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Pharma-Milliardär: Finanzkrise treibt Merckle in den Tod

Tragisches Ende eines Vorzeigeunternehmers: Pharma-Milliardär Adolf Merckle hat sich das Leben genommen, weil er in der Finanzkrise fast eine Milliarde verzockt hatte und so sein Imperium in Not gebracht hat. Der 74-Jährige warf sich in der Nähe seines Wohnorts im schwäbischen Blaubeuren vor einen Zug.

Montagabend 19.30 Uhr. Eigentlich ist er nur auf einem Routinegang. Es hatte wieder geschneit und die Gleise auf der Bahnstrecke bei Blaubeuren-Weiler mussten kontrolliert werden. Doch was der Bahnmitarbeiter dann etwa 200 Meter vom Dorf entfernt in der so friedlichen Winterlandschaft sieht, lässt ihm das Herz rasen. Da liegt ein Mensch auf den Schienen - das, was noch von ihm übrig ist. "Als die herbeigerufenen Beamten wenig später zur Unfallstelle kamen, bot sich ihnen ein Bild des Grauens", erzählt Josef Mang von der Polizeieinsatzzentrale in Ulm stern.de.

Familie: An Finanzkrise zerbrochen

Der Mann musste voll von einem Zug erwischt worden sein. Wer er ist und warum er hier auf den Gleisen liegt, ahnen die Beamten zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Allerdings ging bei uns schon etwa anderthalb Stunden später eine Vermisstenanzeige der Familie Merckle ein", berichtet Mang. Ihr Mann Adolf Merckle habe einen Abschiedsbrief hinterlassen, sagt Ruth Merckle der Polizei. Der schreckliche Verdacht wird bald zur Gewissheit. "Noch stehen die abschließenden DNA-Untersuchungen zwar aus. Doch wir sind inzwischen sicher, dass es sich bei dem Toten um Adolf Merckle handelt", so Mang gegenüber stern.de.

Inzwischen hat die Familie auch offiziell bestätigt, dass der in Finanznot geratene schwäbische Unternehmer und Milliardär, der unter anderem den Pharmakonzern Ratiopharm aufgebaut hat, sich das Leben genommen hat. Der 74-Jährige warf sich in der Nähe seines Wohnortes Blaubeuren-Weiler nahe Ulm vor einen Zug, er war auf der Stelle tot. Merckles Familie erklärte: "Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet." Die Angehörigen erklärten: "Adolf Merckle hat für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet." Merckle hinterlässt seine Frau Ruth und vier Kinder.

Vorzeigeunternehmer verspekuliert Milliarden

Der Selfmade-Milliardär, der vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" als der fünftreichste Deutsche eingestuft wurde, war in Bedrängnis geraten, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Außerdem verspekulierte er sich mit Volkswagen-Aktien, was ihm einen Verlust im niedrigen dreistelligen Millionenbetrag einbrachte. Die Banken verlangten daher mehr Sicherheiten für ihre Kredite. Über seine Holding VEM Vermögensverwaltung kontrollierte der Milliardär sein weit verzweigtes Firmenimperium. Ende Dezember hatte Merckle mit den Banken eine Stillhaltevereinbarung erzielt. In einem nächsten Schritt sollten dann die Verhandlungen über einen Überbrückungskredit zu Ende geführt werden.

Zu Merckles Firmenimperium gehörten Ratiopharm, HeidelbergCement, der Pharmagroßhändler Phoenix in Mannheim und der Spezialfahrzeughersteller Kässbohrer. Seine Holding VEM Vermögensverwaltung, über die er seine Beteiligungen kontrollierte, erklärte am Dienstag, der Selbstmord des Unternehmers habe "keine Auswirkungen auf den weiteren Sanierungsprozess".

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger zeigte sich vom Tod Merckles erschüttert und würdigte ihn als "große Unternehmerpersönlichkeit". Der Industrielle habe "ein mittelständisches Unternehmen von europäischer Bedeutung aufgebaut", erklärte der CDU-Politiker. Auch seine soziale und gesellschaftliche Verantwortung habe Merckle in besonderer Weise wahrgenommen.

mcp/joe/DPA/AP/AFP / AP / DPA