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Karstadt am seidenen Faden: Drei Investoren und ein wenig Hoffnung

Es ist eine Zitterpartie für die 25.000 Karstadt-Beschäftigten: Drei Investoren haben sich am Freitag hinter verschlossenen Türen getroffen, um um den Zuschlag für den Kaufhaus-Konzern zu ringen. Noch gilt der Ausgang als unsicher.

Bangen um Karstadt: Während drei Investoren am Freitag hinter verschlossenen Türen in Essen um den Zuschlag für den insolventen Handelsriesens werben, wird das Ringen in der Karstadt- Zentrale auch von den 25 000 Beschäftigten der Warenhäuser mit Hochspannung verfolgt. "Im ganzen Haus laufen die Fernseher", berichtet der Frankfurter Karstadt-Betriebsrat Rainer Hopf. Neuigkeiten aus der Unternehmenszentrale in Essen haben Hochkonjunktur. "So etwas spricht sich schnell 'rum", sagt Hopf.

Auch vielen Kunden sei das Schicksal von Karstadt nicht gleichgültig, berichtet eine Düsseldorfer Betriebsrätin, die ungenannt bleiben will. Immer wieder würden die Verkäuferinnen in dem Karstadt-Haus vor allem von Stammkunden nach Neuigkeiten gefragt. Doch ein greifbares Ergebnis der Verhandlungen zeichnete sich zunächst nicht ab. Ein Ergebnis in dem seit fast einem Jahr andauernden Nervenkrieg war auch am Freitag keinesfalls sicher: Falls der für die Entscheidung zuständige Gläubigerausschuss noch Klärungsbedarf sieht, kann das Votum auch verschoben werden.

Mit dem Insolvenzantrag für die seit Jahren ums Überleben kämpfende Warenhauskette Karstadt hatte der Endspurt im Drama um das Traditionsunternehmen am 9. Juni vergangenen Jahres begonnen. Zusammen mit Karstadt hatten vor fast genau einem Jahr auch die Muttergesellschaft Arcandor und die Arcandor-Versandhandelstochter Quelle Insolvenz beantragt. Während die Abwicklung der Muttergesellschaft mit dem seltsamen Kunstnamen relativ geräuschlos in Gang gesetzt wurde, scheiterten alle Bemühungen um eine Rettung des traditionsreichen Versandhändlers. Tausende Beschäftigte verloren ihre Jobs.

Für die Rettung von Karstadt stehen die Chancen dagegen derzeit deutlich besser: Sobald ein Investor den Kaufvertrag unterschreibt, ist eine wichtige Bedingung für das Inkrafttreten des Insolvenzplans erfüllt. Zweite wichtige Bedingung ist der Verzicht eines Großteils von bundesweit 94 Kommunen mit Karstadt-Standorten auf mögliche Gewerbesteuerforderungen von bis zu 140 Millionen Euro.

Obwohl vier Kommunen dem Verzicht eine Absage erteilt haben, zeigte sich der Sprecher des Insolvenzverwalter, Thomas Schulz, am Freitag zuversichtlich, dass die erforderliche Zustimmungsquote von 98 Prozent der Forderungen nach anfänglichen Widerständen in einigen Kommunen nun doch erreicht werden könne. Auch elf weitere Kommunen, die ihre Zustimmung an Bedingungen geknüpft hatten, hätten bereits ein Einlenken signalisiert.

Zum Umdenken vieler Kommunen dürfte auch ein Blick in die Zukunft der eigenen Innenstädte beigetragen haben. Mit dem Sterben der Warenhäuser drohe eine Verödung der Zentren, hatte es immer geheißen. Nun lag das Schicksal der Warenhauskette plötzlich in der Hand der Kommunalpolitiker.

Falls alles gut geht, könnte das Insolvenzverfahren bereits Ende Juni beendet werden. Doch auch dann bliebe für viele Karstadt- Mitarbeiter die Zukunft möglicherweise ungewiss. Die drei Karstadt- Interessenten Highstreet, Triton und Berggruen haben bislang ganz unterschiedliche Konzepte auf den Tisch gelegt. Zugeständnisse von den Beschäftigten fordern nach Angaben aus Branchenkreisen vor allem die Interessenten Triton und Highstreet, während Investor Berggruen darauf verzichten will. Bis zur endgültigen Sanierung von Karstadt bleibt in jedem Fall noch ein langer Weg.

Uta Knapp, DPA / DPA
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