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Konjunkturkrise: US-Wirtschaft bricht dramatisch ein

Experten hatten mit noch schlechteren Werten gerechnet, dennoch sind die Zahlen alarmierend: Die US-Wirtschaft ist 2008 so stark geschrumpft wie seit fast 30 Jahren nicht. US-Präsident Barack Obama appellierte angesichts der "anhaltenden Katastrophe für amerikanische Familien" an den Senat sein 800 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket rasch zu verabschieden.

Die US-Wirtschaft ist Ende vergangenen Jahres so stark eingebrochen wie seit 1982 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im vierten Quartal um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das geht aus der am Freitag veröffentlichten Statistik des US-Handelsministeriums hervor. Analysten hatten sogar mit einem Rückgang von 5,4 Prozent gerechnet. Das Minus ist das zweite in Folge. Im dritten Quartal 2008 sank das BIP um 0,5 Prozent.

US-Präsident Barack Obama sprach angesichts der Zahlen von einer "anhaltenden Katastrophe für amerikanische Familien". Die Rezession verschärfe sich, während die Dringlichkeit zu Handeln wachse, sagte er in Washington. Er rief den US-Kongress auf, sein angepeiltes, 800 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket schnell zu verabschieden. Obama setzte am Freitag eine Task Force für die Mittelschicht ein, um den Lebensstandard von Durchschnitts-Familien zu heben.

Erstmals seit fast 20 Jahren ging der private Konsum, der zwei Drittel der Wirtschafsleistung ausmacht, in zwei Quartalen in Folge zurück. Besonders stark hielten sich die Verbraucher bei der Anschaffung von langlebigen Gütern wie Autos und Möbel zurück. Die Ausgaben schrumpften um mehr als ein Fünftel. Analysten verwiesen darauf, dass der Lageraufbau den Wachstumseinbruch abgemildert habe. "Die Lagerbestände von unverkauften Gütern haben sich vergrößert, in vorigen Quartalen hatten wir hingegen einen Abbau der Lager", sagte Nigel Gault von Global Insight.

Zuletzt war die US-Wirtschaft in den Jahren 1990 und 1991 in zwei Quartalen nacheinander geschrumpft. Nach landläufiger Definition der Ökonomen befindet sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession, wenn es in zwei Quartalen hintereinander zu einem Minus beim Bruttoinlandsprodukt kommt. Wegen der verhältnismäßig guten Monate zu Beginn des Jahres wuchs die US-Wirtschaft 2008 den Angaben zufolge insgesamt um 1,3 Prozent. Das ist das schwächste Wachstum seit dem Jahr 2001. 2007 stand noch ein Plus von 2,0 Prozent unter dem Strich.

Im Kampf gegen den Abschwung hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins im Dezember auf eine historisch niedrige Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt. Sie hat angekündigt, die Zinsen wegen der schwersten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren noch längere Zeit auf niedrigem Niveau zu lassen. Obama hat zudem ein 825 Milliarden schweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, das die Folgen der Finanz- und Immobilienkrise abfedern soll. Mehr als eine halbe Billion Dollar entfallen auf Ausgaben zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Die Zeit drängt, denn zuletzt haben sich die Hiobsbotschaft aus der Wirtschaft gehäuft: Die Auftragslage der Industrie verschlechtert sich zusehends. Auch die Dienstleister, die einen Großteil der US-Wirtschaftsleistung stellen, leiden massiv unter der Krise. Im Zuge der Rezession droht den USA daher auch 2009 ein massiver Arbeitsplatzabbau. Im Jahresverlauf könnten weitere zwei Millionen Stellen wegfallen, wie das Forschungsinstitut Conference Board warnte. 2008 verloren bereits rund 2,6 Millionen Menschen in den USA ihre Arbeit. Mehr waren es zuletzt 1945 mit 2,75 Millionen.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters
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