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Schwache Entwicklung: Läuft nicht bei Nestlé - Konzern muss Wassergeschäft umbauen

Das Wassergeschäft bei Nestlé wird umgebaut. Der bisherige Chef von Nestlé Waters muss gehen, die Sparte soll näher an die Konzernzentrale gebunden werden. Wirtschaftlich ist die Sparte wichtig für Nestlé - und sorgt regelmäßig für Zorn bei Verbrauchern.

Nestlé Waters wird umgebaut

Nestlé Waters wird umgebaut. Zu den Marken des Konzern gehören Vittel, S.Pelligrino und Perrier.

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Nestlé baut den eigenen Konzern um - und macht nun auch vor dem wichtigen Wassergeschäft nicht Halt. Wie das Unternehmen im Zuge seiner Quartalszahlen-Präsentation am Donnerstag in Vevey mitteilte, soll der Chef der Wassersparte, Maurizio Patarnello, die Konzernleitung Ende 2019 verlassen. Der Italiener hatte Nestlé Waters erst 2017 übernommen.

Wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet, wird Nestlé das Wassergeschäft enger an die Konzernzentrale binden. Künftig übernimmt  Patrice Bula, zuständig für Strategie und Marketing, nun auch Nestlé Waters. Im kommenden Jahr soll eine neue strategische Geschäftseinheit direkt an Bulba berichten. Konkret geht es um eine globale Ausrichtung. Bislang lief das Geschäft mit dem Wasser eigenständig, nun wird es an die drei geografischen Zonen der Nestlé-Group angedockt.

Rund neun Prozent vom Gesamtumsatz macht das Wassergeschäft aus - damit nimmt die Sparte eine wichtige Rolle im Konzerngefüge ein. Doch das erste halbe Jahr lief es eher dürftig, so die "LZ". Das Wachstum im dritten Quartal war schwach. Nestlé erhofft sich vom Umbau, schneller auf die Nachfrage von Verbrauchern reagieren zu können.

Nestlé Waters ist der weltweit größte Wasserabfüller. Entstanden durch die Übernahme des französischen Herstellers Source Perrier 1992 bietet die Konzernsparte heute fast 50 verschiedene Wassermarken, darunter namhafte wie S.Pellegrino, Vittel oder Perrier. Allerdings steht das lohnende Geschäft seit Jahren in der Kritik von Umwelt- und Verbraucherschützern. Sie werfen dem Konzern vor, das Wasser - gerade in wasserarmen Regionen der Welt - der Bevölkerung abzugraben und es im Anschluss teuer zu verkaufen. So zahlte Nestlé in Michigan, USA, 200 Dollar für 500.000 Tonnen vom besten Quellwasser und verkaufte es für 100 Millionen Dollar in den Geschäften. In Pakistan gab es Ärger nach der Inbetriebnahme einer Wasserabfüllanlage - denn die umliegenden Bauern hatten plötzlich trockene Brunnen. Im Jahr 2018 sorgte in dem französischen Dorf Vittel, aus dem das gleichnamige Wasser stammt, der ständig sinkende Wasserspiegel für Aufsehen. 

Kritik an Nestlé Waters

Die Kritik ist bei Nestlé ein altbekanntes Thema. Spätestens als der Videoausschnitt des ehemaligen Konzern-Chefs Peter Brabeck-Letmathe, in dem er Wasser nicht als Menschenrecht bezeichnet, im Internet verbreitet wurde, kommen die Anschuldigungen in regelmäßigen Wellen wieder. "Wir bei Nestlé sind der festen Überzeugung, dass der Zugang zu Wasser ein grundlegendes Menschenrecht ist. Jeder Mensch, überall auf der Welt, hat das Recht auf sauberes, sicheres Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen", so der Nestlé-Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke. Als Grundlage diene die Berechnungsgröße von 50 bis 100 Liter Wasser, die jeder Mensch täglich benötige und die so auch in den Leitlinien der WHO festgehalten wurde. 

kg
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