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Pleite-Unternehmen: Investoren zocken mit Zombie-Banken

Lehman Brothers, Indymac und Washington Mutual gibt es nicht mehr. Die drei Finanzinstitute brachen im Zuge der Kreditkrise zusammen. Trotzdem werden die Aktien weiter gehandelt - und verbuchen erstaunliche Kursgewinne.

Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers jährt sich bald zum ersten Mal. Doch das Institut, das schon längst aufgespalten ist und höchstens noch die Gerichte beschäftigt, feiert zumindest am Aktienmarkt Wiederaufstehung. Die Lehman-Aktie verteuerte sich vergangene Woche kurzzeitig auf 32 Cent, nachdem sie in den Monaten zuvor bei durchschnittlich fünf Cent gedümpelt hatte.

Die Handelsvolumina zogen Ende August deutlich an. 100 Millionen Anteilsscheine wechselten den Besitzer. Zuvor hatte es so gut wie keine Aktivität gegeben. Am Freitag schloss das Papier bei 14 Cent, das Handelsvolumen lag bei elf Millionen Anteilsscheinen.

Das Phänomen ist nicht auf Lehman Brothers beschränkt. Auch der kalifornische Hypothekenfinanzierer Indymac, der nach seinem Kollaps von der Einlagensicherung FDIC verwaltet wird, und die Bausparkasse Washington Mutual, die inzwischen zu JP Morgan gehört, werden von Börsianern momentan geschätzt. Seit Ende August kletterten die Aktienkurse in der Spitze um 186 Prozent im Fall von Indymac und 86 Prozent im Fall von Washington Mutual.

"Die Menschen sind verzweifelt"

Nachvollziehbar ist die Rally eigentlich nicht. Denn der Wert des Aktienkapitals bei einer Pleite ist theoretisch nahe null, da zuerst die anderen Gläubiger befriedigt werden. Im Fall von Lehman sicherten sich Nomura und Barclays Capital die lukrativen Sparten. Übrig blieb eine Holding, die auf problematischen Wertpapieren sitzt und noch abgewickelt werden muss.

Die drei Unternehmen sind nicht mehr an der Börse gelistet. Die Aktientransaktionen finden stattdessen als private, außerbörsliche Geschäfte statt. Bewegungen des Aktienkurses spiegeln in diesen Fällen häufig die Hoffnung auf Liquidationserlöse wider. "Die Menschen haben so viel Geld verloren und sind so verzweifelt, dass sie alles tun, um ihre Verluste wieder wettzumachen. Sie sind bereit, in alles zu investieren", sagte Brad Golding, Fondsmanager beim Hedge-Fonds CRC Financial Opportunity.

Ob die Strategie erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft. Im Fall von Lehman Brothers und Washington Mutual übersteigt das Fremdkapital laut Einschätzung von Händlern den Bargeldbestand. "Das ist eine Blase vergleichbar mit der bei Tulpenzwiebeln vor Hunderten von Jahren", sagte Golding. "Die Anleger denken, dass die Aktien noch etwas wert sind. Die Fakten sprechen aber dagegen." Die Tulpenmanie fand im 17. Jahrhundert in Holland statt und gilt als die erste große Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte.

Gefunden bei ftd.de

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