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Kampf der Giganten: Warum Edeka 160 Nestlé-Produkte boykottiert

Die Supermarktkette Edeka verbannt offenbar Nestlé-Marken wie Nescafé, Thomy und Maggi aus dem Sortiment. Hintergrund ist ein knallharter Streit ums Geld.

Nestlé-Produkte

Nestlé ist der größte Lebensmittelkonzern der Welt

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Wer in dieser Woche bei Edeka einkaufen geht, könnte viele bekannte Marken vergeblich suchen. Laut einem Bericht der Lebensmittelzeitung hat Edeka rund 160 Produkte des weltgrößten Lebensmittelhändlers Nestlé ausgelistet. Betroffen sind unter anderem Nescafé, Bübchen, Wagner-Pizza, Vittel-Mineralwasser, Thomy-Mayonnaise und Maggi. Die Produkte werden seit Tagen nicht mehr nachbestellt, die Reste in den Regalen nur noch abverkauft.

Während Fans der Produkte sich ärgern dürften, freuen sich Nestlé-Kritiker, die den Konzern wegen der Ausbeutung von Arbeitern oder Wasserreserven für das Böse schlechthin halten. Allerdings stecken hinter dem Edeka-Boykott keinerlei ideologischen Erwägungen, sondern ein schnöder Kampf ums Geld.

Nestlé gegen Agecore

Das internationale Händlerbündnis Agecore, zu dem neben Edeka auch Intermarché, Coop Schweiz und andere gehören, möchte bessere Konditionen beim Einkauf von Nestlé-Produkten erzwingen. Andere Händlerbündnisse bekommen nach Auffassung von Agecore-Chef Gianluigi Ferrari bessere Preise. Er muss es wissen, denn bis 2015 leitete Ferrari das Konkurrenzbündnis Coopernic, zu dem etwa Rewe gehört.

Edeka und Nestlé erklärten auf stern-Anfrage, keinen Kommentar zu dem Streit abgeben zu wollen. Aber Coop Schweiz bestätigte der Schweizer "Handelszeitung", dass es einen Bestellstopp für für mehr als 150 Produkte gebe. Einige Nestlé-Produkte, die noch in den Regalen stehen, werden zu Billig-Preisen verramscht: "Aktuell verkaufen wir beispielsweise Thomy-Salatsaucen mit einem Rabatt von 50 Prozent ab. Wir haben aber gute und preislich attraktive Alternativen.", erklärte Coop Schweiz laut Lebensmittelzeitung. Auch die rund 4000 selbstständigen Edeka-Händler sollen ein Schreiben ihrer Großhändler bekommen haben, in dem erklärt wird, welche Produkte sie mit welchen Alternativen ersetzen können.

Es ist nicht das erste Kräftemessen dieser Art zwischen zwei Riesen der Lebensmittelbranche. So nahm beispielsweise Lidl 2014 zeitweise Coca-Cola aus dem Sortiment, bei Real fehlten 2015 vorübergehend Produkte von Dr. Oetker, Müller Milch und ebenfalls Nestlé. 

Die leeren Regale in einer Hamburger Filiale von Edeka
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