HOME

Medien: Fernsehsender billig gesucht

Premiere-Chef Georg Kofler arbeitet derzeit mit Hochdruck an seinem neuesten Coup: In den nächsten Tagen könnte sich entscheiden, ob und auf welchem Weg der geplante Einstieg des Pay-TV-Konzerns in das frei empfangbare Fernsehen klappt.

"Die Chancen stehen über 50 Prozent, dass wir einen eigenen Sender haben werden", sagt Kofler. In dem hauseigenen Free-TV-Kanal sollen dann ab der kommenden Saison Spiele der Fußball Champions-League übertragen werden. Ende August hatte Premiere ab der kommenden Saison erstmals sämtliche Rechte an der Champions League erworben, also auch die für das frei empfangbare Fernsehen. Auf diesem Weg könnte Premiere kontrollieren, wann und welche Spiele kostenlos zu sehen sind. Durch eine Verknappung soll der Pay-TV-Kanal gestärkt werden. Nun braucht das Unternehmen allerdings noch einen Sender, auf dem die Spiele im Free TV übertragen werden können. Denkbar sind der Kauf und der Aufbau eines Kanals. "Derzeit prüfen wir die Optionen", sagt Kofler. Nach Informationen aus Branchenkreisen steht der Senderchef in intensiven Verhandlungen.

Übernahme von DSF wahrscheinlich

Da der Aufbau eines Senders mit der notwendigen Reichweite in so kurzer Zeit schwierig sein dürfte, wäre eine Übernahme des Deutschen Sportfernsehens DSF am logischsten. Auf diesem Weg könnte sich Premiere ein festes Standbein im frei empfangbaren Fernsehen schaffen. Beim DSF-Besitzer EM.TV heißt es dazu: "Das DSF steht nicht auf unserer Verkaufsliste." Ein Sprecher bekräftigte aber, das die Medienfirma ernsthafte Angebote natürlich prüfen werde. Laut Branchenkreisen haben Kofler und EM.TV-Chef Werner Klatten auch schon über das Thema gesprochen. Allerdings lägen die Preisvorstellungen weit auseinander. Für Klatten würde ein Verkauf nur bei einem außergewöhnlich hohen Erlös Sinn machen, da ein wichtiges Standbein der Konzernstrategie wegbrechen würde. Kofler sucht dagegen eher einen Free-TV-Sender zum Schnäppchenpreis, da sein Kerngeschäft das Bezahlfernsehen bleiben soll.

Da der frei empfangbare Sender eine technische Reichweite von 80 bis 90 Prozent haben soll, ist die Auswahl für Premiere nicht groß. "Neben dem DSF kommt eigentlich nur noch Tele 5 in Frage", sagt ein Branchenexperte. Auch hier trifft Kofler auf einen alten Bekannten: Der Sender gehört zur Tele München-Gruppe von Herbert Kloiber, mit dem Kofler regelmäßig über den Kauf von Filmrechten verhandelt. Auch mit Kloiber hat es bereits Gespräche über Tele 5 gegeben. Allerdings gilt Kloiber als äußerst gewiefter Verhandler, sodass auch eine Tele-5-Übernahme mit einer anschließenden Umwandlung in einen Sportsender nicht gerade günstig sein dürfte. Alternative wäre noch die Kooperation mit einem Sender. Nach Informationen aus Branchenkreisen spricht Premiere darüber mit Eurosport. Demnach könnte die Champions League - und nach dem selben Modell dann auch die Bundesliga - in Programmfenstern auf dem DSF-Konkurrenten gezeigt werden.

Peinliche Lösung: TV-Rechte zurückgeben

Eine ausgesprochen billige Lösung gibt es auch noch: Premiere könnte die Free-TV-Rechte im März an die Fifa zurückgeben. "Da könnte Premiere viel Geld sparen", sagt ein Unternehmenskenner. Der Bezahlsender könnte sich immer noch die besten Spiele für den Abokanal raussuchen und sich das Abenteuer Free-TV ersparen. Auch wenn dies durchaus ein eleganter Notausstieg wäre, wird in der Branche nicht damit gerechnet. "Kofler hat sich mit seiner Ankündigung schon sehr unter Druck gesetzt", sagt ein Medienexperte. "Die Rechte einfach zurückzugeben, wäre da schon peinlich."

Axel Höpner/DPA / DPA