HOME

Konjunktur: Hoher Ölpreis füllt Mexikos Staatskasse

Für Mexikos 32 Gouverneure gibt es dieser Tage unverhofften Geldsegen. Weil die Erdöleinnahmen höher waren als erwartet, überweist die Bundesregierung nachträglich knapp 615 Millionen Euro.

Rund sieben Milliarden Pesos (615 Millionen Euro) wird die Bundesregierung in Mexiko-Stadt für die ersten zwei Monate dieses Jahres nachträglich an die 32 Bundesstaaten überweisen, weil die Erdöleinnahmen höher als erwartet ausgefallen sind. Als eine Folge des Irak-Konfliktes klingeln in Mexiko die Staatskassen. Denn statt 18 US-Dollar pro Barrel (je 159 Liter), wie im Haushalt 2003 veranschlagt, wurde für mexikanisches Rohöl in diesem Jahr bisher ein Durchschnittspreis von 24 Dollar pro Barrel bezahlt.

Positive Folgen des Irak-Krieges

Mexiko, mit einer Förderung von rund 3,3 Millionen Barrel pro Tag siebtgrößter Produzent der Welt, profitiert von den hohen Ölpreisen als Folge des Irak-Konfliktes. Wirtschaftsminister Fernando Canales Clariond warnt allerdings vor Überschwang. «Kurzfristig gibt es positive Auswirkungen, aber langfristig ist der Konflikt für die mexikanische Volkswirtschaft nicht positiv, da die hohen Ölpreise in einigen der am höchsten entwickelten Ländern der Welt eine Rezession auslösen können», so Canales Clariond.

Öl sichert ein Drittel der Staatseinnahmen

Denn Mexiko lebt nicht vom Erdöl allein. Zwar machen die Steuern auf die Gewinne der staatlichen Erdölgesellschaft Petróleos Mexicanos (Pemex) noch immer gut ein Drittel aller Staatseinnahmen aus. Öl ist aber längst nicht mehr das wichtigste Exportprodukt, in der Handlesbilanz spielen Industriegüter wie Autos oder Elektrogeräte eine größere Rolle. Und der Handel mit den USA, dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt, wird von verschärften Grenzkontrollen behindert. «An den größten Grenzübergängen wie Laredo, Tijuana oder Ciudad Juàrez wurde ein Lastwagen früher in eineinhalb Stunden abgefertigt, jetzt dauert es die doppelte Zeit», sagt Canales.

Geteilte Meinung zum Wirtschaftswachstum

Der Minister rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent, die Bank von Mexiko hat 2,5 Prozent prognostiziert. Manchen Analysten erscheint das noch als zu optimistisch. Für sie ist es auch kein gutes Zeichen, dass die mexikanische Handelsbilanz im Monat Februar erstmals seit Jahren positiv war. Dies deute nicht auf Exportrekorde hin, sondern zeige, dass weniger Kapitalgüter und industrielle Zwischenprodukte importiert würden, hieß es in der Wirtschaftszeitung «El Financiero».

Abkühlung in den USA beschleunigte Rezession

Die Regierung von Präsident Vicente Fox hatte im Wahlkampf vor drei Jahren ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent pro Jahr versprochen. Die konjunkturelle Abkühlung in den USA ließ Mexiko aber schon 2001 in eine Rezession abgleiten. Viele Strukturreformen konnte Fox nicht verwirklichen, weil seine Partei im Kongress keine Mehrheit hat. Eine Steuerreform wurde mit erheblichen Abstrichen am ursprünglichen Entwurf verabschiedet. Langfristiges Ziel der mexikanischen Regierung bleibt es, die Steuerbasis zu verbreitern, um von den Erdöleinnahmen unabhängiger zu werden. Denn weil die Pemex-Gewinne fast vollständig in den allgemeinen Staatshaushalt fließen, bleiben dem Ölgiganten zu wenig Mittel für Investitionen in die Erschließung neuer Lagerstätten übrig. Wenn sich dies nicht ändert, könnten die Erdölexporte Mexikos schon in wenigen Jahren drastisch schrumpfen.