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Zum Tod von Otto Beisheim: Tiefstapler und Pionierunternehmer

Er war der Mann, "den keiner kennt, bei dem aber alle einkaufen": Otto Beisheim, Mitgründer der Metro, führte hierzulande das "Cash and Carry"-Prinzip ein. Nun ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Die Medien hat Otto Beisheim stets gemieden, und selbst an den Hauptversammlungen seiner Firmen soll der Mitgründer des Handelsriesens Metro so manches Mal nur unerkannt teilgenommen haben. Am Montag wurde der 89-Jährige tot in seinem Anwesen in Rottach-Egern am Tegernsee aufgefunden. Offiziellen Angaben zufolge schied der unheilbar Erkrankte "aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben" - eine Formulierung, die einen Freitod andeutet.

Die unternehmerische Leistung des in Vossnacken bei Essen geborenen Beisheim ist untrennbar mit einer Innovation im Handel verbunden, die seit mittlerweile vielen Jahren als das Prinzip "Cash and Carry" (Bezahlen und Mitnehmen) bekannt ist. Der Sohn eines Gutsverwalters lernte "Cash and Carry" Anfang der 60er Jahre in den USA kennen. 1964 gründete Beisheim, der eine kaufmännische Ausbildung in der Lederindustrie absolviert hatte, in Mülheim an der Ruhr erstmals einen Metro-Großhandelsmarkt für Wiederverkäufer nach US-Vorbild.

Der große Unbekannte

Dem innovativen Konzept, das an die Stelle der Waren-Lieferung an die jeweiligen Einzelhändler gegen Rechnung das Selbstabholen und sofortige Bezahlen setzte, war ein durchschlagender Erfolg beschieden. Er machte es der Gruppe möglich, nach und nach die Mehrheiten bei Kaufhof (1986) und der Asko-Handelsgruppe (1992) aufzukaufen. Die Metro wurde zu einem der größten Handelsunternehmen weltweit - während Beisheim, langjähriger geschäftsführender Gesellschafter der Metro SB-Großmärkte und späterer Verwaltungsratspräsident der Metro Holding, weiter im Hintergrund blieb.

Als "meisterhaft tiefstapelnden 'Mr. Metro'" beschrieb der Kolumnist Michael Graeter den damals schon über 80-jährigen Beisheim 2007 im Magazin "Cicero" - als "Otto Beisheim, den keiner kennt, bei dem aber alle einkaufen". In der Tat tauchte Beisheims Name nur selten in der Öffentlichkeit auf. Negative Schlagzeilen gab es vor einigen Jahren über die angebliche Mitgliedschaft Beisheims während des Zweiten Weltkriegs in der "Leibstandarte Adolf Hitler" der Waffen-SS.

3,4 Milliarden Euro Vermögen

Wenige Jahre zuvor war der Name des Metro-Mitbegründers, dessen Vermögen laut Manager-Magazin 2006 auf rund 3,4 Milliarden Euro geschätzt wurde, erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden: Im Jahr 2000 hatte Beisheim ein Areal am Potsdamer Platz in Berlin gekauft und dort für rund 435 Millionen Euro das Beisheim-Center gebaut - ein Komplex aus Hochhäusern im Stil der 20er Jahre, zu dem auch das Hotel Ritz-Carlton gehört.

Seit den 80er Jahren trat Beisheim zudem häufig als Mäzen hervor. So stiftete er 1993 der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz umgerechnet knapp 25,6 Millionen Euro - seitdem trägt die Privatuniversität den Namen "Otto Beisheim School of Management". In Bayern finanzierte Beisheim, der 1988 Schweizer Staatsbürger wurde, Schulprojekte und Kindergärten. Beisheims soziale und kulturelle Aktivitäten sind in zwei gemeinnützigen Stiftungen gebündelt, in die sein Erbe nun übergehen soll.

Diverse Auszeichnungen

Fast 50 Jahre war Beisheim mit seiner Ehefrau Inge verheiratet, die einst die Schmuckabteilung der Düsseldorfer Metro geleitet hatte und 1999 starb. Der Pionierunternehmer wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht: 1994 erhielt der begeisterte Golfer das Bundesverdienstkreuz, im Jahr 2000 den Bayerischen Verdienstorden, und 2004 wurde er zum Ehrensenator der WHU ernannt. Außerdem war er Ehrenbürger aller fünf Gemeinden des Tegernsee-Tals.

Richard Heister/AFP / AFP