaffees, aufgrund schlechten Wetters und Umstrukturierungen beim Anbau deutlich kleinere Ernten gegeben, erklärt der Kaffee-Chefeinkäufer von Dallmayr, Volker Meyer-Lücke. Die Preise an der Warenterminbörse seien in der Folge auf Höchststände geklettert.

Kein Ende der Preisspirale in Sicht

Und die Situation könnte sich in diesem Jahr weiter verschärfen. Ab Mitte des Jahres erwartet der Kaffeehandel Meyer-Lücke zufolge im größten Kaffeeproduzentenland Brasilien eine erheblich kleinere Ernte. Die Kaffeeröster würden damit "gezwungen, sich rechtzeitig die entsprechenden Qualitäten zu sichern und zu lagern". Das treibe die Preise hoch, am Ende auch die für fertigen Röstkaffee. Der Preisindikator der Internationalen Kaffeeorganisation (ICO) erreichte bereits im März ein Hoch wie seit 34 Jahren nicht mehr.

Bohnenkaffee wird wohl auch in diesem Jahr deutlich teurer werden. Ob das den Deutschen die Laune auf den Muntermacher verderben kann, ist allerdings fraglich. Denn seit Jahren liegt der Pro-Kopf-Verbrauch beim Kaffee auf konstantem Niveau: Es sind beständig etwa 150 Liter pro Kopf und Jahr, wie das Bundesministerium für Ernährung errechnet hat.

joe/DPA/AFP / DPA
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