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Medien: Zehn Fragen an Markus Schächter

Der ZDF-Intendant warnt davor, Fußball nur noch im Pay-TV auszustrahlen, und verspricht hübschere Wetterkarten und weniger Volksmusik im Zweiten.

Herr Schächter, die Fußball-Bundesliga droht ins Bezahlfernsehen zu verschwinden. Wie werden Sie mit Ihrem "Aktuellen Sportstudio" reagieren?

Das ZDF hat sein "Aktuelles Sportstudio" neu positioniert, und wir beobachten jetzt sehr aufmerksam, aber auch sehr gelassen die Entwicklung. Es wird einen großen Kampf geben um die Rechte an der Fußball-Bundesliga am Samstagnachmittag. Wir spielen dabei keine aktive Rolle.

Im für Sie günstigsten Fall könnte das ZDF eine Art Juniorpartner des Pay-TV-Senders Premiere werden: Dort würden die Spiele live zu sehen sein, im frei empfangbaren Fernsehen erst um 22 Uhr - bei Ihrem Sender. Sieht so Ihr Kalkül aus?

Wir wären schlechte Profis, wenn wir nicht für alle Eventualitäten Pläne hätten. Aber zurzeit ist noch nicht einmal entschieden, ob die Spieltage neu verteilt werden. Kommen die Freitagsspiele wieder auf den Plan? Wird ein Topspiel samstags später angepfiffen, sodass es für die "Sportschau" der ARD zu spät läge? In jedem Fall gilt: Der Schaden, den die Liga bei einem Rückzug ins Bezahlfernsehen erleidet, ist kaum abzuschätzen.

Sicher ist: Der Preis für die Bundesligarechte wird steigen. Die ARD zahlt für ihre "Sportschau" sowie die Fußballbilder in den Nachrichten bislang gut 60 Millionen Euro pro Saison, das ZDF rund 17 Millionen. Wie lange akzeptieren die Gebührenzahler noch, dass die Öffentlich-Rechtlichen bei jedem teuren TV-Poker dabei sind?

Ich sehe im Gegenteil die Erwartung der Zuschauer, für die Gebühr auch Spitzensport zu bekommen. Aber dafür braucht es nicht mehr Rundfunkgebühren. Man kann auch Neues bieten, indem man auf anderes verzichtet.

Das Image von ARD und ZDF ist ramponiert: Schleichwerbung, korrupte Sportjournalisten, fragwürdige Nebenverdienste etwa Ihres Sportmoderators Wolf-Dieter Poschmann, der für den Profi-Radrennstall Gerolsteiner arbeitete. Wie erklären Sie sich den Verlust von Anstand auf ganzer Linie?

Schleichwerbung, wie sie in diesem Sommer bei der ARD und früher schon bei uns bekannt wurde, gibt es im ZDF nicht mehr. Wir haben die Konsequenzen gezogen und unseren Kurs korrigiert. Was auf keinen Fall angeht, ist, dass mein Kollege Wolf-Dieter Poschmann in eine Linie mit den ARD-Journalisten Emig und Mohren gebracht wird. Seine Moderationen bei Gerolsteiner waren regulär beantragt und genehmigte Nebentätigkeiten. Seine journalistische Unabhängigkeit wurde dadurch nicht beeinträchtigt. Aber wir werden unsere Genehmigungspraxis künftig strenger fassen. Schon den Anschein möglicher Abhängigkeiten werden wir in Zukunft vermeiden.

Warum lässt das ZDF "Wetten dass..?"-Ausflüge, etwa letzten Sommer in die Türkei, vom Sponsor DHL, also Deutsche Post, finanzieren?

Weil wir es uns ohne Beistellung von Sachleistungen nicht leisten könnten, 480 Tonnen Equipment in die Türkei zu bringen. "Wetten dass..?" bleibt aber eine Ausnahme.

ARD und ZDF kassieren jährlich rund sieben Milliarden Euro aus Gebühren. Schwer vorstellbar, dass Sie auf Sachleistungen, Sponsoring und Werbung nicht verzichten können.

Ich bitte darum, die Begriffe auseinander zu halten. Sachleistungen sind nach den Gesetzen möglich und sinnvoll, weil sie die Produktionskosten senken und damit die Gebühren entlasten. Sponsoring und Werbung sind rundfunkrechtlich eindeutig zugelassen, aber auch streng geregelt. Bei einem Verzicht auf Werbung müssten die Zuschauer monatlich 1,42 Euro mehr zahlen. Das halte ich für nicht vermittelbar. Dass Produkte außerhalb der zulässigen Werbeformen gegen Bezahlung in die Kamera gerückt werden, ist aber ausgeschlossen.

Nach 28 Jahren verliert Volksmusik-Moderatorin Carolin Reiber ihr Betätigungsfeld beim ZDF. Das jähe Ende der Jodelprogramme?

Wir wären des Teufels, wenn wir mit der Volksmusik brächen. Aber ebenso richtig ist, dass wir unsere Formate kontinuierlich erneuern müssen. Es gibt weniger Show-Programme als früher, weil sie nur einmal ausgestrahlt werden können und dann im Archiv verschwinden. Das passt nicht mehr in die digitale Welt. Wir setzen deshalb mehr auf fiktionales Repertoire-Programm.

Also wird es noch mehr Wiederholungen geben?

Es geht dabei mehr um die Wiederverwertbarkeit bei anderen TV-Anbietern. Im digitalen Fernsehen wird es ein Vielfaches an Programmen geben. Für uns stellt sich da die Frage: Was lässt sich künftig mehrfach nutzen?

Wie lässt sich Ihr kaufmännischer Kurs mit der "Info-Offensive" vereinbaren, die Sie noch 2004 lautstark proklamiert haben?

Die Information hat oberste Priorität. Das bleibt so. In dieser Gebührenperiode stecken wir die mit Abstand größte Einzelinvestition in ein neues Nachrichtenstudio in Mainz. Ab 2007 werden Nachrichten auf diese Weise grafisch anschaulicher präsentiert. Bei einem Hurrikan wie "Katrina" etwa blenden wir dann ein dreidimensionales Bild ein, um Sturm, Flutbewegungen und das tiefgelegene New Orleans verständlicher zu zeigen. Wir machen die "heute"-Familie fit für das digitale Zeitalter.

Die Nachrichtensendungen werden boulevardhafter?

Sie werden erklärender. Die Themen werden die gleichen bleiben wie bei der gesetzten "Tagesschau". Für die Präsentation aber setzen wir auf neue Technik.

Interview: Johannes Röhrig

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