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Onlinewerbung: Netzprospekt KaufDa macht Verlagen Angst

Regionalzeitungen fürchten um ihre besten Kunden. Aldi, Schlecker und Co. proben allerorten den Verzicht auf großformatige Anzeigen. Nun knabbert auch noch ein deutsches Internet-Startup an dem Milliardengeschäft der Verleger.

Von Andrea Rungg

Noch ist die Reichweite überschaubar. Fünf Millionen Nutzer erreicht Kaufda über die Website, Tendenz steigend. Das Internetunternehmen hat ein Angebot, das Regionalverlagen das Fürchten lehrt. Es bietet digitalisierte Prospekte von Deutschlands größten Handelsketten. Nutzer, die Kaufda.de ansteuern, bekommen direkt auf der Startseite alle Angebote aus ihrer Heimatstadt angezeigt. Ob Aldi, Lidl oder Media-Saturn - Kaufda präsentiert die Reklame der wichtigsten Anzeigenkunden der Regionalverlage im Netz. Für jeden Klick auf einen Prospekt erhält das Startup 30 Cent. An manchen Tagen passiert das mehrere hunderttausendmal. Steigt die Reichweite von Kaufda, drohen den Medienhäusern Einschnitte.

Aldi Süd prüft den Ausstieg aus der Printwerbung

Bereits jetzt spüren Regionalverlage, wie millionenschwere Werbeetats umgeschichtet werden. Derzeit prüft Aldi Süd den Ausstieg aus der Printwerbung. In Baden-Württemberg setzt der Discounter auf Wurfsendungen in Haushalten, teilweise in Kombination mit kostenlosen Anzeigenblättern. Dafür fuhr Aldi Süd die Anzeigen in 13 Regionalzeitungen zurück. Auch die Drogeriekette Schlecker reduziert Printwerbung. Schlecker schaltet in Zeitungen nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch alle 14 Tage.

"Wir sind keine Konkurrenz für Print, sondern eine Ergänzung", sagt Kaufda-Mitgründer Christian Gaiser. Der 24-Jährige hat sein Unternehmen 2008 zusammen mit zwei Freunden in Berlin gegründet und beschäftigt mittlerweile knapp 50 Mitarbeiter. Geiser sucht die Kooperation mit den Medienhäusern. So bietet Kaufda Regionalverlagen an, die digitalisierten Prospekte in die eigene Website einzubinden. Klickt ein Leser auf die Anzeige, erhält der Verlag 50 Prozent des Umsatzes, den Kaufda mit seinen Kunden erlöst.

Printlobby spielt die Gefahr herunter

Die WAZ Mediengruppe, die die größte deutsche Regionalzeitung verlegt, hat sich bereits für eine Partnerschaft entschieden. Allerdings betont das Unternehmen, dass man Kunden mehrheitlich über Zeitungen erreiche. "Kaufda ist ein ergänzender Service auf Derwesten.de. Die Werbekooperation dient dazu, andere und zusätzliche Zielgruppen zu erreichen", sagt ein Sprecher. Auch die Zeitungslobby spielt die Gefahr herunter: "Sie erreichen eine bestimmte Gruppe von Leuten, aber es ist noch keine Bedrohung für deutsche Regionalverlage", sagte ein Sprecher der Zeitungs Marketing Gesellschaft.

Wie eine Beruhigungspille dürfte auch die Werbestrategie des nach Aldi und Lidl drittgrößten Werbetreibenden wirken. "Wir setzen in jedem Fall auf Zeitungen. Kaufda ist für uns im Moment nur eine Ergänzung", heißt es bei Media-Saturn. Die größte Elektronikkette Europas platziert neben den klassischen Zeitungsanzeigen zusätzlich noch Beilagen in Regionalzeitung. Es sei durchaus Usus, dass die Märkte in verschiedenen Städten unterschiedliche Angebote schalten würden. Das liege an der dezentralen Struktur der Handelskette, heißt es.

App lotst User direkt ins Geschäft

Allerdings bietet Kaufda auch hier ein Hilfsmittel, das die Druckkosten erheblich senken könnte - immerhin verteilt manch ein Handelskonzern eine Milliarde Prospekte im Jahr. Das Internet-Startup sortiert die Prospekte ortsbezogen. Zusätzlich lotst Kaufda Besitzer der mobilen Geräte iPhone oder iPad direkt in die Geschäfte in unmittelbarer Umgebung. Bereits 200.000-mal haben Nutzer das entsprechende Programm aus Apples App Store geladen. Nach Angaben von Gaiser rufen zwei Drittel der Nutzer die Applikation regelmäßig auf.

"Verbraucher informieren sich verstärkt aktiv selbst im Netz, und wir beschleunigen den Prozess", glaubt Gaiser. Eine Befragung des IT-Branchenverbands Bitkom gibt dem jungen Unternehmer recht. 55 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren informieren sich vor dem Kauf von Produkten im Netz. Da liegt es nahe, dass aus dem ergänzenden Service von Kaufda bald ein Ersatz werden könnte.