HOME

Krass kopiert: McDonald's? Nein - im Iran brutzelt die clevere Kopie Mash Donald's

Jahrelang versuchten McDonald's und Co. im Iran Filialen zu eröffnen - und blieben erfolglos. Dank der gelockerten Wirtschaftssanktionen könnte sich das jetzt ändern. Doch die US-Unternehmen kommen zu spät: Im Iran haben sich längst detailgetreue Nachahmer breit gemacht.

Von Lara Wiedeking

Eine Filiale der iranischen Version von McDonalds

Nein, McDonald's hat noch nicht expandiert - so sieht eine Mash Donald's Filiale in Teheran aus. Mit Burger, Fritten und sogar einer iranischen Version von Ronald. 

Perfekt geschwungen sind die beiden goldenen Bögen vor rotem Hintergrund. Unten drunter der weiße Schriftzug: Mash Donald’s. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Mash Donald’s, das ist die iranische Antwort auf die weltweit bekannte und beliebte Fast-Food-Kette "McDonald's". 

Eine Stunde anstehen - für einen Burger

Nachahmer haben sich in den vergangenen Jahren auf dem Markt breit gemacht und befüllen die Straßen der iranischen Städte mit detailgetreuen Kopien von amerikanischen Fast-Food-Ketten. Mash Donald’s und PizzaHat-Filialen ploppen überall im Land auf, wie jüngst die "New York Times" berichtete. Logos, Menüs und die Uniform der Angestellten transportieren authentisches US-Gefühl - man glaubt fast, es handelt sich lediglich um einen Schreibfehler im Restaurant-Namen.

"Es gibt inzwischen so viele Nachahmungen, man kann sich kaum entscheiden zwischen Mash Donald’s, Pizza Hat, KFC oder Subways", sagt Holly Dagres, die in Los Angeles geboren wurde und in Teheran aufwuchs. Schon 2003 besuchte sie regelmäßig ein “Fake Franchise”-Burger-Unternehmen, einen Nachahmer von Carl’s Jr.. "Nachdem das Restaurant eröffnete, gab es das Gerücht die Burger-Brötchen würden von dem amerikanischen Original geliefert", erinnert sich Dagres im Gespräch mit dem stern. "So wurde es natürlich sofort ein Hit im Iran. Die Leute standen eine Stunde lang an, um dort zu essen", sagt Dagres. Auch wenn einige Iraner sich sicherlich wünschen würden, das amerikanische Original zu essen, sei die iranische Variante des Fastfoods gesünder, so Dagres, und es stecke nicht voller Konservierungsstoffe.

Bewerbung für McDonald's Franchise im Iran bereits online

Nach 20 Monaten harter Verhandlungen wurde der Iran-Deal des US-Präsidenten Barack Obama vor gut drei Wochen verabschiedet. Die Möglichkeiten und der Zugang des Iran zu nuklearen Stoffen wurde streng reglementieren – im Gegenzug wurden einige der wirtschaftlichen Sanktionen gegen den Iran aufgehoben. Der Iran und die USA haben sich mit kleinen Schritten aufeinander zubewegt. Seit Jahrzehnten ist das Verhältnis zwischen den Ländern angespannt. Bei der Revolution 1979 herrschte eine starke anti-amerikanische Stimmung im Land, 52 US-Bürger wurden damals aus der amerikanischen Botschaft in Teheran für 444 Tage als Geiseln genommen. 

Was plant McDonald's?

Als auf der Website von McDonalds ein Bewerbungsformular für ein iranisches Franchise aufgetaucht ist, war der Aufschrei unter Politikern in Teheran groß, schreibt die "New York Times" weiter. McDonald’s veröffentlichte eine Stellungnahme auf ihrer Website: Man habe keinen festen Zeitpunkt für eine Niederlassung im Iran vereinbart. Ob es die Gemüter beruhigt, ist fraglich.

Portrait von Holly Dagres

Die 29-jährige Holly Dagres lebt in Kairo, Ägypten und ist Expertin für den Mittleren Osten. 

Im Iran, so Holly Dagres, hoffe man auf eine Annäherung an den Westen: "Obwohl die 'Tod Amerika'-Gesänge noch immer nachklingen, ist der Iran eigentlich eines der am meisten Pro-Amerika eingestellten Länder im Mittleren Osten." Der Iran-Deal bringe hoffentlich westliches Investment - und Fast-Food-Ketten - und das Land könne wieder Teil der Weltwirtschaft werden.

Wer auf den Straßen Teherans nach authentischem Essen sucht, für den hat Dagres auch eine klare Empfehlung: "Man kann den Iran nicht besuchen, ohne persische Pizza probiert zu haben. Iraner lieben es, sie mit Ketchup zu beträufeln, den man sich immer dazu bestellen."

Themen in diesem Artikel