Mindestlohn-Gesetz Springer will Pin abwickeln


Einem Medienbericht zufolge bereitet der Axel-Springer-Verlag die Schließung der Brieftochter Pin vor. Im Fall einer Insolvenz würden 9.000 Mitarbeiter arbeitslos.

Nach der Niederlage im Kampf gegen den Post-Mindestlohn bereitet der Axel-Springer-Verlag Berichten zufolge die Schließung seiner Brieftochter Pin vor. Verlagschef Mathias Döpfner habe sich in den vergangenen Tagen im Aufsichtsrat die Rückendeckung geholt, um die Pin Group wenn nötig in die Insolvenz schicken zu können, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab. Bei der Aufsichtsratssitzung am Montag solle darüber gesprochen werden, ob Springer noch einmal Geld nachschieße, um die Pin Group zu retten. Angeblich fehlten zehn Millionen Euro. Pin den Geldhahn zuzudrehen, wäre die kostengünstigste Art, das Geschäft zu beenden, heiße es in Springer-Kreisen.

Eine Verlagssprecherin verwies auf ein Interview Döpfners, wonach derzeit alle Optionen für die Pin Group geprüft werden. "Als Mehrheitseigentümer der PIN Group müssen wir uns mit allen Optionen ernsthaft auseinandersetzen, eine Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen worden", sagte sie.

Eilantrag gegen Mindestlohn-Gesetzt

Auch das Magazin "Focus berichtete, Döpfner neige zu einer Schließung von Pin. Damit verlören rund 9000 Mitarbeiter ihre Stelle. Pin-Vorstandschef Günter Thiel kündigte in dem Magazin einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht an, sollte der Bundestag den Mindestlohn am Donnerstag beschließen. Pin hat wegen der geplanten Lohnuntergrenze von 9,80 Euro pro Stunde für Briefträger bereits die Entlassung von fast 900 Beschäftigten angekündigt.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück griff die Konkurrenten der Deutschen Post scharf an. "Es ist eine Unverschämtheit, jetzt die Politik damit zu erpressen, man würde Leute rausschmeißen", sagte der SPD-Politiker "Focus". Das Geschäftsmodell einiger dieser Firmen verletze die guten Sitten. "Sie setzen darauf, Menschen so niedrige Löhne zu zahlen, dass der Staat und damit die Steuerzahler zuzahlen müssen, damit wenigstens ihr Existenzminimum gesichert wird", kritisierte er. Das sei eine systematische Ausbeutung des Steuerzahlers.

Minderheitseigner wollen kein Geld mehr geben

Der "Spiegel" berichtete, auch die Pin-Minderheitseigner, vor allem die Verlage WAZ und Holtzbrinck, seien nicht bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen. Sie hielten die Pin Group für sanierungsfähig, sähen die Verantwortung für die Finanzierung aber beim Mehrheitseigentümer Springer. Der Verlag wolle offenbar die Abstimmung über den Mindestlohn im Bundesrat am 20. Dezember abwarten, glaube aber selbst nicht mehr an einen Stopp der Pläne. Die Chancen seien minimal, einen Käufer für Pin zu finden, obwohl sich die Investmentbank JP Morgan darum bemühe. Bei Pin sei auch der Insolvenzexperte Horst Piepenburg zugange. Er solle prüfen, ob eine Fortführung der Firma möglich ist.

Springer hatte bereits im November für die Pin Group bis zu 55 Millionen Euro Verlust in diesem Jahr prognostiziert. Nach neun Monaten waren es bereits knapp 50 Millionen Euro. Damals hatte Döpfner den Mindestlohn als Risiko vor allem für kleine und neue Anbieter bezeichnet. Für die großen Post-Konkurrenten wie Pin biete er sogar Wettbewerbsvorteile gegenüber kleineren. Deshalb müsse Pin auch bei einer Einführung des Mindestlohns ab Januar in der Bilanz nichts abschreiben.

Reuters Reuters

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