Post-Konkurrenz Management will Pin retten


Nach dem Bundestagsbeschluss zum Mindestlohn geht es Schlag auf Schlag: Das Pin-Management will dem Springer-Verlag Anteile abkaufen und selbst in das Unternehmen investieren. Mit einem eigenen Vertrag soll der Post-Mindestlohn umgangen werden.

Pin-Chef Günter Thiel und das Management der Firma sind zur Übernahme des angeschlagenen Postdienstleisters bereit. Die Unternehmensführung sei gewillt, die Springer-Anteile an der Pin Group zu übernehmen und einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das Unternehmen zu investieren, sagte Thiel in Luxemburg.

Das Pin-Management kündigte an, noch im Laufe des Tages Verhandlungen mit dem Mehrheitsgesellschafter Axel Springer aufzunehmen. Das Berliner Verlagshaus habe signalisiert, dass es unter diesen Bedingungen sein Engagement als Minderheitsgesellschafter möglicherweise fortführen werde, hieß es.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Konkurrenten der Deutschen Post einen eigenen Mindestlohn durchsetzen wollen. Beim Bundesarbeitsministerium sei eine Untergrenze von 7,50 Euro pro Stunde im Westen und 6,50 Euro pro Stunde im Osten beantragt worden, sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustelldienste.

Mindestlohn ist beschlossene Sache

Der Bundestag hatte zuvor die Einführung eines Mindestlohns zwischen acht und 9,80 Euro für Briefzusteller beschlossen, auf den sich der von der Post dominierte Arbeitgeberverband und Gewerkschaften geeinigt hatten. Er soll durch die Änderung des Entsendegesetzes für allgemeinverbindlich erklärt werden. Der Mindestlohn muss noch vom Bundesrat abgesegnet werden.

Der Arbeitgeberverband der Konkurrenz will erreichen, dass der mit der Gewerkschaft Neue Brief- und Zustelldienste vereinbarte Mindestlohn für alle Anbieter gilt, die sogenannte Mehrwertdienste anbieten. Die Konkurrenten definieren eine neue Branche. Mit zusätzlichen Diensten wie einer termingenauen Zustellung wollen sie sich von der Post abgrenzen und so vermeiden, dass sie so unter den vereinbarten Mindeslohn fallen. In dem Konkurrenzverband sind 35 alternative Anbieter organisiert sind, darunter die beiden größten, die Pin Group und TNT.

Thiel stellt Forderungen an Politik

Thiel erklärte unterdessen, eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Fortführung von Pin sei, dass die Politik nach Festsetzung des "Blockadelohns" nun für einigermaßen faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Briefmarkt sorge. Das heißt aus seiner Sicht: Beendigung der Mehrwertsteuerbefreiung der Deutschen Post und Beendigung ihrer Befreiung von der Unfallversicherungspflicht. "Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Wettbewerb fördern, statt ihn zu vernichten", sagte Thiel.

"Unter den neuen Gegebenheiten ist der Fortbestand der Pin Group unter sehr schwierigen Bedingungen möglich. Management und Gesellschafter sind nach wie vor von Geschäftsmodell und Erfolg des Unternehmens überzeugt", erklärte der Pin-Chef.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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