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Medien: In den deutschen Fernsehmarkt kommt Bewegung

Im deutschen Fernsehmarkt werden mit der Übernahme von ProSiebenSAT.1 durch den US-Milliardär Haim Saban die Karten neu gemischt.

Endlich kommt Bewegung in den deutschen Fernsehmarkt - in den vergangenen Jahren waren die Verhältnisse ja weitgehend zementiert. Die Öffentlich-Rechtlichen, Bertelsmann und die KirchGruppe teilten sich den Markt. Mit Spannung wird nun bei ProSiebenSAT.1 und bei den Konkurrenten abgewartet, wie Saban und sein Partner, der französische TV-Konzern TF1, agieren werden. Erstmals werden Investoren aus dem Ausland maßgeblichen Einfluss auf dem deutschen Medienmarkt haben. Nach Informationen des Branchendienstes «Der Kontakter» will Saban gemeinsam mit TF1 ein europäisches TV-Netzwerk knüpfen.

Nur noch Details ungeklärt

Am Wochenende liefen die letzten Verhandlungen zwischen Saban sowie der KirchMedia-Geschäftsführung und dem Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Offen waren nur Detailfragen, hieß es in Verhandlungskreisen. An einem Abschluss wurde auf beiden Seiten nicht mehr gezweifelt. Der Vertrag für den Kauf der KirchMedia mit ProSiebenSAT.1 und dem Filmrechtehandel sollte am späten Sonntagabend oder in den kommenden Tagen unterschrieben werden.

Hängepartie endlich vorbei

Für ProSiebenSAT.1 geht damit knapp ein Jahr nach dem Zusammenbruch der KirchGruppe eine Hängepartie zu Ende. Der Konzern war zwar nicht direkt von der Pleite der KirchGruppe betroffen. Dennoch sei man natürlich an Klarheit auf der Gesellschafterseite interessiert, sagte ein Sprecher. ProSiebenSAT.1 war einer der wenigen profitablen Bestandteile des Kirch-Imperiums. Allerdings schmolzen in der Werbekrise die Gewinne empfindlich zusammen. Im vergangenen Jahr brach der Gewinn vor Steuern um 80 Prozent auf 21 Millionen Euro ein.

Saban durchaus willkommen

Daher hatten bei der Senderkette einige befürchtet, bei einer Übernahme durch den Bauer-Verlag, der mit spitzem Bleistift rechnet, drohten harte Einschnitte. Eine Übernahme durch Saban habe daher für die Sender durchaus Charme. Saban hatte sich in den vergangenen Wochen bemüht, Ängste zu nehmen. Er werde ein unabhängiges, heimisches Management gewähren lassen. Auch sehe er keinen Grund, Konzernchef Urs Rohner auszutauschen. In Branchenkreisen wird auch darauf hingewiesen, dass Sabans Einfluss ohnehin begrenzt sei. «Direkt wird er nur über den Aufsichtsrat agieren können.»

ProSieben bleibt "Cash-Cow"

Dennoch dürfte die Übernahme durch Saban nicht ohne Folgen für die Aufstellung der Sender sein. Am wenigsten Handlungsbedarf gibt es bei ProSieben. Der Spielfilm-Kanal ist traditionell die «Cash-Cow» bei ProSiebenSAT.1. Da Saban auch den Kirch-Filmrechtehandel der KirchGruppe übernimmt, könnten zusätzliche Synergien für ProSieben genutzt werden.

Sat1 wohl ohne Bundesliga

Anders sieht die Lage bei SAT.1 aus. Der Berliner Sender ist chronisch defizitär und verfügt über kein so klares Profil. 2002 stieg der Verlust vor Steuern noch einmal von 77 auf 98 Millionen Euro. Da Saban ein Mann des Films ist, sei es noch unwahrscheinlicher geworden, dass die Fußball-Bundesliga weiterhin bei SAT.1 läuft, meint ein Branchenexperte. Schon Rohner war das Minus, das die Sendung «ran» seit Jahren macht, zuletzt ein Dorn im Auge. Auch die deutschen Film- und Fernsehregisseure hoffen, dass Saban als Mann des Films auf deutsche Eigenproduktionen, statt auf Sportrechte setzt.

Weitere Ankäufe erwartet

Nach Informationen des «Kontakters» ist die ProSiebenSAT.1-Übernahme für Saban nur ein erster Schritt. Er sei auch an dem britischen Sender Channel 4 interessiert, berichtete der Nachrichtendienst am Sonntag. Des weiteren plane Saban offenbar Koproduktionen mit den Hollywood-Studios für seine neuen Sender. Die rechte Hand Sabans, Ynon Kneiz, könnte der neue Top-Manager in München werden. Kneiz ist der ehemalige Fox Kids Europe-Chef. «Mit Saban dürfte in jedem Fall frischer Wind in die Branche kommen», sagt ein Experte.