Ölfeld-Schließung Hätte BP rechtzeitig geputzt...

Wegen eines Lecks in einer Pipeline stoppt der Ölkonzern BP die Förderung am größten Ölfeld der USA auf unbestimmte Zeit. Zuvor musste das Unternehmen einräumen, die Pipeline in den letzten 14 Jahren nicht gereinigt zu haben.

Die Schäden an den Pipelines des größten US-amerikanischen Ölfeldes "Prudhoe Bay" im Norden Alaskas sind nach Angaben der Betreibergesellschaft gravierender als zunächst gemeldet. Die entdeckten Korrosionsschäden seien so weit fortgeschritten, dass die Ölpipeline, die vom Ölfeld wegführt, auf 16 Meilen erneuert werden muss, teilte der britische Ölkonzern BP am Dienstag mit. Das Ölfeld "Prudhoe Bay" wird von der Tochtergesellschaft, der BP Exploration Alaska Inc, betrieben.

Einem Unternehmenssprecher zufolge wird deshalb die Anlage von Prudhoe Bay außer Betrieb genommen, bis sicher gestellt ist, dass von ihr keine Gefahr für die Umwelt ausgeht. Mit der Außerbetriebnahme wurde schon am Sonntag begonnen, mit einem endgültigen Förderstopp an dem Ölfeld rechnet BP nach eigenen Angaben in spätestens fünf Tagen.

Nach Einschätzung der Energieinformationsbehörde (EIA) wird das Ölfeld ab Februar 2007 wieder mit voller Kapazität fördern. US-Energieminister Sam Bodman sagte nach einem Treffen mit BP-Managern, eine vollständige Schließung des Ölfeldes in Alaska sei womöglich gar nicht erforderlich. Bodman zufolge erwägt BP, Teile des Ölfelds während der Reparatur in Betrieb zu lassen. Eine diesbezügliche Entscheidung soll demnächst fallen. Von US-Raffinerien gab es dem Minister zufolge noch keine Anfrage, die Notvorräte anzugehen.

Nach neuesten Schätzungen kann die Schließung des Ölfeldes wegen der Reparaturarbeiten Monate dauern. Ein Manager von BP Alaska musste außerdem bestätigen, dass abgesehen von einer Grundreinigung im letzten Quartal, die betroffene Ölpipeline seit 1992 nicht mehr gereinigt worden war. Diese "Lücke" in der Reinigungsroutine soll geschlossen werden. Die jüngsten Schäden sind im Zuge einer Untersuchung zu Tage getreten, die von der US-Regierung nach einem massiven Öl-Verlust im März angeordnet wurde.

Etwa 800 Liter Öl sind ausgetreten

"Wir bedauern, dass wir diesen Schritt unternehmen müssen, und wir entschuldigen uns bei der Nation und dem Bundesstaat Alaska für die nachteiligen Folgen", erklärte BP-Amerika-Chef Bob Malone. BP habe die Pipeline am Sonntagmorgen außer Betrieb genommen und einen stufenweisen Produktionsstopp eingeleitet. Grund sei eine "unerwartet schwere Korrosion" an einer Pipeline gewesen. Durch das Leck sind nach BP-Angaben bisher schätzungsweise 800 Liter Öl ausgetreten. Die US-Behörde für die Sicherheit von Pipelines und Gefahrengütern schickte Ermittler für eine Untersuchung nach Alaska.

Die Schließung des Ölfeldes heizte die sowieso dauerhaft angespannte Lage auf den Weltölmärkten weiter an. Zeitweise verteuerte sich ein Barrel (rund 159 Liter) der marktführenden Nordseesorte Brent bis auf 78,64 Dollar. Die in Alaska geförderte Ölsorte West Texas Intermediate steig seit Handelsschluss am Freitag um 1,13 Dollar pro Barrel.

"Kein Grund zur Panikmache"

Der stellvertretende BP Chefvolkswirt Dr. Christof Rühl sieht allerdings keinen Grund für den Preisanstieg: "Die US-Rohöllager sind im Mehrjahresvergleich übervoll, und wir haben derzeit beim Öl eine Reservekapazität von fast zwei Millionen Barrel pro Tag. Es besteht kein Grund zur Panikmache". Der Preis für Benzin und Diesel in Rotterdam habe sich ebenfalls nicht verändert.

BP musste die Produktion in der nun betroffenen Anlage wiederholt wegen einer Serie von Unfällen und Lecks drosseln. Es ist jedoch das erste Mal, dass das Unternehmen die Förderung vollständig anhält. Von der Anlage kommen etwa 400.000 Barrel täglich und damit acht Prozent des Öls für den US-Markt. Das sind aber nur ein halbes Prozent der weltweiten Ölproduktion. Neben dem Ölkonzern BP (als Betreiber) mit rund 26 Prozent sind an Prudhoe Bay noch die beiden US-Ölkonzerne ConocoPhillips (rund 36 Prozent) und Exxon Mobil (rund 36 Prozent) beteiligt.

US-Behörden ermitteln nach März-Leck

Bereits im Frühjahr waren nach einem Bruch einer BP-Pipeline etwa 760.000 Liter Öl in die Natur Alaskas gelangt und hatten Kratzer am Image des britischen Unternehmens hinterlassen. Das damalige Leck war das größte in der Geschichte der nördlichen Ölförderregion in Alaska. Wegen des Pipeline-Bruchs im März haben die US-Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen BP eingeleitet.

BP will in der nächsten Zeit über 50 Millionen US-Dollar in die Verbesserung seines Anti-Korrosions-Systems, zur Reparatur der Pipeline und der Beseitigung von Umweltschäden investieren.

Karin Spitra mit Agenturen

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