HOME

Metro-Gründer: Otto Beisheim ist tot

Er war Mitbegründer des größten deutschen Handelskonzerns Metro. Otto Beisheim starb im Alter von 89 Jahren. Die Pressemitteilung zu seinem Tod deutet auf Selbstmord hin.

Der Mitbegründer des größten deutschen Handelskonzerns Metro, Otto Beisheim, ist tot. Der 89-Jährige sei am Montagmorgen in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee tot aufgefunden worden, teilte die Agentur Brunswick als Vertreter des Familienbüros der Otto Beisheim Gruppe mit. Zuvor hatte bereits die "Bild"-Zeitung online darüber berichtet.

"Er litt an einer nicht heilbaren Krankheit und ist aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden", hieß es in der Pressemitteilung.

Beisheim war 1924 in der Nähe von Essen als Sohn eines Gutsverwalters geboren worden. Als Mitgründer der Metro AG hatte er den Handel in Deutschland anhand der Einführung des Cash & Carry-Konzepts im Jahre 1964 mit geprägt. Als langjähriger geschäftsführender Gesellschafter der Metro SB Großmärkte und später als Verwaltungsratspräsident der Metro Holding AG trug er maßgeblich zu der Expansion des Konzerns bei. Zum Metro-Konzern gehören unter anderem die Supermarktkette Real, die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn sowie die Kaufhauskette Galeria Kaufhof.

Bundesweit bekannt wurde Beisheim auch durch das Beisheim-Center an Potsdamer Platz in Berlin. 2004 wurde der Komplex eingeweiht, in dem sich unter anderem Hotels der Ketten Ritz-Carlton und Marriott befinden.

Metro-Chef Koch: "Pionier und Legende der Handelsbranche"

Metro-Chef Olaf Koch erklärte, der Konzernvorstand und die weltweit mehr als 280.000 Mitarbeiter bedauerten den Tod Beisheims "zutiefst". Der Unternehmer sei dem Konzern "bis zuletzt eng verbunden" gewesen. Beisheim sei "ein Pionier und eine Legende" im Handel gewesen - in Deutschland und international. Sein Konzept des Großhandels mit Selbstbedienung habe die Branche ab Mitte der 60er Jahre revolutioniert und das Fundament für die Metro Gruppe in der heutigen Form gelegt. Beisheim habe "mit Innovation, Mut und Ehrgeiz eines der weltweit führenden Handelsunternehmen geschaffen".

Umstritten ist indes Beisheims Rolle im Zweiten Weltkrieg. "Spiegel Online" zufolge war er Mitglied der Waffen-SS. Beisheim habe "nur niedere Dienstgrade bekleidet" und sei 1942 in den Arbeits- und Heeresdienst eingerückt, sagte eine Sprecherin lediglich.

Was mit Beisheims Vermögen geschehe, sei "seit langem klar geregelt", teilte die Otto-Beisheim-Gruppe mit. Das Erbe des mehrfachen Milliardärs gehe auf seine beiden gemeinnützigen Stiftungen über. Damit lebe sein "kulturelles, karitatives und unternehmerisches Engagement" weiter. Beisheim unterstützte die Jugendfürsorge, die wissenschaftliche Forschung, kulturelle Einrichtungen und den Breitensport. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes, im Jahr 2000 hatte er den Bayerischen Verdienstorden verliehen bekommen.

Auch die Otto Beisheim School of Management bestätigte den Tod ihres Stifters. Beisheim hielt zuletzt noch knapp zehn Prozent der Metro-Aktien. Die Otto-Beisheim-Gruppe plane keine Verkäufe der Aktien, sagte eine Sprecherin der Gruppe.

lin/anb/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters