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Personalmangel bei der Bahn: Abends rauschen viele Züge an Mainz vorbei

Neue Posse bei der Bahn: Wer am Abend in Mainz aussteigen möchte, hat womöglich Pech. Viele Fernzüge sparen sich derzeit den Stop im ICE-Bahnhof. Grund: das Personal in einem Stellwerk wird knapp.

Ungewöhnlich viele Krankmeldungen in der Urlaubszeit sorgen bei der Bahn für ein Fahrplanchaos am Mainzer Hauptbahnhof - und für massiven Ärger bei Fahrgästen. Seit Freitag bis zum nächsten Wochenende fahren die Züge nach Angaben der Bahn abends nur eingeschränkt durch den Hauptbahnhof, weil ein Stellwerk nicht besetzt werden kann. Ein Bahn-Sprecher begründete dies am Montag mit einem "unvorhersehbaren hohen Krankenstand". Kurzfristig sei dies nicht auszugleichen. Betroffen sind laut Bahnangaben etwa 15 Fernzüge.

Der Fahrgastverband Pro Bahn wirft dem Unternehmen schlechte Personalplanung vor. "Das ist ein Armutszeugnis für einen so großen Konzern", sagte ein Sprecher des Fahrgastverbandes. Die Bahn habe jahrelang an falscher Stelle gespart und müsse mittelfristig mehr Personal einstellen. Die Bahn-Tochter DB Netz fahre dagegen Millionengewinne ein. "Und der Fahrgast ist der Dumme", sagte Karg. Es sei ein Unding, wenn ein Knotenbahnhof wie Mainz aus Personalgründen vom Verkehr abgekoppelt werden müsse. Bis zum Sonntag halten Fernzüge abends und nachts nicht im ICE-Bahnhof Mainz. In Rheinland-Pfalz hatte es bereits im Mai Engpässe in den Stellwerken und in der Folge Zugausfälle gegeben.

Bundesnetzagentur leitet Untersuchung ein

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hält die Begründung der Bahn für eine Ausrede. Tatsächlich sei die Personaldecke so knapp, dass Reisende sich wohl auf weitere Einschränkungen einstellen müssten. Mainz sei kein Einzelfall.

EVG-Chef Alexander Kirchner warf der Bahn vor, sie habe aus Kostengründen vor der absehbaren Entwicklung die Augen verschlossen. Es fehlten derzeit rund 1000 Fahrdienstleiter. In der Folge seien rund eine Million Überstunden bei den Beschäftigten aufgelaufen. So seien Ausfälle wegen Krankheit absehbar gewesen.

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigte, die Klagen über Personalmangel in den Stellwerken und Zugausfälle seien seit längerem bekannt. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, weil sich schon im vergangenen Jahr Bahn-Konkurrenten deswegen über Einschränkungen auf den Strecken beschwert hätten. Über Details werde aus einem laufenden Verfahren nicht berichtet, sagte der Sprecher weiter.

Überalterung der Belegschaft

Die Bahn hat ihr Problem mit Überalterung der Belegschaft mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren eingeräumt. Bei der Tochter DB Netz, bei der in den vergangenen Jahren der Personal besonders stark ausgedünnt und auf Neueinstellungen verzichtet wurde, macht sich die Überalterung noch deutlicher bemerkbar. In den nächsten zehn bis 15 Jahren scheiden hier laut Bahn-Unterlagen rund 18.000 Mitarbeiter altersbedingt aus. Das Unternehmen versucht daher, neue Fahrdienstleiter auch in Schnellkursen auszubilden, und greift dabei etwa auf Ex-Mitarbeiterinnen der früheren Drogeriekette Schlecker oder auf ehemalige Bundeswehr-Angehörige zurück.

Der Bahn-Sprecher wies die Warnung der Gewerkschaft EVG vor weiteren Zugausfällen zurück. Allein im vergangenen Jahr habe DB Netz insgesamt 1000 neue Mitarbeiter sowie 800 Nachwuchskräfte eingestellt. In diesem Jahr würden diese Zahlen noch übertroffen.

anb/Reuters/DPA / DPA / Reuters