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Peek-&-Cloppenburg-Werbung: "Jedem das Seine" – ein Shitstorm, der nicht so recht stattfinden will

Normalerweise sind sich alle einig, wenn jemandem ein Fehler passiert: In den sozialen Medien wird schön draufgehauen. Der Satz "Jedem das Seine" in einem Modeprospekt hätte dafür einen Anlass geboten. Doch offenbar wird er noch von zu vielen Menschen verwendet.

Die Filiale des Kaufhauses Peek & Cloppenburg in Hamburg

Zu gängig, um für einen echten Shitstorm zu sorgen: die Überschrift "Jedem das Seine" in einem Modekatalog von Peek & Cloppenburg

Getty Images

Am Pfingstwochenende hat die Kaufhauskette Peek & Cloppenburg einen Katalog mit Sommermode herausgebracht. Auf einer Doppelseite werden darin verschiedene weiße Hemden beworben, mit Krawatten, Fliege und offenem Kragen. "Jedem das Seine" lautet die Überschrift. Gemeint ist: Soll doch jeder sein Hemd so tragen, wie er will. Der Satz geht ursprünglich auf den griechischen Philosophen Platon zurück, der ihn zum Thema Gerechtigkeit geprägt hat. "Jeder soll tun, was er kann", hieß das damals, Lateinschüler kennen es als "Suum cuique".

Und dann waren da noch die Nazis. Die haben sich ja gerne in alten Kulturen bedient und so manchem eine neue Bedeutung verliehen. So auch "Jedem das Seine", die drei Worte prangen noch immer von innen lesbar über dem Tor des KZs in Buchenwald. Dort sollten sie wohl für "Jeder bekommt das, was er verdient" stehen. Eine zynische Verspottung der Insassen.

Der geschichtliche Hintergrund ist vielen unbekannt

Manche von den Nationalsozialisten verwendeten Sätze und Symbole sind so stark mit dem Dritten Reich verbunden, dass sie wohl nie wieder unbefangen verwendet werden. Zu eindeutig sind "Arbeit macht frei" oder das Hakenkreuz mit der rechten Ideologie und ihren Gräueltaten verknüpft. Die wenigsten Europäer sehen ein Hakenkreuz und denken dabei eine Swastika, ursprünglich ein religiöses Glückssymbol.

Anders scheint es vielen Menschen mit "Jedem das Seine" zu gehen. Bei Twitter bekennen sich viele User dazu, den Spruch nie mit den Nazis in Zusammenhang gebracht zu haben und ihn sogar immer noch ab und an zu verwenden. Wer kein Historiker ist und vielleicht im Geschichtsunterricht mal nicht aufgepasst hat, kennt die Redewendung offenbar nur aus anderem Kontext.

Peek & Cloppenburg hat sich mittlerweile entschuldigt, aus dem Online-Katalog wurde die Doppelseite gelöscht. Es ist nicht das erste Mal, dass "Jedem das Seine" in der Werbung verwendet wurde: Vor rund 15 Jahren bewarb auch der Handyhersteller Nokia die Vielfalt seiner Mobiltelefone mit dem Satz.

Sucht man bei Twitter "Jedem das Seine", bestätigt sich der Eindruck, dass der Satz von vielen Usern ganz selbstverständlich verwendet wird. Vielleicht kann dieser Fast-Shitstorm nun dazu beitragen, dass sich das ändert. Auch bei Nicht-Historikern und Werbetextern.

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bal
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