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Notenbank Fed: USA senken Leitzins auf Rekordtief

Dramatische Zinsentwicklung: Angesichts der Folgen der Finanzkrise für die amerikanische Wirtschaft hat die US-Notenbank Fed den Leitzins noch stärker gesenkt als erwartet. Er liegt künftig zwischen 0,25 und 0 Prozent und damit so niedrig wie nie zuvor. Die Börsen reagierten mit einem Kurssprung.

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen angesichts der düsteren Konjunkturaussichten auf einen historischen Tiefstand gesenkt. Die Zinsspanne liege nunmehr bei Null bis 0,25 Prozent nach zuvor 1,0 Prozent, teilte die Federal Reserve (Fed) am Dienstag mit. Die Aussichten der US-Wirtschaft und die Lage auf dem Arbeitsmarkt hätten sich weiter verschlechtert, der private Konsum, Investitionen und die Industrieproduktion seien anhaltend rückläufig, begründete die Notenbank ihren beispiellosen Zinsschritt. Deshalb gelte es für die Fed, alle geldpolitischen Instrumente "für die Wiederherstellung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums und die Wahrung der Preisstabilität zu nutzen".

Die Zinssenkung fiel noch stärker aus, als Experten erwartet hatten. Die meisten Fachleute hatten mit einer Senkung um einen halben Prozentpunkt gerechnet. Der Leitzins befindet sich jetzt auf dem niedrigsten Zinsniveau seit 1971, als erstmals der Zielsatz für Tagesgeld ("Fed Funds Rate") festgelegt worden war. Seit August 2007 senkte die Fed ihren Leitzins von 5,25 auf bisher 1,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Zins am 4. Dezember auf 2,5 Prozent festgelegt.

Kurssprung an der Wall Street

Die Aktienmärkte in New York reagierten mit deutlichen Kursaufschlägen auf die Zinsentscheidung. Der Leitindex Dow-Jones baute seine Gewinne um 4,20 Prozent aus und schloss mit 8924,14 Punkten. Auch die Börsen in Asien reagierten positiv, im Vergleich zur Wall Street fielen die Kursgewinne allerdings gering aus. In Tokio gewann der japanische Nikkei-Index 0,5 Prozent auf 8612 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 1,2 Prozent im Plus bei 838 Zählern. Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong, Taiwan, Singapur und der chinesische Leitindex notierten fester.

Die amerikanische Wirtschaft befindet sich in der Rezession. Seit Dezember vergangenen Jahres sind etwa zwei Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Arbeitslosenquote beträgt 6,7 Prozent, das ist die höchste Quote seit den 30er Jahren in den USA. Die Fed kündigte wegen der Krise weitere geldpolitische Maßnahmen wie den Kauf von Staatsanleihen mit langer Laufzeit an.

Wirtschaftsexperten rechnen in den USA mit einer weiter negativen Konjunkturentwicklung. Der designierte US-Präsident Barack Obama versicherte am Dienstag erneut, mit einem umfangreichen Investitionsprogramm des Staates die Konjunktur wieder ankurbeln zu wollen. Im Kampf gegen die Rezession "gehen uns allmählich die Mittel aus", sagte er in Chicago mit Blick auf die Fed-Entscheidung und die ohnehin schon extrem niedrigen Zinsen. "Wir gehen derzeit durch die härteste Zeit seit der großen Depression", betonte der Demokrat, der am 20. Januar das Präsidentenamt übernimmt. Die US-Demokraten im Kongress beraten bereits über Investitionsprogramme in Höhe von insgesamt 600 Milliarden Dollar (430 Milliarden Euro).

Wegen der Wirtschaftskrise sind die Verbraucherpreise in den USA rasant gefallen. Wie das US-Arbeitsministerium in Washington mitteilte, sanken die Preise auf Monatssicht um 1,7 Prozent. Dies ist der stärkste monatliche Preisrückgang seit Beginn der Erhebung im Jahr 1947. Die Jahresinflation wurde erneut kräftig gedrosselt: Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise im November den Angaben zufolge nur noch um 1,1 Prozent, nach einem Plus von 3,7 Prozent im Vormonat. Dies sei der geringste Anstieg seit Mitte 2002, teilte das Ministerium mit.

Der Inflationsdruck sei stark zurückgegangen, erklärte die Notenbank. Der Rückgang der Preise für Energie und andere Rohstoffe und die insgesamt schwächeren Aussichten für die Wirtschaft sprächen für einen weiteren Rückgang der Inflation in den kommenden Quartalen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters