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KRIMINALITÄT: Ausländische Mafiagruppen fest etabliert

Beliebter Aktionsraum: Wegen der zentralen Lage operieren albanische und russische Banden bevorzugt aus Deutschland und auch die »Ur-Mafia« ist überall.

Albanische und russisch-sprachige Mafiagruppen haben sich nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes in Deutschland und ganz Westeuropa fest etabliert. »Ihre Aktivitäten sind überall nachweisbar«, meint der Erste Direktor des BKA, Leo Schuster. Deutschland ist schon wegen seiner zentralen Lage und seiner Wirtschaftskraft ein bevorzugter Zielpunkt der Organisierten Kriminalität (OK).

Heimspiel für »Ur-Mafia«

Auch italienische Gruppen wie die sizilianische Mafia oder die Camorra betrachteten Deutschland längst nicht mehr nur als Rückzugs- sondern auch als Aktionsraum. Ihre Zentren sind überall zu finden, wo es größere »Communities« der Italiener gibt, etwa in Baden-Württemberg, dem Ruhrgebiet und dem Rhein-Main-Gebiet.

Wirtschaftskriminalität im Kommen

Nach wie vor vorrangiges Kriminalitätsfeld der Mafiagruppen ist der Drogenhandel, berichtete der Kriminalist. Immer mehr in den Vordergrund treten aber auch wirtschaftskriminelle Delikte wie illegale Kreditvergabe oder das Ausschlachten von Unternehmen. Besorgniserregend ist auch die Kriminalität im Zusammenhang mit Kreditkarten.

Kein Grund zur Entwarnung

Grund zur Entwarnung gibt es daher trotz der positiven Tendenzen aus dem OK-Lagebericht für das Jahr 2000 nicht, meinte Schuster. »Die Statistik zeigt nur das, was der Polizei bekannt ist.« Auf das Dunkelfeld kann aber von den Zahlen nicht geschlossen werden.

Verfassungsschutz würde stören

Für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität wird der Verfassungsschutz nicht gebraucht, sagte Schuster mit Blick auf ein aktuelles Gesetzesvorhaben der hessischen Landesregierung. Bereits heute sind die Länderpolizeien, das BKA, der Zoll und teilweise der Bundesgrenzschutz mit der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) befasst, so dass weitere Beteiligte nur zu »zusätzlichem Kompetenz-Wirrwarr« führen würden. Anstelle einer Beauftragung der Nachrichtendienste sollten die Kompetenzen der Polizei gestärkt werden.

Mehr Kompetenzen für Europol

Zur Bekämpfung der Banden muss die europäische Zusammenarbeit dringend weiter verstärkt werden. »Europol ist der Nukleus einer vereinigten europäischen Polizei«, sagte Schuster und forderte erweiterte Kompetenzen für die europäische Polizeibehörde in Den Haag. Verbessert hat sich zudem die Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Behörden, wie auch der jüngste Ermittlungserfolg gegen die Russenmafia belegen. Eine Bremer Bank hatte verdächtige Geldwäschebewegungen beobachtet und damit umfangreiche Ermittlungen ausgelöst, bei denen das BKA von 14 Staaten unterstützt worden ist.