Markenpiraterie Jeder Vierte kauft gefälschte Produkte


Haben Sie schon einmal nachgemachte Markenware gekauft? Wenn ja, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Einer Umfrage zufolge sehen viele Verbraucher den Erbwerb von Fälschungen offenbar als Kavaliersdelikt an. Und das in vollem Bewusstsein der möglichen Risiken.

Mehr als jeder vierte Kunde kauft zumindest gelegentlich gefälschte Markenware. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Umfrage der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, und des Markenverbandes. 28 Prozent der Befragten hätten in den vergangenen drei Jahren Erzeugnisse von Produkt- und Markenpiraten gekauft, bei den Jüngeren sei der Anteil noch deutlich höher, heißt es in der Studie. In mehr als 60 Prozent der Fälle hätten die Käufer bewusst zu einem nachgeahmten Produkt gegriffen.

"Die Fälschung ist mittlerweile gesellschaftsfähig geworden", sagte der Leiter der Umfrage, Peter Schommer. Neun von zehn Konsumenten sähen dadurch ihr Ansehen bei Freunden und Verwandten nicht gefährdet. Immerhin rechneten 67 Prozent der Verbraucher mit Unfallrisiken, hervorgerufen durch die Verarbeitung minderwertiger Materialien. Schäden für ihre Gesundheit schlössen 61 Prozent nicht aus, 48 Prozent erwarteten finanzielle Risiken. Trotz des Bewusstseins verführe aber der günstige Preis zum Kauf.

Markenverband fordert Haftstrafen

Der Industrie entsteht nach Angaben von Schommer durch Marken- und Produktpiraterie ein Schaden von 35 Milliarden Euro im Jahr. Das entspreche etwa zwei Prozent des gesamten Umsatzes der Konsumgüterbranche. Fälschungen gebe es inzwischen auf der ganzen Warenpalette, von Klebstoffen über Parfüm bis hin zu Fertignahrung und Schokolade. In der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sei bereits jedes zweite Unternehmen davon betroffen. Die Europäische Union hatte zudem kürzlich gewarnt, dass immer häufiger nachgemachte Arzneimittel auftauchten.

Der Markenverband, der rund 400 deutsche Unternehmen vertritt, verlangte schärfere Strafen für Fälscher und mehr Aufklärung für die Kunden. Die Täter würden selten entdeckt und noch seltener bestraft, klagte Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer. "Es geht keiner in den Bau." Kannengießer sprach sich für eine Mindesthaftstrafe von sechs Monaten aus.

DPA/AP AP DPA

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