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"Food for Future" Plötzlich nachhaltig? Penny startet vegane Discounter-Eigenmarke

Penny vegan
Penny startet eine Eigenmarke mit veganen Ersatzprodukten
© Penny
Auch die Discounter bewegen sich beim Thema Nachhaltigkeit. Nachdem die Branche zuletzt im Bio-Segment kräftig aufgerüstet hat, startet Penny nun eine Eigenmarke für vegane Ersatzprodukte.

Hauptsache billig – damit kann man im Jahr 2020 selbst vielen treuen Discounter-Kunden nicht mehr kommen. Denn auch bei preisbewussten Verbrauchern spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle beim Einkauf. Daher haben etwa die Branchenriesen Aldi und Lidl neben konventionellen Lebensmitteln auch ein großes Bio-Angebot ins Sortiment integriert. Das mag zwar nicht immer höchsten ökologischen Ansprüchen genügen, weil der Preis eben doch auch eine Rolle spielt, aber immerhin: Das Angebot ist in der Fläche da, weil es nachgefragt wird.

Und mit Bio hört es nicht auf: Da zunehmend Menschen ihren Fleischkonsum aus Tierwohl- und aus Klimaschutzgründen überdenken, findet man selbst fleischfreie Ersatzprodukte und kuhfreie Milchalternativen mittlerweile zuverlässig in den Filialen der Billigheimer.

Rewe-Discounter Penny geht hierbei nun noch einen Schritt weiter: Die Lebensmittelkette startet eine Eigenmarke für vegane Ersatzprodukte – die erste "warengruppen-übergreifende vegane Eigenmarke" eines Discounters, wie Penny stolz erklärt. "Mit unserer neuen Marke 'Food for Future' greifen wir den Trend zu veganen Ersatzprodukten auf - ganz gleich, ob als Milchalternative, Ei-, Fleisch- oder Fisch-Ersatz", sagt Penny-Marketingchef Marcus Haus.

Penny entdeckt sein grünes Gewissen

Zum Start sollen veganes Hack und vegane Burger Patties auf Basis von Erbsenproteinen in den Kühlregalen der rund 2200 deutschen Penny-Märkte liegen. Im Oktober folgen "Pea Burger" und "Rice Nuggets". Dazu soll es wechselnde Aktionsprodukte wie vegane Pizzen oder Schokolade geben. Mit Sprüchen wie "Sei kein Weichei, mach's eifrei" für Pfannkuchenteig aus Maisstärke oder "No Muuuh" auf einem Erbsendrink wirbt der Discounter auf den Verpackungen um Aufmerksamkeit. Wie gesund und nachhaltig produziert die Produkte konkret sind, müsste aber wohl erst eine unabhängige Untersuchung zeigen.

Klar ist: Penny will sich ein grüneres Image geben. Das wurde erst Anfang September bei der Eröffnung eines "Nachhaltigkeitsmarktes" in Berlin deutlich. Für diesen ließ der Discounter von Wissenschaftlern der Uni Augsburg die "wahren Kosten" von 16 Eigenmarken-Produkten berechnen. Wie hoch der Preis der Produkte eigentlich sein müsste, wenn Folgekosten durch Umweltschäden eingerechnet werden, ist in diesem Markt nun neben dem regulären Billigpreis selbstkritisch ausgezeichnet.

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Vegane Produkte für die Masse?

Nun positioniert sich Penny also auch mit einer eigenen Vegan-Marke. Ob die auch in nennenswertem Maß gekauft wird, bleibt abzuwarten. Wie groß der Zuspruch für vegane Produkte bei Penny-Kunden bislang tatsächlich ist, und welche Erwartungen an die neue Eigenmarke gerichtet sind, dazu wollte sich der Discounter auf Anfrage nicht äußern. Zu Umsatzzahlen mache man generell keine Angaben, sagte eine Sprecherin.

Dass Penny sich die Mühe macht, in dem Bereich eine Eigenmarke aufzubauen, deutet zumindest darauf hin, dass man in der Nische auch wachsendes Verkaufspotenzial sieht. Denn mit Eigenmarken zielen Discounter auch immer darauf ab, die Preise zu drücken, um bestimmte Produkte für eine größere Masse interessant zu machen.

Bei Bioware hat das bereits gut funktioniert. Die Discounter greifen im wachsenden Markt für Bio-Produkte mittlerweile ein großes Stück vom Umsatz für sich ab. Aldi gilt seit vergangenem Jahr gar deutschlandweit als Bio-Marktführer. Bei Aldi Süd machten Bio-Lebensmittel Ende Februar bereits 7,7 Prozent des Umsatzes mit Eigenmarken aus, bei Aldi Nord waren es immerhin 5,7 Prozent.


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