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Interview

Kieser-Chef: Dieser Mann hat das Kieser-Rückenimperium gekauft - das hat er damit vor

Michael Antonopoulos hat dem legendären Werner Kieser dessen Fitnesskette abgekauft. Im Interview erklärt er seine Expansionspläne für Deutschland und China - und was er von Fitness-Apps und anderem modernen Schnickschnack hält.

Michael Antonopoulos (45) ist seit sieben Jahren CEO bei Kieser, bisher als angestellter Manager. Anfang des Jahres übernahmen er und sein Geschäftspartner Nils Planzer die Unternehmensanteile des Gründers Werner Kieser (76) und dessen Frau Gabriela.

Michael Antonopoulos (45) ist seit sieben Jahren CEO bei Kieser, bisher als angestellter Manager. Anfang des Jahres übernahmen er und sein Geschäftspartner Nils Planzer die Unternehmensanteile des Gründers Werner Kieser (76) und dessen Frau Gabriela.

Kieser ist kein Fitnessstudio wie andere Fitnessstudios. Es gibt keine coole Musik, keine Spiegel an den Wänden und keine Bar mit Proteinshakes - sondern einzig und allein: Gerätetraining. Firmengründer Werner Kieser hat diese Unsexyness zum Erfolgsprinzip erhoben. Nun hat der Fitnesspapst sein Lebenswerk an seinen obersten Angestellten Michael Antonopoulos und dessen Geschäftspartner Nils Planzer verkauft.

Herr Antonopoulos, Werner Kieser hat das Kiesertraining als notwendige Wartung des Körpers beschrieben, so wie Zähneputzen. Den Gedanken, dass das Training Spaß machen soll, hat er stets abgelehnt. Ist bei Ihnen künftig Spaß haben erlaubt?

Spaß darf man immer haben, das ist auch Einstellungssache. Wir werden das Lebenswerk, das Werner Kieser aufgebaut hat, aber nicht auf den Kopf stellen, sondern das Konzept beibehalten. Wir wollen gar nicht zu einem Wellnesstempel werden, das wäre für uns nicht wirtschaftlich.

Ist das Kieser-Konzept denn noch zeitgemäß? Es gibt weder Gruppenkurse noch Laufbänder, Stepper oder Fahrradtrainer - nur schnödes Gewichte stemmen.

Kieser ist mit dieser Ausrichtung groß geworden und es wäre ein fataler Fehler, das jetzt zu ändern. Wir investieren viel in die Forschung und Entwicklung neuer Maschinen und entwickeln die Trainingsmethoden von Werner Kieser weiter. Das Thema Beckenboden haben wir zum Beispiel mit in den Markt reingebracht. Gerade arbeiten wir an Entwicklungen, welche unser Kerngeschäft in der Zukunft positiv unterstützen werden.

Also auch in Zukunft kein Zumba und kein Bauch-Beine-Po?

Wir werden weiterhin keine Gruppenkurse anbieten. Das ist nicht Kieser, da gibt es genügend andere Anbieter. Und die Leute, die laufen wollen, sollen das woanders tun. Das können Sie sogar noch besser, wenn sie ihren Körper bei uns kräftigen. Ich selber komme aus dem Fußball, habe in der Jugend bei Grashoppers Zürich gespielt, da war Krafttraining ein wichtiger Bestandteil, um verletzungsfrei zu bleiben. 

Werner Kieser im Portrait: Das Erfolgsgeheimnis des Rücken-Gurus

Man kann aber auch klassisches Kraft-Training moderner gestalten. In Zeiten von Smartwatches und Fitness-Apps laufen Kieser-Kunden immer noch mit DIN A4-Zettel und Bleistift durchs Studio, um zu notieren, wie viele Gewichte sie gestemmt haben.

Apps, die den Trainingserfolg messen oder andere elektronische Gadgets sind "nice to have", aber sie erhöhen nicht den eigentlichen Kundennutzen. Wir haben ein Kundenprofil, um das uns viele beneiden, und nach dem richten wir uns aus.

Mit 115 Studios und rund 230.000 Kunden ist Deutschland mit Abstand der stärkste Markt für Kieser. Und Sie wollen weitere Studios eröffnen.

Wir sind bereits in jeder größeren deutschen Stadt vertreten. Jetzt haben wir ein Kieser Training Kompakt für kleinere Städte entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Studio mit abgespecktem Maschinenpark, mit dem man die meisten Trainingsprogramme umsetzen kann. Das Pilot-Studio steht in Kleve, in den nächsten fünf Jahren wollen wir 50 solcher Studios eröffnen.

Wieviele Kunden wollen Sie damit gewinnen?

Jedes Kompakt-Studio hat ein Potenzial von bis zu 1000 Kunden, das wären dann 50.000 neue Kieser-Kunden.

Wie entscheiden Sie, ob eine Stadt Kieserstadt wird?

Wir haben umfangreiche Daten von der Post eingekauft, mit denen wir jede Stadt und jeden Stadtteil auf ihre Kieser-Affinität prüfen können. Unsere Kunden haben tendenziell einen höheren Bildungsstand und ein höheres Haushaltseinkommen als der Durchschnitt. Und dann brauchen wir natürlich noch eine passende Immobilie.

Sie wollen nicht nur in Deutschland expandieren, sondern auch den Schritt nach China wagen. Können die Chinesen überhaupt etwas mit der Marke Kieser anfangen?

Den Namen Kieser kennt man dort zwar noch nicht. Aber wir sehen auf dem chinesischen Gesundheitsmarkt sehr große Chancen. Die Zielgruppe, die wir ansprechen - die Mittelschicht - hat in China die gleichen Probleme wie hier: Die Leute sitzen vor dem Computer und entwickeln Haltungsschäden und Probleme mit dem Bewegungsapparat. Wir arbeiten mit einem deutschen Immobilienentwickler zusammen, der seit Jahren in China tätig. Das erste Studio soll Mitte dieses Jahres in Peking entstehen und dann zeitnah zwei, drei weitere. Da man Kieser dort nicht aussprechen kann, haben wir uns eine chinesische Variante gesichert.

Werner Kieser bleibt der Firma als Mentor erhalten. Heißt das, dass er Ihnen weiter reinreden darf?

Wenn wir keine gute Chemie hätten, wäre es nicht zu dieser Art von Nachfolge gekommen und wir würden nicht in dieser Konstellation weitermachen. Werner Kieser ist ein Pionier in der Fitnessbranche und auch wenn ich schon sieben Jahre das operative Geschäft leite, werde ich weiter auf seinen Rat zurückgreifen. Seine Vision ist es, die Welt zu kräftigen - und das führe ich weiter.

Hand aufs Herz - Sie spielen auch lieber Tennis als sich in die Kieser-Rückenmaschine zu zwängen, oder?

Ballsportarten haben sicher einen anderen Spaßfaktor. Aber ich habe mit 16 Jahren mit dem Krafttraining begonnen und wäre ohne nie so verletzungsfrei geblieben. Ich mache jede Woche zumindest einmal Kieser-Training, auch wenn wir eigentlich zweimal empfehlen.

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