Postbank-Übernahme Bislang waren Bankdienste günstig ...


Bei der Postbank mit ihren mehr als 14 Millionen Kleinsparern steigt die Deutsche Bank im großen Stil ein. Ein guter Deal - für deren Chef Josef Ackermann. Für den Kunden könnte die Fusionswelle im deutschen Bankensektor teuer werden. Jetzt sind die Sparkassen gefragt.
Eine Analyse von Frank Donovitz

Ja, die Börsianer dieser Welt können jetzt trefflich darüber streiten, ob die herumgeisternden 2,5 Milliarden Euro für knapp ein Drittel der Postbank zu teuer oder aus Sicht eines Deutsche-Bank-Aktionärs angemessen sind. Zumindest hat sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nicht gleich sämtliche Risiken eingekauft, die laut Frankfurter Finanzkreisen in den Büchern der Postbank schlummern könnten.

Ja, der Deal darf ansonsten als clever gelten, weil sich die Deutsche Bank auf Sicht ein dickes Polster Kundengelder in den Rücken stopft - die Euros von mehr als 14 Millionen Postbank-Kleinsparern. So gestützt in der Heimat, lassen sich globale Geschäfte mit geraderem Kreuz angehen.

Ja, auch die Politik kann mit der Zusammenrottung zufrieden sein, kostet der Deutsche-Postbank-Deal mutmaßlich doch weit weniger Jobs, als etwa der von Commerzbank und Dresdner. Und: Es sind schließlich zwei Dickschiffe am heimischen Markt entstanden, die zumindest im europäischen Konzert mitspielen können. Als "deutsche Lösungen".

Ja, und die Kunden? Bislang sind Gelddienste in Deutschland sehr billig zu haben. Grund ist der sehr scharfe Wettbewerb der Anbieter untereinander. Durch die jüngeren Übernahmen werden alsbald nur noch zwei deutsche und zwei ausländische Konzerne den Markt der privaten Geschäftsbanken dominieren:

- Deutsche Bank (inkl. Postbank/BHW, Norisbank, Berliner Bank usw.)

- Commerzbank (inkl. Dresdner Bank, Comdirect, Eurohypo)

- Hollands ING-Gruppe (DiBa, Interhyp)

- Italiens Unicredit (HypoVereinsbank, DAB)

Viel mehr ist nicht mehr. Nicht wirklich relevant ist der Deutschland-Ableger der schwedischen SEB. Und offen ist, welche Rolle die französische Credit Mutuel, Neueignerin der deutschen Citibank, hierzulande spielen will (und kann).

Gäbe es in Deutschland keine Sparkassen und keine Genossenschaftsbanken, herrschten annähernd "britische Bankverhältnisse": Eine Handvoll börsennotierter Institute diktieren Konditionen und Preise, zig tausend Kleinkunden fallen durchs Rentabilitätsraster, erhalten mitunter keine Kontoverbindung mehr. Doch es gibt sie, die mehr als 400 Sparkassen und die mehr als 1000 Volks-, Sparda- und PSD-Banken. Von ihnen, die selbst nicht gerade problemfrei sind, wird es letztlich abhängen, ob alle Bundesbürger auch künftig Bankdienste zu einigermaßen fairen Preisen erhalten. Oder, ob sich die Preise irgendwann vollends an den Gewinninteressen der Aktionäre orientieren. So wie in Großbritannien.

Leicht werden es die vier Großen den Sparkassen und Volksbanken nicht machen. Die Beiboote der Dickschiffe werden auch weiter versuchen, mit Billigst-Versprechen Kunden anzulocken. Erst, wenn die Marktanteile zu ihren Gunsten gekippt wären, könnten (und würden) sie die Preis-/Konditionenschraube zu ihren Gunsten anziehen. Doch das dürfte noch eine Weile dauern.


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