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Ladenschließung wegen "Beratungsdiebstahl" Fotohändler verabschiedet sich mit Brandbrief


Ein Krefelder Einzelhändler hat keine Lust mehr auf Kunden, die sich beraten lassen und dann im Internet kaufen. Er macht nach 25 Jahren den Laden zu. Seine Abschiedsbotschaft sorgt für Aufsehen.
Von Daniel Bakir

Wolfgang Lennertz hat es satt. Das hat er in roten Lettern auf einen Zettel im Schaufenster seines Fotoladens geschrieben. "Verehrte Kunden", steht da. "Nach knapp 25 Jahren schließen wir zum 30. April 2014 unser Geschäft." Er und seine Frau Dagmar sind es leid, sich mit Internetpreisen vergleichen zu müssen. Sie sind es leid, Kunden stundenlang kostenlos zu beraten, die dann doch im günstigen Onlineshop kaufen. "Wir sind nicht bankrott oder insolvent", betont Lennertz im Gespräch mit stern.de. "Wir haben einfach den Kaffee auf."

Seit 1989 bietet "Wolfgang's Digital und Fotoservice" auf der Krefelder Evertsstraße Kameras und Zubehör. Im angeschlossenen Fotostudio kann man Passbilder und Porträts machen lassen. Wer eine Kamera kauft, dem erklärt Wolfgang Lennertz immer ausführlich die verschiedenen Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten. Wenn etwas nicht funktioniert wie es sollte, weiß Lennertz Rat. "Aus vielen Kundenkontakten sind private Freundschaften entstanden", sagt der Ladenbesitzer.

Doch in den letzten Jahren häuften sich die Negativerlebnisse. Immer wieder kamen Kunden, die sich ausführlich beraten ließen und dann erklärten, im Internet sei es doch günstiger. "Das ist Beratungsdiebstahl", sagt der 54-Jährige. Andere kamen mit ihren online gekauften Geräten nicht zurecht und wollten sich diese dann von Lennertz erklären lassen. "Wenn man dann sagt, 'klar, für eine halbe Stunde 25 Euro', ist das denen aber zu teuer."

Traurige Stammkunden

Es ist das Dilemma des klassischen Einzelhandels. Die Leute mögen die kleinen inhabergeführten Läden, sie schätzen Beratung und Service, doch sie kaufen, wo es am günstigsten ist. Und wenn ein liebgewonnener Laden dann stirbt, sind die Leute traurig. "Viele Kunden haben gesagt, dass es ihnen leidtut, dass wir aufhören", sagt Lennertz. "Einem älteren Herrn standen sogar die Tränen in den Augen. Da musste ich schon schlucken."

Benachbarte Einzelhändler kennen die Situation. Der Optiker um die Ecke berichtete Lennertz von Kunden, die die Artikelnummern von Brillen abfotografierten, nachdem sie sie probiert hatten. Das Sportgeschäft musste die Laufanalyse kostenpflichtig machen, um nicht ausgenutzt zu werden. Auf der Facebookseite des Fotoladens äußern viele ihr Bedauern und wünschen alles Gute für die Zukunft, bei der "Rheinischen Post", die am Donnerstag über die Schließung berichtete, wird das Thema heiß diskutiert. Bis Ende April wollen die Lennertz' ihre Waren ausverkaufen.

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