Plagiate Das Geschäft mit der Marke


Professionelle Fälscher überschwemmen Europa immer stärker mit Plagiaten von Markenprodukten. Nach Angaben des Markenverbandes erhöhte sich seit 1998 die Zahl der beschlagnahmten Produkte um 1000 Prozent.

Dass es sich bei Kleidung mit den Emblemen beliebter Sportartikelmarken wie Nike, Adidas oder Puma auch um Fälschungen handeln kann, ist den meisten Verbrauchern klar. Plagiate gibt es mittlerweile von nahezu allen Markenprodukten. Nicht nur der Sportschuh von Adidas, sondern auch das Parfüm von Davidoff, die Badezimmerarmatur von Grohe, die Haartönung von Wella, der Filzschreiber von Stabilo und die Bremsscheibe von Volkswagen können nachgemacht sein - und sie kommen vor allem aus China.

"Neben den billigen Imitaten hochwertiger Luxusgüter begegnen uns vermehrt Fälschungen aus dem Bereich der Waren des alltäglichen Bedarfs", so der Präsident des Markenverbandes, Franz-Peter Falke. Der Verband warnt vor einer deutlichen Zunahme. "Die Zahl der von europäischen Zollbehörden beschlagnahmten Waren lag 2004 bei 103 Millionen Artikeln und ist seit 1998 um rund 1000 Prozent gestiegen", berichtet er.

Eine gefährliche und wachsende Form organisierter Kriminalität

Dies sei allerdings nur die Spitze des Eisbergs, da lediglich ein Prozent des Warenverkehrs kontrolliert werde. Die Europäische Kommission schätze, dass inzwischen fünf bis neun Prozent des Welthandels auf Fälschungen entfallen, woraus sich ein Umsatz von jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro ergebe. Falke sprach von einer gefährlichen und wachsenden Form organisierter Kriminalität, die immer professioneller werde und sich immer neue Bereiche erschließe.

Unterstützung erhält Falke von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). "Es macht Sinn, darauf zu achten, dass man wirklich Markenartikel kauft", so Zypries. Denn neben der Gefahr, statt eines hochwertigen Markenprodukts für den gleichen Preis eine minderwertige Fälschung zu erwerben, bestünden für den Verbraucher auch zunehmend Risiken für Gesundheit und Leben. Die Qualität von Plagiaten sei nicht in gleichem Maße gesichert wie bei Originalprodukten. Zudem führe Markenpiraterie zum Verlust von Arbeitsplätzen und zu Steuerausfällen.

Verbraucher sollten sich an den seriösen Fachhandel halten

Falke verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf Medikamente und Lebensmittel, aber auch auf sicherheitsrelevante Autoersatzteile. So stellte der Zoll beispielsweise gefälschte Bremsscheiben der Marke Volkswagen sicher. Falke erinnerte zudem an über 300.000 minderwertige Rauchmelder, die im vergangenen Jahr in den deutschen Handel gelangt waren. Auch ein gefälschter Markensportschuh kann ein höheres Verletzungsrisiko bergen als das Original.

Verbraucher sollten sich daher vor allem an den seriösen Fachhandel halten, um nicht unbeabsichtigt Fälschungen zu erwerben, empfiehlt der Markenverband. Im Internet und auf Märkten sei die Gefahr hingegen groß, an Plagiate zu geraten.

Der Verband lobte das Engagement der Justizministerin bei der Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Durchsetzung der Rechte geistigen Eigentums, sprach sich aber dennoch für einen schärferen Kampf gegen Produktfälschungen aus, denn bislang sei das Strafrecht ein "stumpfes Schwert". Statt einer bisher vorgesehenen Höchststrafe von fünf Jahren forderte der Verband eine Mindeststrafe von einem Jahr für Täter. Auch das Angebot von gefälschter Ware im Internet wie etwa beim Auktionshaus Ebay müsse bekämpft werden. Daneben regte der Verband die Schaffung eines "Sonderbeauftragten für geistiges Eigentum" an.

"Keiner wandert hinter Gitter"

Arbeitsplatzverluste bei Markenherstellern - besonders in Europa - seien die Folge, erläuterte Falke. Die Hersteller echter Markenwaren fordern eine härtere Gangart gegen Produktpiraten. "Keiner wandert hinter Gitter", kritisierte der Geschäftsführer des Verbands, Christopher Scholz. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will nach eigenen Angaben prüfen, ob der bisherige Strafrahmen ausreichend ist. "Dort, wo Strafbarkeitslücken bestehen, schließen wir sie", kündigte die Ministerin an.

Der in dieser Woche vorgestellte Gesetzentwurf zu einem besseren Schutz der Markenproduzenten findet den Beifall der Industrie. Das Vorhaben sei ermutigend. "Wir erweitern die Möglichkeiten, Markenpiraten auf die Schliche zu kommen", betonte Zypries. Künftig sollen unter anderem die Auskunftsrechte von Rechteinhabern gestärkt werden. Dann müssen beispielsweise Spediteure oder Internet-Provider Informationen über Händler und Kunden geben, wenn illegale Waren im Spiel sind.

Nach Beobachtung des Markenverbands werden die kopierten Produkte vor allem über das Internet verkauft. Im regulären Handel landeten auch Nachahmerartikel auf Grabbeltischen. Beim Einkauf im Geschäft könnten sich die Verbraucher aber recht sicher sein, dass keine Fälschungen im Regal lägen. "Das Risiko kann im seriösen Fachhandel so gut wie ausgeschlossen werden", sagte Falke.

DDP/Reuters Reuters

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