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Mannesmann-Prozess Ackermann verdient - und schweigt


Der erste Tag im Mannesmann-Prozess war wenig spektakulär. Die Angeklagten beteuerten ihre Unschuld, Deutsche-Bank-Chef Ackermann schwieg - er äußerte sich nur auf die Rückfrage zu seinem persönlichen Einkommen.

Nur nichts falsch machen: Josef Ackermann achtet zum Auftakt der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses am Donnerstag genau auf seine Körpersprache. Keinen Fingerzeig, kein Augenwischen, keine verschränkten Arme, kein breites Grinsen. Für den Chef der Deutschen Bank, der erneut auf der Anklagebank Platz nehmen musste, geht es in dem Strafverfahren nicht nur um seine Ehre. Auch seine berufliche Karriere - zumindest bei der Deutschen Bank - steht auf dem Spiel. Der mächtige Banker aus der Schweiz kündigte bereits an, im Fall einer rechtskräftigen Verurteilung beim größten deutschen Geldhaus seinen Hut nehmen zu wollen.

Vor fast drei Jahren hatte Ackermann beim ersten Prozessauftakt am Düsseldorfer Landgericht die Öffentlichkeit mit seinen zum Siegeszeichen gespreizten Fingern empört. Auch seine Worte kamen nicht gut an. "Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen", hatte der Schweizer damals beklagt.

Diesmal ein anderes Bild. Ackermann und seine Vertrauten zeigen sich schon bei der Wahl des Gerichtseingangs clever. Der Bankchef huscht durch einen Nebeneingang ins Gerichtsgebäude, an dem keine Fernsehkameras warten. Die Angaben zu seinem Jahresverdienst - summa summarum 15 bis 20 Millionen Euro - liest er von einer gelben Karteikarte ab. Zu den Vorwürfen will sich das ehemalige Aufsichtsratsmitglied der Mannesmann AG aber erst in der kommenden Woche äußern.

Verteidigungsreden wiederholt

Beobachter fühlen sich ansonsten über weite Strecken wie mit einer Zeitmaschine zum Prozessauftakt am 21. Januar 2004 zurückversetzt: Der gleiche Saal L 111, die gleiche Anklageschrift und auch die Verteidigungsreden von Ex-Aufsichtsratschef Joachim Funk und des ehemaligen IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel sind weitgehend mit denen vor fast drei Jahren identisch. Beide beteuern ihre Unschuld, weisen die Vorwürfe empört von sich. Zwickel scheut auch vor Kritik am Bundesgerichtshof nicht zurück.

Der Vorsitzende Richter Stefan Drees scheint von Zwickels Ausführungen jedoch nicht restlos überzeugt: Wieso die Millionenzahlung an Funk beschlossen worden sei, will der Jurist wissen. Zwickel schweigt. "Das werden wir ergänzen", verspricht Zwickels Anwalt Rainer Hamm. "Da wäre ich ihnen dankbar", entgegnet der Richter.

Hörgerät pfeift

Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg wird später von einem "ruhigen, unauffälligen Prozessverlauf" sprechen. Diesmal wurden die Ankläger nicht - wie im ersten Verfahren - von wütenden Verteidigern unterbrochen, sondern nur einmal vom schrillen Pfeifen eines zu laut aufgedrehten Hörgeräts im Zuschauerraum.

Es blieben die einzigen Misstöne des ersten Verhandlungstags. Sogar der sonst kommentarfreudige Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser verkniff sich jede Bemerkung am Rande des Verfahrens. Er gehe mit den besten Erwartungen in den Prozess, das ist alles, was sich dem 58- Jährigen entlocken lässt.

Am 2. November werden die Verhandlungen fortgesetzt.

DPA DPA

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