Lidl-Aktion Politik will mehr Bahn-Billigticktes


Die Fernzüge der Bahn sind nur zu 42 Prozent ausgebucht. Doch die Politik glaubt, dass Bahnfahren ein enormes Potential habe und fordert nun von Bahnchef Hartmut Mehdorn mehr Billigticktes.

Nach dem Verkauf von Billigtickets der Deutschen Bahn in Lidl-Filialen haben Politiker den Konzern zu weiteren Aktionen aufgefordert. Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt sagte der "Berliner Zeitung", die Bahn solle neue Kunden mit weiteren Angeboten anlocken. Der Ansturm auf die Lidl-Tickets zeige, dass Bahnfahren in Deutschland ein enormes Potenzial habe. Die Fernzüge seien durchschnittlich nur zu etwa 42 Prozent ausgelastet.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin sagte, die Aktion sei aus Verbrauchersicht sehr zu begrüßen. Sie zeige, dass man mit geschicktem Marketing Bahnfahren populär machen könne. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, forderte die Bahn auf, als Konsequenz die Preise vor allem im Nahverkehr zu senken.

Bahn-Chef Mehdorn sagte dagegen, dass die Lidl-Aktion eine "einmalige Werbemaßnahme" gewesen sei. Zwar bei seien zu viele Fernverkehrszüge leer, für die Steuerung der Bahnkunden seien solche Einheitspreis-Aktionen aber nicht das geeignete Instrument, sagte er im ZDF. Ziel sei es gewesen, Nicht-Bahnfahrer in die Züge zu locken. Forderungen nach einer Vereinfachung des Preissystems wies Mehdorn zurück.

Die Bahn will mögliche Folgeaktionen über die normalen Vertriebskanäle via Reisebüros oder die DB-Reisezentren abwickeln. Mehdorn sagte, dass die Bahn ihre insgesamt sieben Vertriebskanäle aufeinander anpassen müsse. Er dementierte aber eine Meldung des Bielefelder "Westfalen-Blattes", wonach die Zahl der Reisezentren von bisher 500 auf 450 verringert werden soll. Es seien im Vertrieb lediglich "Anpassungsmaßnahmen notwendig", so Mehdorn. Der Zeitung zufolge will die Bahn die Mitarbeiterzahl in den Reisezentren bis Ende 2005 von 3700 auf 3100 verringern.

AP AP

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