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Fastfood-Konzern in der Krise McDonald's-Chef spricht über seine größten Baustellen – und verrät, was er selbst isst

Chris Kempczinski
Chris Kempczinski ist seit November 2019 Chef von McDonald's
© ZUMA Press / Picture Alliance
Fastfoodriese McDonald's ist von der Corona-Pandemie schwer getroffen. Konzernchef Chris Kempczinski äußert sich in einem Interview zu Mitarbeiterprotesten, Änderungen im Kundenverhalten - und seinen persönlichen Essensvorlieben.

Der größte Fastfood-Konzern der Welt hat schon angenehmere Zeiten erlebt. Vergangenen November musste McDonald's-Chef Steve Easterbrook das Unternehmen wegen einer Liebesaffäre mit einer Mitarbeiterin verlassen. Sein Nachfolger, Chris Kempczinski, ist nun vor allem damit beschäftigt, sich mit den Folgen der Corona-Pandemie herumzuschlagen.

Vor wenigen Tagen musste Kempczinski verkünden, dass der weltweite Gewinn im zweiten Quartal um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen ist. Das sind zwar immer noch gut 400 Millionen Euro Gewinn, die Zahlen waren aber schlechter, als von Analysten erwartet. Zudem kritisieren in den USA seit Wochen immer wieder Restaurantmitarbeiter ihre Arbeitsbedingungen. Sie fordern mehr Gesundheitsschutz und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

In einem Interview mit dem Time Magazine sprach der McDonald's-Boss nun über seine größten Baustellen und gewährte ein paar persönliche Einblicke.

Schulungen zur Maskenpflicht

Zu den Protesten und Streiks von Mitarbeitern in den USA erklärte Kempczinski, er könne verstehen, dass sich die Menschen in der Pandemie um ihre Gesundheit sorgen. "Ich denke niemand von uns – mich eingeschlossen – möchte in einer Situation sein, in der man sich zwischen Gesundheit und Gehaltsscheck entscheiden muss." Die große Mehrheit der McDonald's-Restaurants biete aber bereits Lohnfortzahlung im Krankheitsfall an.

Die Schutzkleidung der Mitarbeiter in den Restaurants mit Gesichtsmasken und Handschuhen sei ausreichend. Zudem hätten alle Mitarbeiter ein Training erhalten, wie sie mit der ab 1. August geltenden Maskenpflicht in den US-Filialen umgehen sollten – und mit Kunden, die sich dem widersetzen. "Wir haben alle Mitarbeiter geschult, wie sie mit solchen Situationen umgehen und wie sie deeskalieren. Aber wenn sich ein Kunde endgültig weigert, ermutigen wir unsere Mitarbeiter, die Polizei zu rufen, damit diese sich darum kümmert."

Was die Kunden wollen

Am stärksten ist laut dem McDonald's-Boss in der Pandemie das Geschäft mit dem Frühstück eingebrochen. "Wenn man sich Frühstück, Mittagessen und Abendessen anschaut, ist das Frühstück am stärksten davon betroffen, dass die Leute nicht zur Arbeit gehen", sagt Kempczinski. Da half es auch wenig, dass 95 Prozent der US-Filialen zumindest als Drive-Through geöffnet blieben und McDonald's das Essen auch zunehmend ausliefert.

Der Trend, sich Essen liefern zu lassen, werde über die Pandemie hinaus anhalten, ist Kempczinski überzeugt. Auch der Trend zum kontaktlosen Bestellen über Apps oder Bestellterminals werde andauern. "Die Kunden scheinen immer mehr Service-Kanäle zu bevorzugen, die den Kontakt zu anderen Menschen minimieren. Ich denke, das ist etwas, was bleiben wird".

Was die Essensauswahl angeht, so beobachtet Kempczinski, dass die Kunden in der Krise wieder mehr Klassiker wie Big Mac und Pommes äßen und weniger "fancy new burger". Zudem gebe es weiter einen Trend zu weniger Rindfleisch und mehr Hühnchen.

"Wir setzen alles auf die Karte, was sich verkauft"

Für die Frage, ob die Menschen aus Umweltgründen nicht überhaupt weniger Fleisch essen sollten, fühlt sich der Chef des Burgerbraterimperiums nicht zuständig. Diese Frage sollten die Konsumenten beantworten, so Kempczinski. "Wenn die Konsumenten entscheiden, dass sie kein Fleisch mehr essen wollen, sondern etwas anderes, dann bieten wir das an. Es ist nicht unser Job, den Leuten zu sagen, was sie essen sollen." Die Philosophie von McDonald's bleibe: "Wir setzen alles auf die Karte, was sich verkauft."

Mit dieser Haltung geht der Konzern auch an das Thema ungesunde Ernährung heran, immerhin verdient der Konzern sein Geld nach wie vor vor allem mit Kalorienbomben: "Unsere Philosophie ist, dass der Kunde die Wahl hat", sagt Kempczinski. Alle Nährwerte seien auf der Karte angegeben. "Unsere Pflicht ist es, den Kunden alle Informationen zu geben, die sie brauchen, und letztlich entscheiden sie, was sie tun wollen."

In dem Interview verrät der Chef der Fastfood-Kette auch, wie oft er selbst bei McDonald's-Essen zugreift, nämlich "fünf Tage die Woche, zweimal am Tag", zu jedem Frühstück und Mittagessen. "Ich habe meine Tage, an denen ich gesund esse und ich habe meine Cheat Days", verrät Kempczinski. Zum Frühstück esse er typischerweise ein Egg-McMuffin-Sandwich ohne Bacon, mit Kaffee oder kleiner Cola Light. Zum Mittagessen dann einen Salat oder Fischsandwich ohne Sauce Tartar. An Cheat Days gönne er sich auch mal den Quarter Pounder, hierzulande als Hamburger Royal bekannt.

bak

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