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MODE: Sanierung der Wünsche AG geplatzt

Die Hamburger Firma mit ihren Modetöchtern Joop! und Cinque steht vor dem Aus. Ein neuer Rettungsanlauf scheitert wohl am mangelnden Vertrauen der Investoren.

Mit dem Insolvenzverwalter sucht Wünsche-Vorstandssprecher Gerhard Janetzky in den nächsten Tagen nach einer Lösung für die krisengeschüttelte Holding. Dabei gibt es laut Janetzky drei Möglichkeiten: Entweder es meldet sich ein neuer Investor, oder die MPC Holding lässt sich noch einmal zu einer Rettungsaktion bewegen, oder es kommt zu einer Zerschlagung der Wünsche Holding und ihrer vier Töchter, darunter auch zwei Textil-Handelsgesellschaften. Wünsche hatte am Freitagabend - zum zweiten Mal binnen drei Monaten - ein Insolvenzverfahren angemeldet.

Holding glaubt nicht an Rettung

Doch der alte Investor ist ausgestiegen. Die an der Sanierung der Wünsche AG beteiligten Parteien waren zu der Auffassung gelangt, dass eine Rettung der Wünsche AG nicht mehr möglich ist, heißt es in der von der MPC Holding am Montag verbreiteten Mitteilung. Die Dachgesellschaft umfasst die Sparten Schifffahrt, Schiffbau, Kapitalanlagen, Handel und Gebrauchsartikel und war insbesondere am Wünsche-Handelsbereich interessiert.

Zu viele Belastungen

Gleich mehrere Belastungen ließen die Investoren aufschrecken. Zum einen stießen die jüngst erlassenen Steueränderungsbescheide gegen die Joop! GmbH bei MPC und den am Sanierungspaket beteiligten Kernaktionären und Gläubigerbanken sauer auf. Einschließlich der für die Jahre 1990/91 jetzt erlassenen Bescheide rechnet die Modefirma mit einer steuerlichen Mehrbelastung von etwa 73 Millionen DM (37,3 Mio Euro) bis 2014. Hinzu kommt ein höher als erwartet ausfallender Jahresfehlbetrag bei Cinque für 2001 sowie eine gefährdete Restforderung gegen eine frühere Wünsche-Modefirma.

Niemenad wollte 'nachbuttern'

Diese Veränderungen waren zum Zeitpunkt des Abschlusses der Sanierungsvereinbarungen am 21. Januar weder bekannt noch vorhersehbar, begründet MPC den Rückzug und resümiert: »Neben den neuen wirtschaftlichen Risiken ist bei allen Beteiligten das für eine Sanierung erforderliche Vertrauen in die Gesellschaft nicht mehr vorhanden.« Schon für das Sanierungspaket mussten die Beteiligten erhebliche wirtschaftliche Zugeständnisse und Kompromisse machen und waren nun nicht mehr bereit, »weitere liquide Mittel zur Verfügung zu stellen«.

Bleibt Scherbenhaufen?

Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob es dem Optimismus versprühenden Wünsche-Chef Janetzky kurz vor Ablauf seiner Amtszeit an der Unternehmensspitze gelingt, noch einmal das Ruder herumreißen. Ansonsten wird von dem früheren Getreide- und Futtermittelkonzern, der einst zum Lifestyle-Konzern mutieren sollte, nur ein Scherbenhaufen übrig bleiben.

Almut Kipp

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