NAHRUNGSMITTEL Nestlé kauft TK-Konzern Chef America


Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestle baut mit dem Kauf des amerikanischen Tiefkühlkost-Herstellers für 2,6 Milliarden Dollar seine US-Position weiter aus.

Das in Privatbesitz befindliche Unternehmen ist laut Nestle Amerikas fünftgrösster Produzent von Tiefkühlkost und zählt zu den profitabelsten Unternehmen der US-Nahrungsmittelindustrie. Da Nestle auch die Schulden von Chef America übernimmt, beläuft sich der Netto-Kaufpreis auf rund zwei Milliarden Dollar, hiess es weiter. Analysten bezeichneten den Kauf als eher teuer aber strategisch sinnvoll.

Führender US-TK-Produzent

Chef America erwartet Nestle zufolge 2002 ein Umsatzwachstum von 15 Prozent auf 720 Millionen Dollar. Damit übertrifft der Tiefkühlkost-Hersteller laut Analysten das auf rund sechs Prozent geschätzte Martkwachstum. Die operative Marge (EBITDA) von Chef America dürfte Experten zufolge bei 25 Prozent liegen verglichen mit 15 Prozent bei Nestle. Chef America verkauft in der Hand gehaltene Tiefkühlprodukte wie Sandwichs, Croissants und Mini-Pizzas. Zu den bekanntesten Marken zählen Hot Pocket, Lean Pocket und Croissant Pockets.

Perfekte Ergänzung

Der Übernahmepreis liegt beim 3,6-fachen des Umsatzes und wird in bar entrichtet. »Das ist eher teuer aber strategisch sinnvoll,« sagte Steven Frey, Analyst bei der Bank Leu. »Aber Nestle war schon immer bereit für die Abrundung eines Geschäfts eine Prämie zu zahlen,« so Frey. Nestle war bisher nicht im Bereich Snacks aktiv, erklärte Nestle-Sprecher Francois Perroud. »Wir sind mehr im Bereich vorbereitete Mahlzeiten tätig. Das (Snack-Geschäft) ist eine perfekte Ergänzung,« so Perroud.

Bestnote für die Übernahme

Die zwei Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P) und Moody's erteilten den Verbindlichkeiten von Nestle auch nach der Ankündigung der Übernahme Bestnoten. S&P bestätigte die Langfristeinstufung mit »AAA«. Moody?s bekräftigte das Langfristrating mit »Aaa«.

Ratingagenturen uneins

Uneinigkeit besteht über die Zukunftsaussichten. Während S&P von einem negativen Ausblick sprach, bezeichnete Moody?s den Ausblick als stabil. Nestle ist dank des starken Markenportfolios und der geographischen Diversifizierung in der Lage ausreichend Cash Flow zu generieren, so Moody?s weiter. S&P hingegen bezeichnete das finanzielle Profil von Nestle als schwach unter dem geltenden Rating. Der Spielraum für weitere schuldenfinanzierte Übernahmen sei eingeschänkt.

Auch Hershey auf dem Speisezettel?

In den Medien wurde Nestle immer wieder Interesse an dem amerikanischen Schokoladehersteller Hershey nachgesagt, der zum Verkauf steht. Experten zufolge könnte das Geschäft bis zu zwölf Milliarden Dollar wert sein. Nestle bestätigte in der vergangenen Woche, auf jeden Fall die von Hershey in Lizenz hergestellte Marke Kit Kat zurückgewinnen zu wollen. Neben Nestle werden Kraft und Cadbury Schweppes als Interessenten für Hershey genannt.

Kein Ende der Einkaufstour

In den USA hat Nestle zuletzt mit dem Zusammenlegen des Eiscremegeschäfts von Nestle und Dreyer?s von sich Reden gemacht. Die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Dreyer?s soll bis Ende des Jahres über die Bühne gehen. Das gesamte US-Geschäft steuerte 2001 rund ein Viertel zum Nestle-Jahresumsatz von 84,7 Milliarden sfr bei. Die Genehmigung der Chef America-Transaktion durch die Wettbewerbsbehörden erwartet Nestle innerhalb von 60 Tagen.


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