Lufthansa vs. Karstadt Der Thomas-Cook-Poker


Die Zukunft des Reiseveranstalters Thomas Cook ist weiterhin ungewiss. Die beiden Gesellschafter Lufthansa und KarstadtQuelle feilschen um den Preis. Als sicher gilt aber, dass der Reisekonzern geteilt wird.

Das Ringen um die Zukunft des Reisekonzerns Thomas Cook zwischen Lufthansa und KarstadtQuelle läuft Branchenexperten zufolge auf eine Teilung des Unternehmens noch in diesem Jahr hinaus. Demnach könnte das Reisegeschäft wie von KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff gewünscht an den Handelskonzern gehen, im Gegenzug würde Lufthansa die Ferienfluggesellschaft Condor komplett zurücknehmen.

Der Luftfahrt-Konzern dementierte zwar einen Zeitungsbericht, dass es bereits eine grundsätzliche Einigung beider Gesellschafter gebe. "Es gibt keine solche Vereinbarung", sagte ein Konzernsprecher. KarstadtQuelle beließ es jedoch bei einem ausweichenden Kommentar: "Für uns gibt es keinen neuen Stand dazu", sagte ein Sprecher. "An unseren Zielen in Bezug auf Thomas Cook hat sich nichts geändert", fügte er aber hinzu.

"Poker auf den Preis"

Seit Mitte vorigen Jahres verlautet wiederholt aus dem Umfeld beider Unternehmen, es gebe Bemühungen, das vor acht Jahren geschmiedete Gemeinschaftsunternehmen aufzulösen. "Diese Gespräche gibt es. Davon muss man ausgehen", sagten Analysten mehrerer Banken. Noch in diesem Jahr sei mit einer Einigung zu rechnen. "Das Ganze ist letztlich ein Poker auf den Preis", sagte ein Frankfurter Analyst. Lufthansa könne bei dem Verkauf des Anteils von 50 Prozent an Cook einen ordentlichen Buchgewinn erwarten, sagte Nils Machemehl vom Bankhaus MM Warburg. Er wird von Analysten auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, es gebe inzwischen eine grundsätzliche Übereinkunft zwischen Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und Middelhoff. Der Essener Handelskonzern werde für die Komplettübernahme einen mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbetrag zahlen. Die beiden Finanzvorstände müssten nur noch Einzelheiten aushandeln.

Karstadt setzt aufs Internet

Middelhoff hat wiederholt erklärt, er wolle die Mehrheit oder alle Anteile am zweitgrößten europäischen Reisekonzern übernehmen. An Condor hat der Handelskonzern allerdings kein Interesse. KarstadtQuelle will verstärkt auf den Reisevertrieb im Internet setzen.

Lufthansa ging auf die Middelhoff-Avancen in der Öffentlichkeit bislang nicht ein. "Es gibt häufiger Treffen von Herrn Mayrhuber und Herrn Middelhoff, bei denen auch über die Zukunft von Thomas Cook gesprochen wird", sagte der Lufthansa-Sprecher. Bisher gebe es lediglich eine Vereinbarung beider Anteilseigener, Thomas Cook in den nächsten Jahren börsenfähig zu machen. Ob es dann zu einem Börsengang komme, sei nicht entschieden. Der scheidende Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley hatte Analysten zufolge vor drei Monaten auf einer Investorentagung erklärt, die Fluggesellschaft sei bereit, sich von Cook zu trennen, sofern der Preis stimme.

Gewinn nach drei Verlustjahren

Lufthansa und Karstadt hatten vor acht Jahren aus der Fluggesellschaft Condor und dem Reiseveranstalter Neckermann den Reisekonzern C&N aufgebaut, der 2001 die britische Thomas Cook übernahm und dann deren Firmennamen fortführte. Allerdings schrieb der Konzern vorwiegend rote Zahlen. Im Geschäftsjahr 2004/2005 (31. Oktober) erzielte Cook bei 7,7 Milliarden Euro Umsatz nach drei Verlustjahren erstmals wieder einen Überschuss von 105 Millionen Euro.

Die Lufthansa-Aktie legte zu Wochenbeginn um 1,4 Prozent auf 14,50 Euro zu, KarstadtQuelle-Titel notierten nahezu unverändert bei 23,50 Euro.

Reuters Reuters

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