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Korruption: Ikea-Manager erhängt sich

Einer der Hauptverdächtigen im Korruptionsskandal beim Möbelhaus Ikea hat Selbstmord begangen. Der 56-jährige leitende Angestellte erhängte sich mit Hilfe seines Gürtels am Zellenfenster.

Der Hauptbeschuldigte im Schmiergeld-Skandal beim schwedischen Möbelhaus Ikea hat sich in seiner Gefängniszelle erhängt. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt bestätigte am Freitag entsprechende Medienberichte. Dem 56 Jahre alten Bauleiter der deutschen Ikea-Zentrale in Wallau bei Wiesbaden waren Bestechlichkeit und Untreue vorgeworfen worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt hinterlässt der Mann eine Ehefrau und eine erwachsene Tochter.

Mehr als zwei Millionen Euro Schaden

Wegen des Korruptionsskandals sitzen noch ein anderer Ikea- Bauleiter und zwei Bereichsleiter einer Baufirma in Untersuchungshaft. Ein weiterer, ursprünglich inhaftierter Beschuldigter war in Nordrhein-Westfalen auf freien Fuß gesetzt worden. Insgesamt gibt es laut der Frankfurter Staatsanwaltschaft rund 20 Verdächtige. In der Sache hatte es auch am Freitag neue Vernehmungen gegeben.

Der 56-Jährige soll in den vergangenen fünf Jahren alleine deutlich über eine Million Euro Bestechungsgelder kassiert haben. Gemeinsam mit anderen Verdächtigen soll er einen Schaden von mehr als zwei Millionen Euro verursacht haben. Das Geld befand sich teilweise auf Auslandskonten. Der Mann hatte sich bereits am vergangenen Samstagmorgen mit einem Hosengürtel in seiner Zelle in der Untersuchungshaftanstalt Frankfurt-Höchst erhängt.

Justiz streitet Fehlverhalten ab

Nach entsprechenden Äußerungen gegenüber einer Justizbediensteten am 25. August habe der 56-Jährige als latent selbstmordgefährdet gegolten, sagte der stellvertretende Anstaltsleiter Franz Josef Pfeifer. Eine akute Selbstmordgefahr habe dagegen nicht vorgelegen. Pfeifer widersprach Medienberichten, wonach die Haftanstalt vom Anwalt des Betroffenen auf eine Selbstmordgefahr hingewiesen worden sein soll. Die Anstaltsleitung habe angeordnet, den Betroffenen jede halbe Stunde zu kontrollieren, sagte Pfeifer. Damit habe er der zweithöchsten Sicherungsstufe unterlegen. Das Wiesbadener Justizministerium unterstrich, die halbstündigen Kontrollen seien vom zuständigen Amtsgericht bestätigt worden.

Die Todesumstände lösten eine heftige politische Diskussion über die Sicherheit in den hessischen Gefängnissen aus. Die Oppositionsparteien SPD und Grüne machten den Strafvollzug unter der politischen Verantwortung von Justizminister Christean Wagner (CDU) mitverantwortlich für die Selbsttötung und verlangten eine Sondersitzung des Justizausschusses. Das System sei nicht geeignet, Selbstmorde zu verhindern, sagte der SPD-Fraktionschef im Landtag, Jürgen Walter. Er verwies auf Informationen, nach denen der Anwalt des Managers auf dessen Absicht hingewiesen habe. "Das war ein angekündigter Selbstmord", sagte der SPD-Politiker.

Wegnahme des Gürtels nicht vorgesehen

Ein derartiger Hinweis des Anwalts finde sich nicht in der Akte, sagte hingegen Pfeifer. Die halbstündige Kontrolle sei vom Richter genehmigt gewesen und stelle die zweithöchste Sicherheitsstufe für Selbstmordkandidaten dar. Darüber hinaus gebe es nur noch die Möglichkeit, den Gefangenen nach richterlichem Beschluss nackt in eine Zelle ohne jegliche Gegenstände zu sperren, lediglich mit einer kurzfaserigen Decke ausgerüstet, die sich nicht zum Strick drehen lasse. Die Wegnahme des Gürtels sei nicht vorgesehen, da es in normalen Haftzellen etliche andere Möglichkeiten zum Selbstmord gebe. Auch die Unterbringung in einer Zweier-Zelle biete keinen Schutz.

Eine akute Suizidgefahr sei aber bei dem Manager nicht festgestellt worden, vielmehr habe sich dieser bemüht, sich in den Gefängnisalltag einzufinden, sagte Pfeifer. Der Mann sei regelmäßig von seinen Anwälten und Angehörigen besucht worden. Noch wenige Stunden vor dem Selbstmord habe der Mann in Gesprächen mit dem Gefängnispfarrer und einem Psychologen nichts erkennen lassen. Mehrere Abschiedsbriefe seien von der Polizei beschlagnahmt worden. Das Justizministerium wies auf die geringe Zahl von Häftlingsselbstmorden hin, die sich nicht völlig verhindern ließen. In diesem Jahr seien es bislang sechs Fälle, im Jahresdurchschnitt seit 1987 annähernd neun.