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Anstößige Plakate: Nackt-Reklame ade – Leipzig verbannt sexistische Werbung

Nackte Frauen räkeln sich für den Pizza-Absatz. Diese Art von Sexismus wollen viele Kommunen auf Plakaten nicht mehr hinnehmen. Leipzig will sexistische Reklame aus dem öffentlichen Raum verbannen.

Viele Frauen fühlen sich von derartigen Motiven herabgewürdigt.

Viele Frauen fühlen sich von derartigen Motiven herabgewürdigt.

Picture Alliance

In Leipzig soll es in Zukunft keine sexistische Werbung mehr geben. Der Stadtrat hat beschlossen, keine entwürdigenden und diskriminierenden Inhalte mehr zuzulassen. Allerdings sind die Möglichkeiten einer Kommune begrenzt: Sie kann nur Plakate auf öffentlichen also kommunalen Werbetafeln verbieten.

Begrenzte Möglichkeiten

Man kann daher kaum von einem Gesetz sprechen. Die Stadt kann allerdings die Spielregeln für ihre Vertragspartner strenger gestalten. Für andere Werbeflächen oder gar für Zeitschriftenwerbung gilt der Bann nicht. Der Leipziger Wirtschaftsrechtler Sandro Dittmann sagte dem MDR: "Der Stadtratsbeschluss wird Auswirkungen auf alle Werbeflächen haben, die genehmigungsbedürftig sind. Das sind im Regelfall alle Werbeflächen über einen Quadratmeter."

Katharina Kleinschmidt vom Gleichstellungsbeirat der Stadt sagte im gleichen Beitrag, dass der Stadt bei privaten Flächen wie Baustellen die Hände gebunden seien. "Dafür bräuchte es eine Bundesgesetzgebung, die ja momentan nicht weiter verfolgt wird."

Kommunen Vorreiter

Derzeit sind einzelne Kommunen die Vorreiter der Entwicklung. Sie reagieren damit auf ein breites Unbehagen über sexistische Werbung. Herabwürdigende Darstellung besonders von Frauen, wird heute weniger akzeptiert als in den 70er-Jahren. Die Darstellung einer halbnackten Frau mit dem Schriftzug "hot and spicy" als Reklame für eine Pizza ist heute nicht mehr zumutbar. Nacktheit und Produkt müssten in einem Zusammenhang stehen, fordern die Leipziger Richtlinien.

Furcht vor Zensur

Ein Unbehagen gibt es allerdings auch angesichts der Vision einer möglichen staatlichen Sexismus-Zensur-Behörde. Auch macht die Schwammigkeit des Begriffs "Sexismus" die Sache nicht einfacher. Wie kompliziert die Verhältnisse sind, zeigte einer der bekanntesten Fälle von Plakat-Verbot. In der Londoner U-Bahn wurde ein Plakat mit dem Titel "Are you beach body ready?" verboten. In Deutsch bedeutet der Slogan in etwa: "Ist dein Körper fit für den Strand?". Darauf war ein schlankes Modell im knallgelben Bikini abgebildet, geworben wurde für Abnehmhilfen. Bikini und Diät-Produkte standen im engen Zusammenhang. Die Pose des Models Renee Somerfield war zudem ausgesprochen selbstbewusst. Sie wurde jedenfalls nicht als unterwürfiges Sex-Objekt dargestellt. Ihr wurde Folgendes vorgeworfen: Der durchtrainierte Körper der Vegetarierin und Sportlerin würde normale Frauen unter Druck setzen und unrealistische Erwartungen wecken. Das sorgte für eine Kampagne, die ein Verbot der Reklame durchsetzte.

Schwierige Abgrenzung

Was in London für einen Aufruhr sorgte, wurde in New York gelassen hingenommen. Die Korrespondentin des "Guardian", Rose Hackmann, befragte damals Passantinnen, wie das Plakat auf sie wirken würde. Die 62-jährige Robin McConnell antwortete gelassen, dass sie vor 40 Jahren wohl auch so einen Bikini getragen hätte, heute würde ihre Schwiegertochter so herumlaufen.