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Streit um Markenrecht: Merci verbietet Café seinen Namen

"Merci, dass es dich gibt": Der Werbespruch der Schokoladensorte gilt nicht für ein kleines Familienunternehmen. Das Café "Merci" muss nach einem richterlichen Vergleich jetzt seinen Namen aufgeben.

Wegen der "Merci"-Schokolade muss sich das Familien-Café "Merci" nun einen anderen Namen suchen. Dabei ist "merci" noch nicht einmal ein Kunstwort, sondern einfach das französische Wort für "danke".

Wegen der "Merci"-Schokolade muss sich das Familien-Café "Merci" nun einen anderen Namen suchen. Dabei ist "merci" noch nicht einmal ein Kunstwort, sondern einfach das französische Wort für "danke".

Es war ein langer und harter Kampf: Drei Jahre lang haben sich der Süßwarenhersteller August Storck KG und ein kleines Familienunternehmen aus Bad Soden vor Gericht gezankt. Ein Kampf, der an David gegen Goliath erinnert. Am Ende hat Goliath gewonnen - und die Betreiberin Anja Klügling ein Café ohne Namen.

Denn darum ging der Streit: Die Firma Storck, die unter anderem die Schokolade "merci" produziert, fühlte sich durch Klüglings Familienunternehmen mit dem Namen "Café Merci" in ihren Namenrechten verletzt und zerrte die Besitzerin 2011 vor Gericht. Die Anwälte des Süßwarenherstellers werfen ihr "Rufausbeutung einer etablierten Marke" vor, wie die "Frankfurter Neue Presse" berichtet.

Ein Prozess, der damals zugunsten der 48-Jährigen ausging, die unter dem Namen "merci" mehrere Filialen betreibt. Doch Storck ging in Berufung. Einmal, zweimal, dreimal. Nicht einmal Klüglings Vorschlag, ihre Kaffeehäuser in "Café Merci im Taunus" umzubenennen, reichte Storck aus. Doch jetzt hatte der Richter genug von Revision und forderte einen Vergleich.

Anja Klügling knickte ein. Ein erneuter Rechtsstreit hätte vermutlich wieder Jahre gedauert, so die Mutter zweier Töchter zur "Frankfurter Neuen Presse".

Neuer Name bringt Kosten von 250.000 Euro

Jetzt gilt für Klügling, einen neuen Namen zu finden und bis Anfang 2016 alle Artikel und Namensschilder mit dem alten Schriftzug zu ersetzen. Servietten, Verpackungen, Homepage: Sie rechnet laut dem Bericht mit Kosten von mehr als 250.000 Euro.

Ein Betrag und ein Verfahren, dem viele Menschen mit Entrüstung entgegentreten. Auf der Facebook-Seite der Schokoladensorte kommentieren User den Rechtsstreit mit Entsetzen und plädieren dafür, Storck-Produkte zu boykottieren.

Ein Shitstorm, dem sich jetzt auch das Unternehmen mit einem Kommentar auf Facebook stellt. Das Wachstum des Familienunternehmens sei nicht einzuschätzen und die Marke müsse daher geschützt werden, heißt es in der Erklärung. Zudem habe sich die Bertreiberin nicht gesprächs- und kompromissbereit erklärt. "Wir haben Verständnis für das Café und die Sorgen der Betreiber, können aber keiner in den Folgen für uns nicht abschätzbaren Nutzung des für uns geschützten Namens zustimmen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringen würde."

Doch auch diese Worte stimmen die User nicht versöhnlich. Im Gegenteil. Die Klarstellung von Seiten des Unternehmens wird als höhnisch empfunden.

Noch tragischer wird der Fall, wenn man den Hintergrund der Namensgebung kennt. Jahrelang betreibt sie ihr Café unter dem Namen "Café Bonjour". Ein Hobby von ihr und ihrem Mann.

Doch als der 2006 stirbt, muss sie damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie ändert den Namen und das Konzept, weil sie und ihre beiden Töchter – die in das Familiengeschäft einsteigen wollen – damit Dankbarkeit ausdrücken wollten, wie sie der "Frankfurter Rundschau" sagt.

Ganz nach dem Werbespruch des Unternehmes: "Merci, dass es dich gibt!" Doch das scheint für ein Familienunternehmen mehr zu gelten,. alas für ein großes Unternehmen.

Stephanie Beisch
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