Konjunktur Bund gleicht nach 40 Jahren Haushalt aus

Die deutsche Wirtschaft ist 2007 kräftig gewachsen. Und: Erstmals seit 1969 ist der Staatshaushalt wieder ausgeglichen. Finanzminister Peer Steinbrück konnte sich sogar über ein kleines Plus in Höhe von 70 Millionen Euro freuen. Dieses Jahr wird aber wohl nicht so rosig verlaufen.

Die deutsche Wirtschaft ist erneut kräftig gewachsen. Um 2,5 Prozent war das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2007 nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes Destatis höher als im Vorjahr. Außerdem habe der Bund im vergangenen Jahr die Neuverschuldung auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gedrückt. Dank des Konjunkturaufschwungs und sprudelnder Steuern nahmen Bund, Länder, Kommunen und Sozialkassen so im vergangenen Jahr insgesamt 70 Millionen Euro mehr ein als sie ausgaben.

Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung jedoch wieder mit mehr Staatsausgaben als -einnahmen. Spätestens 2011 will Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) beim Bund ohne neue Schulden auskommen und mit dem Abbau der Altlasten beginnen. Der Bund schiebt einen seit Jahrzehnten angehäuften Schuldenberg von mehr als 900 Milliarden Euro vor sich her.

Der Präsident des Statistischen Bundesamtes Destatis Walter Radermacher bezeichnete die Entwicklung des BIPs als "robust": So hätten die Unternehmen ihre Ausgaben in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent erhöht. Mehr als die Hälfte des Wirtschaftswachstums sei allerdings von deutschen Exporten verursacht worden: Deren Nachfrage im Ausland sei um 8,3 Prozent gestiegen.

Das BIP umfasst alle Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einem Land von In- und Ausländern produziert werden. Preisbereinigt ist ein BIP, wenn die Inflation in dem Land berücksichtigt wird. So lässt sich zwischen dem Wachstum unterscheiden, das auf einer mengenmäßigen Absatzsteigerung beruht und dem, das durch einen Anstieg der Preise verursacht wurde. Bei kalenderbereinigter Betrachtung des BIPs ergibt sich eine Wachstumsrate von 2,6 Prozent für 2007. Kalenderbereinigt bedeutet, dass aus dem Wirtschaftswachstum Einflüsse herausgefiltert werden, die sich aus der unterschiedlichen Verteilung von Feier- und Sonntagen in einem Jahr ergeben. 2007 standen so 1,6 Arbeitstage weniger zur Verfügung als 2006.

Gut 39,7 Millionen Erwerbstätige erbrachten laut Destatis durchschnittlich die Wirtschaftsleistung im Jahr 2007. Die Zahl der Arbeitslosen sei auf 3,6 Millionen Personen gesunken. Die Erwerbstätigkeit habe damit den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Als arbeitslos gilt, wer eine versicherungspflichtige Arbeit für mindestens 15 Stunden pro Woche sucht. Außerdem dürfen Arbeitslose vorübergehend keine Beschäftigung oder nur eine geringfügige Tätigkeit ausüben. Sie müssen sich bei der Arbeitsagentur persönlich arbeitslos gemeldet haben, der Agentur für Vermittlungsbemühungen zur Verfügung stehen, nicht arbeitsunfähig erkrankt sein und unter 66 Jahre alt.

Die Arbeitsproduktivität stieg 2007 jeweils um 0,8 Prozent und blieb damit hinter den Zahlen aus dem Jahre 2006 zurück. Als Arbeitsproduktivität bezeichnet Destatis das preisbereinigte BIP pro Erwerbstätigen beziehungsweise pro Erwerbstätigenstunde, also pro Stunde, die ein Erwerbstätiger arbeitet.

Alle Wirtschaftsbereiche hätten laut Destatis zum Entstehen des Wachstums beigetragen. Spitzenreiter seien unter anderem das Produzierende Gewerbe, der Handel, das Gastgewerbe und der Verkehrsbereich.

Auch das Volkseinkommen sei im Jahre 2007 gestiegen: 4,2 Prozent hätten Arbeitnehmer, Unternehmer und Vermögende mehr verdient als im Vorjahr. Der Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen sei mit 64,6 Prozent leicht geringer als 2006.

DPA DPA

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